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Mit entscheiden!

Bestimmen, wer im StuPa und damit im AStA sitzt.

Kontrollieren, wohin das Geld der Studierenden fließt - das ist die wichtigste Aufgabe des Studierendenparlamentes, kurz StuPa. Noch bis einschließlich Donnerstag, 1. Juni, haben die Studierenden an der Uni Dortmund die Möglichkeit, die Mitglieder des StuPa zu wählen. An 16 Stellen verteilt auf dem ganzen Campus können alle eingeschriebenen Studenten der Uni Dortmund ihre Stimme für die StuPa-Wahl abgeben. An der Emil-Figge-Straße 50 zum Beispiel im Foyer.



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Wie bei der Bundestagswahl gibt es einer Erst- und eine Zweitstimme. Mit der Erststimme wählt man einen Kandidaten aus dem eigenen Fachbereich, mit der Zweitstimme können alle Kandidaten der antretenden Listen gewählt werden. Aus den Anteilen an Erst- und Zweitstimmen ergibt sich nach der Wahl die Zusammensetzung des neuen Parlaments. Für die vertretenen Listen geht es dann vor allem darum, geeignete Koalitionspartner zu finden, um eine Mehrheit bei der AStA-Wahl zu erreichen. Im letzten Jahr kam es zu einer Koalition aus Grünen, Jusos, den Schweinen im Hörsaal und der Anwesenheitsliste. Die Wahlbeteiligung bei der StuPa-Wahl lag in der Vergangenheit bei maximal 15 Prozent.

 

Was das Studierendenparlament eigentlich genau macht, fasst der amtierende StuPa-Präsident Sebastian Scholz so zusammen: "Es ist die Vertretung der Studierenden. Seine Aufgabe ist es, die Gelder, die durch die Semesterbeiträge eingezogen werden, immerhin rund 145.000 Euro in diesem Semester, zu verwalten beziehungsweise den AStA zu kontrollieren, wie er mit diesen Haushaltsmitteln umgeht."

 

AStA ist die Abkürzung für den Allgemeinen Studierendenausschuss. Er wird vom StuPa gewählt und ist damit sozusagen die Regierung der Dortmunder Studenten. Er vertritt ihre Interessen nach außen und kümmert sich zum Beispiel um das Studententicket. Das Ergebnis der StuPa-Wahl entscheidet also bereits darüber, wer in Zukunft diese wichtige Vertretung der Dortmunder Studenten bilden kann. Statt Parteien werden bei der StuPa-Wahl Listen gewählt.

 

In diesem Jahr treten neun verschiedene Listen an, darunter drei Neugründungen. Die Listen im Einzelnen:

 

Grüne

 

Nils Fonteyne.

Grün ist nicht gleich grün. So sieht es der Raumplanungsstudent Nils Fonteyne, Listenvorsitzender und derzeit stellvertretender Vorsitzender des AStA. Die Grünen, mit denen er wieder ins Studierendenparlament einziehen will, sind mit der gleichnamigen Partei weder verwandt noch verschwägert. Die Studenten haben nur ähnliche Ansichten. Die Grünen gibt es seit einem Jahr, davor nannten sie sich "Ökologische Liste".

 

Nils Fonteyne zur Namenswahl (19s/467kb)

 

Der Schwerpunkt im Wahlprogrammen der Grünen: Für Nils Fonteyne ist Umweltschutz besonders wichtig. Er hat im vergangenen Jahr im ASta ein Referat für Nachhaltigkeit eingerichtet, also eine Art Umweltministerium. Das soll nach seiner Ansicht unbedingt weiter arbeiten. Konkret heißt das zum Beispiel, mit der Verwaltung zu sprechen, damit diese Recyclingpapier benutzt. Zudem setzen sich die Grünen wie fast jede Liste für das NRW-Ticket ein, das Bahnfahrten in ganz Nordrhein-Westfalen erlaubt. Bisher hatten die Grünen 13 Sitze im StuPa.

 

Zur Homepage der Liste

 

 

 

Anwesenheitsliste

 

 

Frank Hommes.

Die Anwesenheitsliste gibt es seit drei Jahren. Im letzten Studierendenparlament war sie mit neun Sitzen vertreten und stellte zwei AStA-Referenten. Das sind die Minister der "Studentenregierung". Besonders wichtig ist für Listensprecher Frank Hommes, dass die Mitglieder seiner Fraktion an allen StuPa-Sitzungen teilnehmen. Daher auch der Name.

 

Ein zentrales Ziel der Anwesenheitsliste: Das Semesterticket soll für ganz NRW gelten, dafür aber höchstens zwanzig Euro mehr kosten. Einige Gruppen kritisieren an der Anwesenheitsliste, dass sie keine klare politische Linie habe. Denn die Mitglieder sehen sich nicht als Hochschulgruppe einer bestimmten Partei. Für Frank Hommes ist das jedoch eher ein Vorteil: "Wir können sagen, wir haben da ein bisschen von der SPD, da ein bisschen von der CDU." Aber die Liste könne sich niemandem unterordnen.

