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Auf Abbruch folgt Aufbruch

Technische Berufe werden im Bfz gelehrt.

(InDopendent) Mit prominenten Abbrechern wie Bill Gates oder Günther Jauch bewirbt das Berufsförderungszentrum (Bfz) in Essen sein Programm für Studienaussteiger. Es soll eine Alternative zur "verkrachten Existenz" bieten. Dabei wagen sich die Verantwortlichen im Bfz weit vor und versprechen jedem, der einen ihrer Lehrgänge erfolgreich durchläuft einen Job.

 

Die Finger der zwölf Teilnehmer des Ausbildungslehrgangs "Database Developer" im Bfz bewegen sich geübt über die Tastaturen ihrer Notebooks. Sie alle wussten schon vor dem Beginn der Ausbildung zum Fachinformatiker, wie man programmiert. Denn das ist die Voraussetzung, um hier den Abschluss in fünfzehn Monaten machen zu können. 

 

Schnell rein in den Beruf

 

"Unser Konzept ist darauf ausgelegt, die Schüler schnell aus der Ausbildungsphase hinaus und rein in den Beruf zu bringen," sagt Susanne Wunder, eine der beiden Projektleiterinnen vom Bfz. "Deshalb sollen sie einen Nutzen aus ihren bis dahin an der Uni erworbenen Kenntnissen und Qualifikationen ziehen können", so Wunder weiter.

Etwa ein Viertel aller Studierenden, die direkt nach dem Abitur an die Uni kommen, brechen ihre Studium ab. Für diese Bilanz beruft sich das Bfz auf eine Studie der Hochschul-, Informationssystem GmbH, kurz HIS, aus dem Februar vergangenen Jahres. Etwa 80.000 schmissen demnach ihr Studium nach durchschnittlich sieben Semestern, ohne Scheine oder andere Zertifikate vorweisen zu können. "Diese Leute befinden sich in einer Schnittstelle der Verantwortlichkeit", sagt Susanne Wunder. "Die Hochschulteams an den Unis und auch die Jobcenter und Arbeitsagenturen können den Betroffenen keine verbindlichen Hilfezusagen geben."

 

Kein Universalrezept

 

Dass es kein Universalrezept gibt, um Studienabbrechern neue Perspektiven zu geben, bestätigt auch Dr. Wolfgang Tschesch-Riemannn, Berater im Hochschulteam der Dortmunder Agentur für Arbeit: "Wir beraten jeden, der zu uns kommt und Rat sucht, eine allgemeine Verfahrensweise gibt es für solche Fälle aber schon deshalb nicht, weil alle Exmatrikulationen gemeinsam erfasst werden. Studienabbrecher müssen sich neu orientieren. Arbeitslosengeld II zu beantragen, ist die Unterstützungsmöglichkeit des Gesetzgebers."

Seitens der Universität soll die Studienberatung potenziellen Aussteigern  vorhandene Alternativen aufzeigen, man will helfen, bietet sogar psychologischen Beistand an. Auch der Uni liegen zwar keine gesonderten Statistiken über die Anzahl der Studienabbrecher vor, das Problem ist aber auch hier bekannt. Der Pressesprecher der Uni Dortmund, Ole Lünnemann, führt die neuen Master- und Bachelorstudiengänge als klaren Gegentrend zum Ausstieg an: "Viele der Abbrecher scheitern an der langen Studierzeit. Ein Vorteil des BA/MA-Studiums ist die Möglichkeit, schon nach kurzer Zeit eine Qualifikation in der Hand zu halten."

 

Einzigartig in NRW

 

Seit Oktober 2005 bietet das Bfz-Essen gemeinsam mit der Industrie-, und Handelskammer (IHK) Essen und dem Land Nordrhein-Westfalen die Weiterbildungskurse an. In seiner direkt auf die Studienabbrecher ausgerichteten Form ist es das einzige Projekt seiner Art in NRW.

 

 

 Studienaussteigern wird Mut gemacht.

Der Schwerpunkt liegt dabei bisher auf technische Berufe und spricht Studienabbrecher aus den Bereichen Informatik, Elektrotechnik sowie Physik oder Chemie an. Auch ehemalige  Wirtschaftswissenschaftler können einen Ausbildungsvertrag mit dem Bfz abschließen. Diese Ausbildung ist allerdings nicht umsonst zu haben: 500,- Euro verlangt das Bfz monatlich. Doch die meisten zahlen lieber, als ganz ohne Ausbildung dazustehen. "Und für den Fall, dass der Job ausbleibt, zahlt das Bfz den Auszubildenden das Geld etappenweise zurück," sagt Susanne Wunderlich.

Geld, das sich bis zur Abschlussprüfung vor den Prüfern der IHK immerhin auf 7.500,- Euro beläuft. So genannte Profilings sollen feststellen, ob sich die Bewerber für die Ausbildung eignen und sollen die nötigen Fachkenntnisse der Azubis ermitteln. "Nur so haben die Teilnehmer auch die Chance, die Facharbeiter-Ausbildung in der komprimierten Zeit zu schaffen", meint Frau Wunder.

 

Inhaltlich wird die Ausbildung in zwei Phasen geteilt: Die Azubis werden in den ersten neun Monaten ihrer Ausbildung von Dozenten des Bfz geschult und bewerben sich anschließend bei einem der Unternehmen, die mit den Essener Berufsförderern kooperieren. Für sechs Monate sammeln sie so Praxis-Erfahrung und bereiten ihren Abschluss vor. Einzelprojekte wie im Fall der Informatiker, die Einrichtung eines firmeninternen Intranetsystems, müssen realisiert werden. Diese entstehen nicht nur auf dem Papier, sondern werden bei den Firmen auch gleich in die Realität umgesetzt.

 

100 % sollen vermittelt werden

 

"Unser Projekt ist gut angelaufen. Allerdings liegt unser größtes Problem in den Kontaktschwierigkeiten zu unserer Zielgruppe", zieht Leiterin Wunder ihre erste Bilanz. "Die mutige Entscheidung, ein Studium abzubrechen, wird von vielen noch sehr negativ eingestuft."

Das Ausbildungsprojekt in Essen wird finanziell vom Land NRW und sogar der EU unterstützt, das Fördergeld ist allerdings auch an den Erfolg des Unternehmens gekoppelt. 100% der Teilnehmer sollten nach Ausbildungsende in feste Jobs vermittelt werden, damit sich das Projekt auch für das Bfz lohnt, 70% müssen es aber mindestens sein, damit die Förderhähne der Behörden weiterhin sprudeln. Die nächste Ausbildungsrunde im Essener Bfz beginnt noch im März.

 

 Interview mit einem Bfz-Schüler

FOTOS: Ingo Hinz

 

 Mehr zum Thema 

  Homepage des Bfz  

  Homepage der His  


VON INGO HINZ

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