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Fliegen wie ein Albatros

Die billigste Art zu fliegen

(InDOpendent) Das Thema Sucht spielt im Leben von Karl Weber eine große Rolle. Während er sein Geld als Therapeut in der Drogenfachklinik Release in Ascheberg-Herbern verdient, geht er in seiner Freizeit einem Hobby nach, bei dem sich manch einem schon vom bloßen Zusehen der Magen umdreht: Gleitschirm fliegen.

 

Vor acht Jahren, sagt Weber, hat er sich mit dem "Virus infiziert", seit nunmehr zwei Jahren ist er erster Vorsitzender des Clubs, der seinen Sitz in Dortmund hat – und süchtig nach dem Höhenflug. 

 

Das Gelände des Vereins befindet sich allerdings im gut 60 Kilometer entfernten Ahlen. Dort treffen sich die Mitglieder regelmäßig in der Bauerschaft Borbein, um auf 200 bis 300 Meter Höhe zu steigen. "Findet man die richtige Thermik, kann es auch noch viel höher gehen", erinnert sich Karl Weber an den Langstreckenflug von Andreas "Pepe" Malecki aus Münster. Der Vizeweltmeister im Gleitschirmfliegen aus dem Jahr 2000 ist bei so einer Aktion von Ahlen bis hinter Venlo an der holländischen Grenze geflogen und hat in fünfeinhalb Stunden etwa 145 Kilometer zurückgelegt. Ein anderer Vereinskollege schaffte es am gleichen Tag bis zum Autobahnkreuz Duisburg. 

 

 

 Letzte Kontrolle vor dem Start

"Geniales Feeling"

 

Die schönsten Flüge gibt es aber natürlich in den Bergen, weshalb der Club regelmäßig Vereinsfahrten anbietet – zum Beispiel nach Italien, Kroatien oder Tschechien. "Es ist ein geniales Feeling, ein herausragendes Erlebnis", beschreibt Karl Weber die "billigste und einfachste Art zu fliegen", während er sich seine Ausrüstung zurecht legt. Er selbst hat bereits über 600 Flüge – im Januar war er noch auf Lanzarote – hinter sich und blieb dabei bislang von schweren Verletzungen verschont. Sowohl Unfälle, ob selbst- oder fremdverschuldet, als auch die unfreiwillige Landung im Feld, bei der sich der Bauer über fünf Euro freuen darf, passierten beim Dortmunder Gleitschirmclub äußerst selten, unterstreicht Weber und verweist auf die hohen Sicherheitsstandards.

 

Mindestens drei Leute müssen bei einem Schlepp anwesend sein: der Windenfahrer, der Startleiter und der Pilot selbst. Letzterer muss sich vor seinem Premierenflug verschiedenen praktischen und schriftlichen Prüfungen unterziehen, um die Fluglizenz zu erwerben. "Erst dann und nach Abschluss eine Versicherung fürs Solofliegen darf man frei und eigenständig fliegen", erklärt Weber – und geht zur Startbahn.

 

Fünf Euro für den Bauern

 

Bevor ihn die stationäre Winde in die Luft steigen lässt, prüft er noch einmal, ob Fliegerschuhe, Gurtzeug und Helm richtig sitzen, der blau-weiße Schirm in voller Spannweite ausgebreitet ist, und natürlich, ob sein Vario funktioniert. "An diesem Gerät sehe ich, wie schnell ich steige oder sinke und in welcher Höhe ich fliege", sagt Weber und gibt dem Startleiter sein O.k.

 

 

 Karl Weber mit seiner Ausrüstung

Für die nächsten Minuten vergisst der routinierte Flieger den Alltag und genießt den Augenblick, der dieses Mal gut fünf Minuten andauert. Da er ausgerechnet an diesem Tag das angrenzende Feld streift, als er wieder auf dem Boden der Tatsachen landet,  bekommt der Vorsitzende natürlich prompt die eine oder andere hämische Bemerkung zu hören. Die fünf Euro Bußgeld für die unfreiwillige Landung sind da schon leichter zu verkraften.

 

Gegründet wurde der Gleitschirmclub "Diomedea", der sich mit dem wissenschaftlichen Namen für den ausdauernden Segelflieger Albatros schmückt, 1992. Gegenwärtig gehören dem Verein 40 Mitglieder an. Im Deutschen Hängegleiterverband (DHV), der nationalen Vereinigung, sind laut Weber über 30.000 Mitglieder organisiert. Die begeisterten Flieger des Dortmunder Vereins sind im Alter von 19 bis 70 Jahren und kommen aus der ganzen Region – aus Dortmund, Essen oder Münster. "Wir sind aber auch privat gut befreundet", versichert Weber. 

 

 

 

 Anflug auf den Landepunkt

Schnupperflug für Anfänger

 

Der Jahresbeitrag beträgt 80 Euro, pro Schlepp werden für jedes Mitglied 1,50 Euro fällig. Gäste zahlen 4 Euro pro Flug. Auf Gewinn ist der Club dabei nicht aus. "Wir wollen lediglich die Kosten decken. Immerhin bekommt allein der Landwirt, der die fast ein Kilometer lange Startbahn zur Verfügung stellt, 1000 Euro Miete im Jahr", so Weber, der den Verein gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden Hilmar Schulz anführt.

 

Wer sich die Kosten für eine mindestens 2.500 Euro teure Ausrüstung und eine etwa sechsmonatige Ausbildung sparen, aber dennoch einmal in den Genuss des lautlosen und vor allem umweltfreundlichen Gleitschirmfliegens kommen möchte, kann sich mit Karl Weber, Telefon 0162/9188075, in Verbindung setzen. 25 Euro kostet ein Tandemflug.

 

Fotos: Matthias Kleineidam

VON MATTHIAS KLEINEIDAM

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