 

Der Listensprecher hat die Anwesenheitsliste mitgegründet. Im StuPa geht es ihm vor allem darum, dass das Geld der Studierenden an der Uni bleibt.

 

Über die Ziele der Anwesenheitsliste (13s/310KB)

 

Zur Homepage der Liste

 

 

 

"Schwein im Hörsaal"

 

 

Tobias Lauszat.

Eine ungewöhnliche Einstellung zur Hochschulpolitik hat Tobias Lauszat, der unter dem Namen "Schwein im Hörsaal"  kandidiert. Seine Forderungen, falls er ins StuPa gewählt wird: Zum Beispiel Freibier in der Mensa. "Oder mehr Platz im Hörsaal, denn die meisten Leute sitzen dort sehr beengt."

 

Tobias Lauszat über die Ziele der Liste (16s/380KB)

 

Die "Schweine" sind eine Protestliste, die es nach der StuPa-Wahl 2005 sogar geschafft hat, mit Rico Florin Maynert den AStA-Vorsitzenden zu stellen. Sein Nachfolger, Informatiker Tobias Lauszat, fordert in seinem Wahlprogramm sogar einen Looping in der H-Bahn-Strecke. Politisch sieht er sich "jenseits von nirgendwo". Seine Ansichten meint er durchaus ernst, denn er will provozieren und darauf aufmerksam machen, dass Hochschulpolitik auch für schräge Ideen offen sein muss: "Wir stellen die Machtstrukturen hier an der Uni in Frage und versuchen, mit alternativen Zielen andere Sichtweisen zu eröffnen."

 

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Multikultiliste

 

 

Erick Gankam Tambo.

Die Multikultiliste ist zum ersten Mal bei der StuPa-Wahl dabei. Listensprecher Erick Gankam Tambo nennt die  wichtigsten Ziele: "Wir werden uns erstmal stark für die Integration einsetzen, wir wollen einen effizienteren AStA, mehr Beratung und Service anbieten." Das heißt unter anderem die Ausländerbetreuung  stärken und einen Berater einführen, der Studierenden bei Rechtsfragen weiterhilft. Erick Gankam Tambo war bis jetzt  für die Internationlen Liste im StuPa, sieht Multikulti aber nicht als ihren Nachfolger.

 

Die Multikultiliste sei im Gegensatz zu der Internationalen, die bei dieser Wahl nicht kandidiert, besonders auch für deutsche Studierende interessant: "Multikulti hat nicht unbedingt mit internationalen Studenten zu tun, sondern wirlich MULTIkulti."

 

Erick Gankam Tambo über den Begriff Multikulti (14s/340KB)

 

Um Integration zu fördern, möchte Multikulti sich auch für Diskussionsrunden einsetzen. Dort sollen Gäste von außerhalb über Themen wie Hungersnöte und Kriege in Afrika referieren.

 

 

 

Linke Liste

 

Finn Siebert.

Die Linke Liste gehört zu den beiden in diesem Jahr neu gegründeten Listen. Sie will die Studiengebühren verhindern - am liebsten in einer Koalition mit den Grünen und der Liste gegen Studiengebühren. Finn Siebert sieht trotz der Nähe auch Unterschiede zu den Konkurrenten. "Wir wollen im Gegesatz zur Liste gegen Studiengebühren auch gesellschaftspolitische Themen mit einbeziehen, wie zum Beispiel Friedenspolitik und den Kampf gegen Rassismus."

 

Finn Siebert über die Ziele der Linken Liste (13s/310KB)

 

An der Uni setzt sich die Linke Liste außer gegen Studiengebühren auch gegen Diskriminierung ein. Für die Finanzierung einer kostenfreien Kinderbetreuung möchte sie zum Beispiel AStA-Gelder einsetzen, die bisher in Parties flossen. Auch eine Finanzierung über einen allgemeinen Studentenbeitrag können sich die Vertreter der Linken Liste vorstellen.

 

 

Liste gegen Studiengebühren

 

 

Lars Phillip

Die Liste gegen Studiengebühren wurde ebenfalls in diesem Jahr neu gegründet. Lars Phillip ist ihr Spitzenkandidat und sieht seine Liste gegenüber anderen, die auch gegen Studiengebühren kämpfen, klar im Vorteil: "Wir sind aus dem Protestcamp vom letzten Sommer hervorgegangen und haben viele Leute in unseren Reihen, die aktiv gegen Studiengebühren gekämpft haben. Deshalb kennen wir uns meiner Meinung nach am besten aus, was Studiengebühren angeht."

