Start

Stadt

Campus

Kultur

Sport

WM 2006

Service



 

Wenn die Coolness über Bord geht

Gekränkte Jolle: Boot in Schieflage

(InDopendent) Luft! Bis vor einer Sekunde noch war ich überzeugt, dass Schwimmwesten dazu dienen, Leben zu retten. Aber dieses Ding, das meinen Brustkorb zusammenquetscht? In Gedanken sehe ich mich schon wie ein Stück Holz auf dem Wasser treiben. Nicht ertrunken, aber erstickt. Ein entschlossener Griff an den Reißverschluss. Schon viel besser. Da haben es die Jungs vom UniversitätsSegelClub Dortmund (USC) etwas zu gut mit meiner Sicherheit gemeint.

 

Drei Mann in einem Boot?

 

Obwohl der Wind am Hengsteysee schwach ist und ich ein guter Schwimmer bin, habe ich ein mulmiges Gefühl: Diese winzige Jolle soll Hajo und Dirk vom USC und noch dazu mich tragen? Der Einstieg ins Boot stimmt mich nicht optimistischer. Ziemlich wackelig, das Ganze. Aber bloß nichts anmerken lassen, souverän wirken. Wamm! Ein Schlag des Baums gegen meinen Hinterkopf lässt mich alle Coolness-Vorsätze vergessen. Dabei haben wir noch nicht einmal abgelegt.

Erst auf dem See entspanne ich mich und genieße die Aussicht: links der Bootssteg, rechts oben das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, rundherum grün. Hajo und Dirk sorgen dafür, dass wir vorankommen. Sie erinnern an kleine Jungen, die mit der Eisenbahn spielen. Voll bei der Sache, hoch konzentriert. Ich glaube bei ihnen bin ich in guten Händen - wie die 2500 Leute, die bereits beim USC eine Segelausbildung gemacht haben.

 

Beim USC lernen Studierende das Segeln

 

In guten Händen: Segelausbildung beim USC

 

Handbreit über dem Wasser

 

Die Brücke, die ich vorher mit dem Auto überquert habe, sieht von unten sehr niedrig aus. Ist der Mast mit seinen 6,3 Metern nicht viel zu hoch dafür? Je näher wir kommen, desto mulmiger wird mir, und in Gedanken sehe ich mich schon wieder im Wasser. Wie viel Platz ist wohl zwischen Mastspitze und Brücke? "Halber Meter", sagt Dirk. Mir kommt es weniger vor. "Gekränkt", in Schräglage fahren wir auf die Brücke zu. So gewinnt man entscheidende Zentimeter. Das Boot ist bedenklich zur Seite geneigt, ich sitze eine Handbreit über dem Wasser.

 

Segel-ABC für Einsteiger

 

Ungewolltes Brückenrendezvous

 

Dirk behält recht. Die Sache geht gut. Jetzt sind wir im größeren Teil des Sees. Hinter uns die Brücke, links die Segelschule, rechts Schrebergärten, dahinter die Ruhr. Hier kann man es aushalten. Doch Hajo und Dirk wollen zurück. Es gibt noch viel zu tun, morgen beginnt der erste Segelkurs. Aber der Wind spielt nicht mit. Erst nach mehreren Versuchen haben wir genügend Schwung. Ich erinnere mich, dass wir vorhin anders auf die Brücke zugefahren sind. Der Brückenpfeiler rückt bedrohlich nah. "Hajo, das passt nicht!" Dirks Worte kommen zu spät. Ein Schlag erschüttert das Boot, der Metallmast schrammt kreischend an der Brücke entlang. Meine Bauchmuskeln schmerzen, weil ich krampfhaft versuche, aufrecht zu sitzen. Zweiter Anlauf, diesmal klappt es: Wir lassen die Brücke hinter uns.

 

Beliebtes Segelrevier: Hengsteysee im Dortmunder Süden

 

Zum Paddelboot umfunktioniert

 

Nach 50 Metern ist plötzlich Flaute. Kein Lüftchen regt sich. Wir kommen nicht voran. Hajo muss paddeln. Ein Motorboot ist vielleicht doch nicht so schlecht, denke ich mir. Doch bevor ich weiterdenken kann, nimmt das Boot wieder Fahrt auf. Nach gefühlten drei Stunden sind wir wieder am Steg. Mein Hinterkopf schmerzt immer noch. Hajo und Dirk berichten den anderen vom USC von unserem Rendezvous mit der Brücke. Und ich öffne meine Schwimmweste und atme auf.

 

Weiterführende Links:

 

UniversitätsSegelClub

Allgemeiner Hochschulsport der Uni Dortmund

Dortmunder Segelclub Hansa

 

Fotos: Barbara Stählin

VON BENJAMIN SCHULZ

« Zurück


 
   

  Start    Stadt    Campus    Kultur    Sport    WM 2006    Service  

Copyright © 2000 - 2006 donews.de