| Eine feuchtfröhliche Angelegenheit | ||||||||||||||
Rund 4000 Quadratmeter misst die Saunalandschaft des Revierparks Wischlingen. Raum genug für ausgedehnte Wellness-Stunden in den verschiedensten Saunen. Abkühlung dringend empfohlen.
Frisch in die Bademäntel geschlüpft, machen wir uns zu dritt auf den Weg. Vorbei an der Schwimmlandschaft, durch das Drehkreuz, empfängt uns im Innenbereich der Sauna der Duft von minzigen Aufgüssen und warmem Holz. Im Saunagarten außerhalb des Gebäudes schlurfen bei 13 Grad Celsius Außentemperatur Männer und Frauen zwischen den rustikalen Holzhütten umher - vornehmlich nackt und in Badelatschen, manche eingemummelt in ihre Bademäntel oder große Badelaken.
Die Auswahl in der Saunalandschaft im Revierpark Wischlingen ist groß: Zehn Saunen, Dampfbäder, Whirlpools und mehr warten auf den Entspannung suchenden Freund des Schweißes. Highlights sind dabei unter anderem die Lappland-Sauna oder die unterirdische Salzstollen-Sauna, die absichtlich einen Ruhrpott-Bezug herstellen soll. Das Sauna-Publikum ist gemischt, junge Leute kommen genauso wie Rentner. "Unser ältester Gast ist eine 96-jährige Frau und die ist topfit", plaudert Saunameister Andreas Wildoer, selbst passionierter Saunabesucher. Der beste Beweis dafür, dass Saunagänge gesund sind und das Immunsystem nachhaltig stärken.
Eiskalte Abreibung
"Die ist was für den Anfang", erklärt einer von Wildoers Kollegen und zeigt auf die Toskana-Sauna. Die moderate Hitze von etwa 65 Grad wird begleitet von einem angenehmen Lichtspiel.
Kaum in der Hütte angekommen, strömt die wohlige Wärme in den Körper und lockert die alltagsgestressten Knochen. Was bleibt ist ein versonnenes Lächeln aufzusetzen und dem Alltag den Rücken - samt kleiner Schweißperlen - zu kehren.
Die meisten Wohlfühlgefühl-Suchenden planen insgesamt mindestens zwei Stunden ein, das reicht für drei Saunagänge und anschließende Ruhephasen. Dafür gibt es im Revierpark sowohl draußen im Grünen als auch im Innenbereich reihenweise Liegestühle oder beheizte Sitzbänke, von denen wir nur höchst ungern Abschied nehmen. "Bei so viel Entspannung haben Eltern sogar schon ihre Kinder am Eisstand vergessen", grinst Wildoer. Um solche kleinen Zwischenfälle kümmern sich der Saunameister und seine Kollegen genauso wie um schwächelnde Saunagänger oder Langfinger, die sich Scherze mit dem Personal erlauben.
Fern ab solcher Scherze treibt es uns nach gut zehn Minuten in der Toskana zur ersten Abkühlung in den so genannten Eiskeller. Dieser macht dann auch seinem Namen alle Ehre und lehrt uns das Frösteln. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und sorgt für frostige Temperaturen. In einem Bottich stehen Eissplitter zum Abreiben parat. Hier und da ein paar quiekende Laute. Doch bald herrscht wieder Disziplin, immerhin sagt Lis, die Behandlung sei gut für die Haut und vor allem fürs Dekoltee. Wir hoffen es und beißen die Zähne zusammen.
Nach Fünf im Urwald
Nach dem weitestgehend angenehmen Kälteschock kann es dann auch gleich weitergehen. In der Amazonas-Sauna, direkt neben der "Sahara" (100 Grad für die ganz Harten), ist für 17 Uhr ein Überraschungsaufguss angekündigt. Wir stehen dazu, "Sauna-Untensitzer" zu sein und nehmen auf der niedrigsten Bankreihe Platz. Die Bemerkungen von den Profis, dass man da unten doch friere, prallen an uns ab. Denn wir wollen unseren Körper langsam an die heftigen Temperaturen gewöhnen.
Das grüne Licht reflektiert wie ein glitzernder Wasserfall. Dazu tönt sanftes Vogelgezwitscher. Ob das im Regenwald genauso klingt - völlig egal, Genießen ist angesagt. "Hallo, ich bin die Svenja", sagt die junge Frau in weißen Shorts und rosafarbenem Bikinioberteil. Sie ist zuständig für den Aufguss mit dem appetitlichem Namen "Citrus-Papaya". Svenja gibt alles und schwingt das weiße Handtuch über dem Kopf. Vor allem aus den hinteren Reihen erklingt leichtes Stöhnen, wenn die dampfenden Hitzewogen auf unsere Körper treffen. Der Schweiß fließt - auch bei der Aufguss-Spezialistin. Dann die erfrischende Überraschung: Nach der Hälfte der Zeit werden Papayas, Orangen und andere Früchte gereicht. Alle greifen zu und knabbern genüsslich vor sich hin, auch wir. Aufgüsse dieser Art sind längst Standard und die meisten Saunen lassen sich einiges für ihre Gäste einfallen.
Hier sind ja alle nackt
Nacktheit ist in deutschen Saunen Pflicht. Vor allem aus hygienischen Gründen, denn in Kleidung zu schwitzen, gilt als unappetitlich. Doch sich völlig zu entblättern, ist nicht für jeden leicht.
Wer mit seinen Problemzonen hadert, merkt hier gleich: Offensichtlich sind nur wenige Körper begnadet und entsprechen Modelmaßen. Drinnen steigen einige Frauen immer wieder auf die Waage. Durch die Hitze verliert man viel Flüssigkeit und das zeigt sich am Gewicht. Unnötiges Fett verschwindet aber nicht.
Für alle, die ungern die Sauna mit dem anderen Geschlecht teilen, hat der Revierpark Wischlingen eine Lösung. Neben der gemischten Sauna gibt es täglich eine reine Frauensauna. Im Zuge der Gleichberechtigung hat man auch "Männertage" eingerichtet. Montags und mittwochs können die Herren unter sich sein.
Fotoapparate und Handys sind im Saunabereich übrigens strikt verboten. So sollen Spanner abgeschreckt werden. "Wenn Frauen allerdings belästigt werden sollten, können sie das melden und unser Personal schreitet sofort ein", beruhigt Saunameister Wildoer. Also wieder alle schön entspannen.
Außer der Saunalandschaft gibt's im Revierpark auch ein Solebad, eine Eislaufbahn und ein Freibad.
Fotos: Larissa Beu | ||||||||||||||
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VON OYINDAMOLA ALASHE, LARISSA BEU, LIS KANNENBERG |
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