(InDOpendent) Beim neuen AHS-Kurs Ultimate-Frisbee jagen Studierende fliegenden Plastikscheiben hinterher. Bei diesem Mannschaftssport kommen sie ganz schön ins Schwitzen.
Srrrrrrrrr, ein greller Blitz schwirrt durch die Luft. Agnes Cebulla hechtet hinterher, springt ab. Ihre Hände klatschen aufeinander als sie versucht, die weiße Plastikscheibe zu fangen. Zsch - das Frisbee war schneller, geht zu Boden und rutscht einige Meter weiter. Kein Punkt für Agnes Cebullas Mannschaft. Heiko Brandt, ihr Gegenspieler, hebt die Scheibe auf. Turn over: Sein Team bekommt die Scheibe. Und weiter geht das Frisbee-Match.
Eine halbe Stunde früher: Scheinbar wirr laufen acht Spieler über den Rasenplatz hinter dem Sportinstitut - Magnus Gocke diagonal zu Stefan Büth, Henrik Nachtrodt auf der Geraden zu Sebastian Zier… Dabei markieren Hütchen die Punkte, von denen aus sie das Frisbee werfen sollen. Agnes Cebulla steht an der Markierung, wirft und läuft zum nächsten Hütchen. Zwischen den Stationen hat sie kaum Zeit zu atmen - geschweige denn, lange zu reden. "Super, das ist einfach ein guter Sport", schwärmt sie. Heiko Brandt hat ihre Scheibe gefangen. Kaum ist seine Mitspielerin an ihrem Zielhütchen angekommen, wirft Magnus Gocke ihr die zweite Scheibe zu.
Bewegung, Miteinander und Auspowern

|
Wenn Henrik das Frisbee fängt, bekommt sein Team den Punkt. |
"Zum Ultimate-Frisbee kommen auch Leute, die nicht besonders sportlich aussehen. Die Hauptsachen sind Bewegung und ein gutes Miteinander. Aber auspowern kann man sich hier auch", sagt Stephan Schulze Brock. Er leitet den Frisbeekurs.
Aufwärmen und Technik-Übungen bestimmen den ersten Teil des Kurses an der Dortmunder Uni. "Jetzt fangen wir mal nur mit einer Hand", weist Sportlehrer Schulze Brock seine Mitspieler an. Die stöhnen auf, hatte gerade alles noch so gut geklappt. Bei der neuen Technikübung fällt die Scheibe öfter auf den Boden. "Ein Wurf besteht immer aus Wurf und Fang. Ich muss den Wurf auf den Fänger ausrichten", erklärt der 38-jährige Kursleiter.
Verteidigungs-Übung: Stefan Büths Arme schwingen von oben nach unten, dann ohne Pause nach links und wieder hoch: immer dorthin, wo sein Gegenspieler versucht, einen freien Weg zu finden. Büth steht zwischen Henrik Nachtrodt und Magnus Gocke, die sich ein weißes Frisbee zu werfen. Büth soll den jeweiligen Werfer blockieren. Lehnt der sich nach rechts, um an dem Körper vor ihm vorbei zu werfen, ist Büth schon da und hindert ihn am Spielzug. Auch die linke oder mittige Flugbahn versucht er zu blocken. Manchmal klappt's - manchmal nicht. Dann fliegt die Scheibe hin und her, hebt sich ab gegen das Grau des Himmels und das Grün der Bäume hinter dem Sportinstitut.
Kribbelndes Gefühl, wenn das Frisbee einschlägt

|
Beim Spiel fliegt nur eine Scheibe, die anderen liegen am Feldrand. |
Blau, rot, gelb, weiß - das sind die Farben der anderen Frisbees, die noch am Spielfeldrand liegen. "Die blauen sind nicht so gut zu sehen, wenn es dunkel wird", sagt Schulze Brock über die Scheiben des AHS. Da könnten sich die Spieler leichter verletzen, deshalb bringe er eigene mit. Egal, welche Farbe, wenn das Frisbee im Spiel mit voller Wucht in der Hand landet, kann es ganz schön kribbeln - auch noch, wenn das Spiel längst wieder in vollem Gang ist.
Während die anderen schon schwitzen, kommt Benjamin Rooney zum Platz. "In den USA ist das seit zehn Jahren überall bekannt", sagt er mit amerikanischem Akzent. Er kommt aus den USA, genau wie Ultimate-Frisbee. Der 23-Jährige aus Washington State, der für ein Austauschsemester in Dortmund ist, beobachtet das Treiben auf dem Platz.
"One, two, three" - der Countdowen läuft
"Counting one, two,…" zählt Stefan Büth, der direkt vor Agnes Cebulla steht. Im Spiel beginnt damit für sie als seine Gegenspielerin der Countdown. Die Studentin hat die Scheibe fest in der Hand. Mit Blicken versucht sie Magnus Gocke zu signalisieren, dass sie die Scheibe zu ihm werfen will - zehn Meter trennen die beiden. Aber jedes Mal, wenn sie zum Wurf ansetzt, ist Büth da und blockiert.
| Mehr zum Thema |
| Zusätzlich zum AHS-Kurs mittwochs um 19 Uhr treffen sich die Spieler sonntags zur gleichen Zeit im Dortmunder Tremoniapark. Weitere Informationen bietet Kursleiter Stephan Schulze Brock per Email (siehe Links). |
Die Aufwärm-Übung macht sich bemerkbar. "…three, four, five". Cebulla lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Blickkontakt, zielen - und wieder ist ein Arm im Weg. "…six, seven, eight." Langsam wird es knapp für die Studentin. "Ist der Zähler bei zehn angekommen, muss sie werfen", erklärt Schulze Brock. Da, eine Lücke. Cebulla nutzt die Chance. Die Scheibe saust vorbei an Büth.
"Wir haben den Punkt", ruft Cebulla erleichtert - die Scheibe ist im Ziel. Heiko Brandt hat sie in der Endzone gefangen. Fängt ein Spieler die Scheibe in der Endzone seiner Mannschaft, ist das ein Punkt, erläutert Schulze Brock. "Der Wurf muss dabei aus dem selben Team kommen", betont er. Jetzt wechseln die Mannschaften die Seiten und weiter geht's.
FOTOS: Julia Seifert, Astrid Stolberg