 

Die meisten Studierenden denken, Studiengebühren an der Uni Dortmund seien schon beschlossene Sache. Dem ist nicht so. Der endgültige Entschluss des Senats zu den Studiengebühren steht im Juli an. Bis dahin will die Liste Studierende über die aktuelle Lage informieren und neue Aktionen ins Leben rufen. Außerdem will sie Sponsoring an der Uni einschränken.

 

Lars Philipp zum Sponsoring an Unis (11s/260kb)

 

 

 

Liberale Studierende Dortmund (LSD)

 

 

Sebastian Scholz

Die Liste steht zwar der FDP nahe, es kandidieren aber auch Nicht-Parteimitglieder. Nach eigenen Angaben ist die LSD die am längsten kontinuierlich aktive studentische Hochschulgruppe in Dortmund. Seit 1988 ist sie zu jeder StuPa-Wahl angetreten. Auf Platz 1 der Liste steht der WiSo-Student Sebastian Scholz, amtierender StuPa-Präsident. Erstes Ziel des LSD ist Sparen: "Der AStA muss sparsamer mit dem Geld der Studierenden umgehen", meint Sebastian Scholz. Außerdem müsse der Service des AStA verbessert werden.

 

Sebastian Scholz zum NRW-Ticket (7s/120KB)

 

Wie fast alle Listen sind die Liberalen gegen Studiengebühren an der Uni Dortmund. Das einzig Gute an den Gebühren sei, dass ein Großteil den Studierenden zugute kommen soll.

 

Zur Homepage der Liste

 

 

 

Jusos

 

 

Nima Nader.

Die Jusos wurden 2005 nach zwei Jahren ohne Sozialisten im StuPa neu gegründet. Nur etwa die Hälfte der 14 Mitglieder ist in der SPD, aber alle Kandidaten der Liste stehen der SPD nahe. Sie wollen mit einem Patenschaftsprogramm das Studieren an der Uni erleichtern. Generell sprechen sich die Jusos für das NRW-Ticket aus, allerdings "in einem sinnvollen finanziellen Rahmen, sodass keine Erhöhung von 100 oder 150 Prozent auf die Studierenden zukommt", erklärt Listenvorsitzender Nima Nader, der Wirtschaftsmathematik studiert. Die Verkehrsverbünde wollen das Studententicket um 32 Euro teurer machen auf etwa 120 Euro pro Semester.

 

Nima Nader zu den Zielen der Liste (18s/290KB)

 

Durch die Mentorentätigkeit, nicht nur für ausländische Studierende, soll sowohl der Einstieg in Studium als auch der weitere Verlauf bis zum Abschluss leichter werden. Mehr Infos über den AstA bei den Studierenden soll die Akzeptanz der studentischen Selbstverwaltung unter den Eingeschriebenen stärken. "Wer seine Stimme nicht an Scheinmandate verschenken möchte, kommt an den jusos nicht vorbei", sagt Nima Nader.

 

 

 

Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS)

 

Andreas Vorholt.  

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten, kurz RCDS, ist zwar formal unabhängig, die Mitglieder stehen aber der CDU nahe. Einige Kandidaten sind außerhalb der Uni für CDU oder Junge Union aktiv. Die RCDS war längere Zeit nicht an der Uni Dortmund aktiv, bis Chemiestudent Andreas Vorholt mit weiteren Studierenden den RCDS in Dortmund neu gründete.

Durch die Arbeit in der CDU hat die Liste einen guten Draht zur von den Christdemokraten geführten Landesregierung, erklärt Andreas Vorholt. Im Wahlprogramm des RCDS geht es vor allem um "mehr Service für den Studenten". Vorholt und seine Leute planen zum Beispiel als neuen Studentenausweis eine Plastikkarte mit mehreren Funktionen oder eine stabile Funkbrücke zu den Wohnheimen. Außerdem fordert der RCDS mehr Mitarbeiter und kürzere Wartezeiten im Zentrum für Studienangelegenheiten (ZfS).

 

Finanzieren könne man das mit Studiengebühren. Die sind zwar an der Uni noch nicht endgültig beschlossen, aber das ist nur noch Formsache, glaubt  Andreas.

 

Andreas Vorholt zum Thema Studiengebühren (21s/505kb)

 

Es ist vermutlich nicht sein Lieblingsthema, schließlich war es die CDU-geführte Landesregierung, die die Studiengebühren eingeführt hat. Wie fast alle StuPa-Listen will der RCDS, dass es in Zukunft ein Studententicket geben soll, dass für Bahnfahrten in ganz Nordrhein-Westfalen gilt.

 

FOTOS: Anne Röpke

Mitarbeit: Michael Bierther, Simon Balzert,

Uta Baier, Ida Thiemann (Eldoradio)

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VON DANIEL GONZALES

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