| "Und Bitte!" | ||||||||||
(do1) Die Fassade eines baufälligen Hauses bei Nacht. Hinter den zerschlagenen Scheiben eines Fensters wiegt sich ein Mobile mit vier rosafarbenen Glasblumen im Wind. In weiter Ferne ist eine Kinderspieluhr zu hören und irgendwo weint ein Mädchen. Polizist Oliver betritt nachts auf eigene Faust das Gemäuer mit der Hausnummer 202a - und dringt in ein Horrorkabinett ein: Zwischen Trümmern und Fäulnis trifft er auf dem Dachboden auf sich selbst. Oliver hat ein furchtbares Verbrechen begangen, für das er nun gerichtet werden soll.
Polizist Oliver de May ist die Hauptfigur des Films und in dieser Szene spitzt sich die Handlung zu. Es ist auch die schwierigste Szene für Hauptdarsteller René Sydow, da er sich in einer Doppelrolle spielen muss: „Es war für mich eine Herausforderung, zwei verschiedene Figuren zu spielen. Zuerst haben wir `den guten Oliver` gedreht, der nur dasitzt und vermöbelt wird, und dann den Bösewicht, die absolute Knallerrolle“.
Die Idee für seinen Kurzfilm "202a" hatte Regisseur Daniel Jäger schon sehr lange, aber umgesetzt hat er das Projekt erst am Ende seines Filmstudiums.
Die erste Szene: Der schwer verletzte Polizist Oliver wird in einem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Der Lärm der Sirene gibt einen quälenden Rhythmus vor und durch die Heckfenster fallen Reflektionen der Blaulichter auf die Sanitäter. Der Wagen fährt in der Szene nicht wirklich. Die Bewegungen der Fahrt haben die Leute des Filmteams imitiert, indem sie draußen an dem Wagen gerüttelt haben. Mit blauer Folie abgedeckte Lampen wurden außerhalb des Rettungswagens im gleichen Rhythmus bewegt und schon war das Problem des Blaulichts gelöst.
Dreh im echten OP
Im Operationssaal musste die Maske volle Arbeit leisten, denn für diese Szene war jede Menge Kunstblut gefragt. „Ich bin dort mit komplett zerstörtem Gesicht und zerstörter Brust rum gelaufen und die Ärzte haben immer nur gelacht“, sagt Hauptdarsteller René Sydow. Mit dem Krankenhaus wurde vorher vereinbart, dass so lange gedreht werden darf, wie kein richtiger Notfall kommt und der Operationssaal dringend gebraucht wird. Dann hätte das Filmteam das Set innerhalb von fünf Minuten räumen müssen.
Polizist Oliver erwacht aus dem Koma und erholt sich überraschend schnell. Doch seit dem Vorfall scheint nichts mehr, wie es einmal war - Oliver hört quälende Kinderschreie aus dem verlassenen und völlig heruntergekommenen Haus Nummer 202a. Die Dreharbeiten vor dem Haus fanden nachts von 22 Uhr bis fünf Uhr morgens statt. Insgesamt waren es vier Szenen, die abgedreht wurden, und im Film gerade mal knapp zwei Minuten ausmachen.
Der Regenmacher
Produktionsleiter Björn Hoffmann wollte den Regen fast schon aus der Szene streichen. Aber kurz vor Drehbeginn hat sich dann doch noch ein günstiges Angebot für das Filmteam ergeben: Drei Feuerwehrmänner haben in dieser Nacht für jede Menge Regen am Set gesorgt. „Es sind 10.000 Liter Wasser durch die Schläuche gegangen und das war nicht unerheblich. Die Wiese war zum Schluss nur noch ein Wasserteppich und unser Hauptdarsteller ist darin mehr oder weniger versunken“, sagt Björn Hoffmann.
Kameramann und Kamera wurden für die Dreharbeiten vor dem Haus 202a in Regencape und Plastikfolien eingepackt und Hauptdarsteller René Sydow hat seine Füße in Müllbeutel gesteckt. Aber am Ende waren alle klitschnass. Denn der Regisseur war mit der ersten Einstellung nicht zufrieden und so mussten Kameramann, Kameraassistent und Schauspieler mehr als vier Mal durch den Regen waten. „Der Kameramann musste immer brüllen, weil der Regen so unheimlich laut war. Man kann sich nicht vorstellen, wie laut drei Wasserschläuche sind. Es war ein Chaos an dem Abend“, erinnert sich Hauptdarsteller René Sydow.
Vom Film zum Theater
Es ist kein einfacher Stoff, den sich Nachwuchsregisseur Daniel Jäger für seinen Abschlussfilm ausgedacht hat und die Umsetzung mit der Doppelrolle ist auch für Hauptdarsteller René Sydow eine Herausforderung. Er hat schon an einigen gemeinsamen Projekten mit Daniel gearbeitet und vertraut ihm.
In Zukunft werden sich die Wege des Teams "202a" trennen. Regisseur und Kameramann haben schon ganz konkrete Pläne: Daniel Jäger möchte gerne ans Theater und Nils Witt wird ein Aufbaustudium für Kamera an der Fachhochschule aufnehmen.
FOTOS: Stefan Runge, Patrick Ubachs
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