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donews exklusiv: Stefan Reuter im Interview

Reuter und donews-Redakteur Hebing (v.l.)

Der ehemalige BvB-Kapitän hat mit seinen Mannschaften fast alle Titel geholt, die es zu gewinnen gibt. Unter anderem wurde der dreifache Familienvater Weltmeister, holte den Weltpokal, die Champions-League und Deutsche Meisterschaften. 2004 beendete Stefan Reuter seine Fußballer-Karriere und war kurzzeitig Team-Manager bei Borussia Dortmund. Seit Anfang dieses Jahres konzentriert er sich auf seine Aufgabe als WM-Botschafter. donews-Redakteur David Hebing hat sich mit Stefan Reuter zu einem Exklusiv-Interview getroffen:

 

DONEWS: Der Confed-Cup ist vorbei. Brasilien hat sich den Titel gesichert. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz der Mini-WM aus?

 

REUTER: Durchweg positiv, weil man wirklich tollen Fußball gesehen hat. Es sind viele Tore gefallen. Auch die Stimmung war klasse. Ich war selbst ein paar Mal im Stadion und wie die Zuschauer mitgegangen sind, was die Fans geboten bekommen haben, war toll.

 

DONEWS: Die Mini-WM galt als Generalprobe für die richtige Weltmeisterschaft. Sie haben den Blick hinter die Kulissen. Wo hakt es noch?

 

REUTER: Wir haben ganz tolle neue Stadien bekommen, aber dass es hier und da noch etwas zwickt - bei der Zu- und Abfahrt - ist klar. Da gibt es sicherlich Engpässe, die noch gelöst werden müssen. Ich bin selbst hin und wieder im Verkehr stecken geblieben. Aber da müssen wir auch ein bisschen an unserer Mentalität arbeiten. Ich habe die WM 1990 in Italien gespielt. Da gab es auch mal ein absolutes Verkehrschaos. Dann hat man halt auch den Straßen gefeiert und hatte gute Stimmung. Da muss man ein bisschen tolerant und locker sein.

 

Stefan Reuter grüßt die Dortmunder Studenten (15 s/115 kB)

 

DONEWS: Locker ist auch die deutsche Mannschaft bei diesem Confed-Cup aufgetreten. Wie beurteilen Sie den dritten Platz und was muss noch besser werden?

 

REUTER: Die deutsche Mannschaft hat sich sehr gut präsentiert. Vor allem frisch. Alle hatten ja ein bisschen Sorge nach so einer langen Saison. Man spielt mit sehr viel Schwung nach vorne, aber man ist vielleicht noch zu anfällig. Es fallen zu viele Gegentore. Das muss man sicher noch abstellen, wenn man nächstes Jahr bei der WM noch mehr erreichen möchte.

 

 

 

 Fußball ist schon vor der WM die Nummer 1

DONEWS: Kann Deutschland Weltmeister werden?

 

REUTER: Das Ziel ist genannt und ich finde es auch toll, dass man das so klar äußert. So langsam kommt der Glaube auch in der Bevölkerung, dass man das durchaus erreichen kann. Man ist ganz nah dran. Ich habe das Finale Argentinien gegen Brasilien gesehen. Das war schon Fußball auf ganz hohem Niveau. Das Tempo… das ist schon beeindruckend. Aber: die deutsche Mannschaft hat gutes Entwicklungspotential. Wenn die jungen Spieler sich weiterentwickeln, dann ist man durchaus konkurrenzfähig.

 

DONEWS: Welcher junge Spieler hat Sie besonders überzeugt?

 

REUTER: Ich fand es schon klasse, wie sich Podolski in der Nationalmannschaft durchgesetzt hat. Es wurde ja vorher viel diskutiert, ob es richtig ist, dass er in Köln bleibt. Man hat gemerkt, wie gut es einem jungen Spieler tut, wenn er in seiner eigenen Mannschaft gesetzt ist und mit Selbstbewusstsein zu einem Turnier reist. Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass er auf internationaler Ebene seine Leistung bringen kann.

 

"Hoffe auf Wörns, Metzelder und Kehl"

 

DONEWS: Im WM-Kader werden sich sicher auch einige erfahrene Leute wieder finden. Wen würden Sie noch dazu nehmen?

 

REUTER: Aus Dortmunder Sicht hoffe ich natürlich, dass wir in der Defensive Leute wie Wörns und Metzelder sehen. Auch Sebastian Kehl hat eine tolle Rückrunde gespielt. Diese erfahrenen Leute machen die Nationalmannschaft sicher noch stärker.

 

DONEWS: Metzelder war fast zwei Jahre lang an der Achillessehne verletzt. Glauben Sie wirklich, dass er das alte Niveau noch mal erreichen kann?

 

REUTER: Ich denke schon, Christoph Metzelder ist für die Mannschaft ungeheuer wichtig – als Typ. Ihm hat die Sommerpause sicher zusätzlich gut getan. Wenn er jetzt eine gute Vorbereitung macht und gesund in die neue Saison geht, dann bin ich überzeugt, dass noch eine Leistungssteigerung kommt.

 

"Dortmund wird von Gästen überströmt"

 

DONEWS: Sie haben in Italien erlebt, was es bedeutet, eine Weltmeisterschaft auszurichten. Was kommt auf Deutschland und insbesondere auf Dortmund eigentlich zu?

