| Mach mir den D!nator | ||||||||
"Willst Du tanzen? Dann laber nicht, davon wirst Du nicht besser." Kaum auf der Bühne, sagt Detlef "D!" Soost allen, wo es lang geht. Der Drill-Instructor aus der Pro7-Show "Popstars" macht seinem Image wider Erwartens keine Ehre. Knallharte Ansagen ja, doch am Ende des fünfstündigen Dance-Workshops fließen zwar literweise Schweiß, aber keine Tränen.
Warten auf den Meister. Besonders die Zehn- bis 16-Jährigen unter den 250 Teilnehmern drängeln sich nervös vor die Bühne in der Glückauf Halle in Sprockhövel. Schon ein Uhr und der Star des Tages ist nicht in Sicht. Aufregung macht sich breit. Sitzt die zur Sporthose umfunktionierte Baggy Pants? Ist das nabelfreie Shirt vielleicht doch zu kurz? Fliegt das Piercing auch nicht raus bei den heißen Hip Hop Moves, auf die es heute ankommt? Im hinteren Teil der Halle verstecken sich noch etwas schüchtern, aber dennoch aufgeschlossen und bereit für den "D!nator", die älteren Teilnehmer. Manch einer hat aus rein sportlichen Aspekten den Weg nach Sprockhövel gefunden, wo der vom Sparkassenclub organisierte Workshop stattfindet.
Schwitzen mit Spaßfaktor
Ein Knistern und Kratzen, es kommt jemand. Leider ist es nur Björn Sassenroth, der als Mitorganisator ankündigt, dass der große Detlef "D!" Soost endlich eingetroffen sei und es nur noch wenige Minuten dauert. Als Warm-Upper macht er Werbung für Detlef’s neue Projekte und erklärt kurz das Programm des Tages: "Four hours total Dance, pure Sweat und Fun." Wahnsinn, vier Stunden schwitzen mit Spaßfaktor. Das gibt’s sonst nur im Sommerurlaub, nicht in einer stickigen Sporthalle.
Dann ist es endlich soweit, der "D!nator" betritt die Bühne. Locker in Schlabberhose und beigefarbenen Longsleeve legt er mit seinem Co-Trainer Rafael sofort los: Auflockerung nennt sich das. Zu Songs, die sonst nebst besoffenem Elch und Axel F. auf bekannten Musiksendern zu hören sind, animieren die beiden zu Aufwärmübungen.
Bei den ersten Sit-Ups bricht die Pizza und Pommes Fraktion schon fast zusammen, während die hinteren Reihen in Sportklamotten und ohne Nabelpiercings sich freuen doch ganz gut mitzukommen.
"Hey wir sind ein Team", motiviert D! seine Tanz-Lehrlinge von der Bühne aus. Nur die kichernden Mädels aus der ersten Reihe findet er nicht gerade amüsant: "Ey, wer labert kann auch rausgehen." Solche Peinlichkeiten könnten sie sich sparen. Wer redet, wolle nur von sich selbst ablenken. Wer wirklich tanzen will, darf sich nicht schämen, sondern muss voll loslegen. Nach einer guten halben Stunde steigen die beiden Coaches in die "Choreo" ein. Wie angekündigt gibt es heiße Hip Hop Moves, zu denen D! und Rafael die ersten acht Schritte vorführen. Entsetzen auf einigen Gesichtern: So muss das aussehen? Aber das wird schon zu schaffen sein. Diese Möchtegern-Stars von Pro7 haben ja auch beim D! gelernt und hatten vorher keine Ahnung was "Easy Bouncen" und "Sliden" ist.
Ohne Spannung geht nichts
Nach vorne, zurück, mit dem rechten Bein. Die Schultern nach unten und dann nach rechts sliden. Der Schweiß fließt in Strömen, und immer wieder alles von vorn. Das kann sich doch kein Mensch merken: "Wenn ihr wie Fluffybälle hier rumsteht, wird das nichts. Ihr müsst eure Muskeln anspannen", so Detlef Soost Antwort auf das unüberhörbare Stöhnen der Reihen. Nach zahlreichen Wiederholungen ohne Musik sitzen die ersten acht Schritte schon ganz gut.
D! geht auf Kontrollgang durch die Reihen. Keine Spur von Berührungsängsten, professionelle Anleitung und wirkliche Unterstützung, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Kevin Körner ist einer der wenigen männlichen Teilnehmer, bisher hat der 14-Jährige noch keine Erfahrung im Hip Hop tanzen, aber was der D! da macht findet er richtig gut: "Er bringt einem alles bei und erklärt auch mehrmals wie es geht", sagt der junge Mann aus Herdecke.
Die Zeit rast an einem vorbei. Und immer wieder dieselbe Reihenfolge. Vor, zurück, zur Seite. Bei einigen sieht das schon richtig professionell aus, andere üben sogar in den kurzen Trinkpausen an ihren Moves. D! erkundigt sich alle paar Minuten, ob irgendwo Fragen sind. Ein kleiner Arm geht nach oben. "Ich kann nicht schnipsen", sagt ein fünfjähriger Blondschopf mit David Beckham-Frisur. Nico Hoffmann aus Sprockhövel wird aufgemuntert: "Das macht doch nichts, die andern schnipsen umso lauter, dann tuste einfach nur so." Einfühlsam und sensibel "handelt" (sprich: häändelt) der D! auch dieses Problem. Nach drei Stunden wird es ernst, D! teilt die Teilnehmer in Gruppen zur Einzelperformance ein. Jede Gruppe muss ein Mal performen, dann wählt er aus jeder einen Einzelcoach, mit denen nun individuell geübt werden muss.
Bloß kein Rumgezicke will der Berliner haben. In 15 Minuten muss die Performance sitzen. Manch Personalmanger wäre neidisch auf dieses Organisationstalent. Aber gelernt ist gelernt. D! wuchs im Heim auf, war immer unter vielen Menschen und musste sich schon als kleiner Junge durchzusetzen wissen. Von nichts, kommt nichts, in den Anfängen seiner Tanzkarriere hat Detlef Soost sich professionell geschult, besuchte Seminare für Personalmanagement und Motivationstraining. Vom Arschloch-Image, das ihm in seiner Coachzeit bei den Popstars anheftet, keine Spur. Als am Ende des Tages die Gruppen vortanzen, macht er Stimmung und fordert vor allem eins: "Ich will, dass ihr die andern richtig anfeuert und nicht nur eure eigene Performance wichtig nehmt".
Mit einer Gelassenheit hat D! den Tag gemeistert und relaxt auf große und kleine Probleme reagiert. Wie schafft es der D!nator bloß, so ruhig zu bleiben, wo anderen längst der Kragen platzt? "Ich glaube das Relaxte kommt, wenn man mit sich mittig ist. Und ik bin zurzeit sehr, sehr mittig mit mir."
Am Ende des Tages hat D! natürlich auch noch Zeit für Autogramm- und Fotowünsche. Genauso durchorganisiert wie der Workshop läuft auch die Unterschriftabfertigung. Jeder bekommt eine Signatur, vom D! und auch von Rafael. Jeder nur eins, schließlich muss auch irgendwann mal Schluss sein. Strahlende Gesichter und zufriedene Sportler, die kaum abwarten können, mit den neuen Moves die eigenen Kinder an die Wand zu tanzen. Der D!nator hat seinen Auftrag erfüllt. Hasta la vista. Zum Glück gibt es bald die neue D_VD der D!nation, um die "coolen Choreos" zu Hause im Wohnzimmer nachzutanzen. Fotos: Sabrina Krähling | ||||||||
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