 

REUTER: Ich glaube, dass sich das viele noch gar nicht vorstellen können. Dortmund wird überströmt von Gästen aus der ganzen Welt. Unheimlich viele Fans werden in der Region ihre Zelte aufschlagen. Man hat hier in Nordrhein-Westfalen mit Köln, Gelsenkirchen und Dortmund drei WM-Standorte. Es finden 16 von 64 Spielen hier statt. Man kann von hier aus auch Hannover ganz gut erreichen. Es wird sicher ein Standort sein, an dem viele Fans nicht nur an den Spieltagen sein werden. Außerdem werden bis zu 7.000 Journalisten in Dortmund sein, weil wir das Medienzentrum-West hier haben.

 

DONEWS: Es sind zahlreiche Fan-Veranstaltungen geplant. Vor, aber natürlich vor allem auch während der WM. Wie wird das genau ablaufen?

 

REUTER: Auf dem Friedensplatz kann man ganz tolle Veranstaltungen organisieren. Wenn ich mich daran erinnere, wie wir da mit Borussia immer unsere Titel gefeiert haben… Man hat dann auch die Nähe von der Stadt zum Stadion. Es wird eine Fan-Meile hergerichtet. Die Fans können dann von der Innenstadt zum Stadion pilgern. Da sind die Voraussetzungen schon sehr gut. Und man hat mit dem Westfalenstadion das Stadion, in dem die Stimmung meiner Meinung nach am besten ist.

 

 

 

 Zur Begrüßung einen Milchkaffee... Mmmh!

DONEWS: Die Vorbereitungen auf die WM laufen auch in Dortmund schon lange. Was sind die größten Baustellen im Moment?

 

REUTER: Es wird an der Infrastruktur gearbeitet. Es gibt da über Jahre erkennbare Engpässe. Man hat durch die viel befahrene B1 natürlich schon das eine oder andere Problem. Man versucht etliches zu verbessern, was eben nicht nur für die Weltmeisterschaft nützlich ist, sondern auch darüber hinaus. Man wird davon profitieren. Auch am Stadion gibt es noch kleinere Umbaumaßnahmen, die jetzt während der Sommerpause laufen. Das wird alles überhaupt kein Problem sein, das bis zur Weltmeisterschaft hinzukriegen.

 

DONEWS: "Die Welt zu Gast bei Freunden" – das ist das Motto der WM. Was sollte Deutschland im nächsten Jahr seinen Gästen vermitteln?

 

REUTER: Was für mich ganz wichtig ist: die Leute sollen erkennen, dass in Deutschland Lebensfreude und Begeisterung da sind. Wir sollten zeigen, dass wir es verstehen so ein Event zu zelebrieren – sehr gastfreundlich aufzutreten. Wir können das Bild der Deutschen in der Welt sehr positiv verändern. Viele haben die Meinung über Deutschland, dass hier zwar sehr gut gearbeitet und organisiert wird, aber, dass eben die Lebensfreude fehlt…

 

DONEWS: Jetzt im Vorfeld ist der Jubel gerade in den WM-Städten groß. Viele Menschen freuen sich. Was passiert nach der WM? Beginnt dann die große depressive Phase oder kann Dortmund noch länger von diesem Ereignis profitieren?

 

REUTER: Ich bin überzeugt, dass die Stadt weit über die WM hinaus profitieren wird. Im Moment gibt es immer noch das Image der Kohlestadt. Im Ruhrgebiet, da fliegt Kohle durch die Luft… Man kann ganz deutlich nach außen dokumentieren, dass es einen Strukturwandel gegeben hat und das es sehr schöne Ecken gibt - es sich sehr wohl lohnt, nicht nur zum Fußball in die Region zu fahren, sondern auch darüber hinaus. Von daher glaube ich, dass speziell die Region hier mit am meisten von der Weltmeisterschaft profitiert.

 

"Volunteers" sind immer noch gefragt (31 s/240 kB)

 

DONEWS: Dortmund ist eine Studenten-Stadt. Wird die Uni mit einbezogen in das Spektakel Fußball-WM?

 

REUTER: Das könnte ich mir gut vorstellen! Die Kommunikationsmöglichkeiten werden ja gigantisch sein. Man wird sehr viel benötigen. Durch die Uni und das Technologiezentrum kann man auch dokumentieren, dass man sehr innovativ in Dortmund ist. Da wird es sicher Verbindungen auch zur Uni geben.

 

DONEWS: Gibt es konkrete Planungen, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte?

 

REUTER: Ehrlich gesagt: Da bin ich überfragt. Das läuft alles direkt über das WM-Büro der Stadt.

 

Zurück zum BvB: "Unwahrscheinlich"

 

DONEWS: Momentan sind Sie ehrenamtlich als WM-Botschafter der Stadt Dortmund unterwegs. Wie geht es für Sie hauptberuflich weiter? Sie haben die Fußball-Lehrer-Lizenz und auch erste Erfahrungen im Management…

 

REUTER: Ich sehe mich auf alle Fälle wieder im Management - im Fußball-Bereich. Und ich glaube auch, dass das spätestens nach der WM 2006 wieder klappt.

 

DONEWS: Beim BvB haben Sie Anfang dieses Jahres als Team-Manager aufgehört. Sie waren mit ihrem Aufgabenfeld nicht einverstanden. Können Sie sich vorstellen, noch mal bei der Borussia einzusteigen?

 

REUTER: Auszuschließen ist das nicht, aber es ist eher unwahrscheinlich.

 

DONEWS: Vielen Dank für das Gespräch!

 

REUTER: Gerne!

 

Fotos: David Hebing

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VON DAVID HEBING

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