| Die Ruhe vor dem Fan-Ansturm | |||||
Bis zu 250.000 Fußball-Fans sollen zu den sechs WM-Spielen nach Dortmund kommen. Viele Touristen bedeuten aber nicht nur zusätzliche Einnahmen für die Stadt, sondern auch viel Arbeit und hohe Kosten. In weniger als einem Jahr muss die Gastgeberstadt fitt sein. Die wichtigsten Disziplinen: Kultur, Verkehr und Unterbringung. Rund ein Jahr vor Beginn des ersten Spiels können die Verantwortlichen nur von den zahlreichen geplanten Veranstaltungen, Projekten und Baumaßnahmen schwärmen – die wenigsten Ideen wurden bereits verwirklicht. "Wir sind noch mitten in der Planungsphase. Im kommenden Jahr sollen die Ideen dann umgesetzt werden", sagt der WM-Beauftragte der Stadt, Gerd Kolbe.
Die Dortmunder Innenstadt soll 2006 zur WM-City werden. Die beiden größten Veranstaltungen, die die Stadtverwaltung plant, sind die WM-City auf dem Friedensplatz und die WM-Meile an der Hohen Straße. Auf dem Friedensplatz soll vom 8. Juni bis zum 9. Juli 2006 täglich ein Unterhaltungsprogramm geboten werden – von Live-Übertragungen auf einer Großbild-Leinwand bis hin zu Musikdarbietungen und Informationsveranstaltungen auf der Bühne. Zwar plant die Stadtverwaltung, die Unterhaltungsangebote auf die jeweiligen Gastländer abzustimmen – was genau die Fans 2006 auf dem bisher tristen Friedensplatz erwartet, steht jedoch noch nicht fest: "Die FIFA wird uns noch genaue Vorgaben über die Gestaltung und Inhalte der WM-City machen", sagt Kolbe. Konkrete Planungen stünden daher noch aus.
Fußball-Museum zwischen Innenstadt und Hohe Straße
Die Kosten für die Fußball-Party in der Innenstadt – etwa 750.000 Euro bis eine Million Euro – werden teilweise von der FIFA und den Sponsoren übernommen. Die Stadt Dortmund trägt unter anderem die Kosten für das eigene Programm, Sicherheit, Sauberkeit, und Sanitätsdienste. Während die Stadtverwaltung noch auf die Zustimmung der FIFA zur WM-City wartet, sind die Pläne für die WM-Meile bereits konkreter. Die Einzelhändler an der Hohen Straße sollen dort nicht nur "unterschiedlichste Aktivitäten mit Aufenthaltsqualität" organisieren, sondern zusätzlich in ihren Schaufenstern Objekte ausstellen, die die Geschichte des Fußballs zeigen. "Auf den Einzelhandel kommen durch die WM schließlich erhebliche Summen zu. Daher sind die Geschäfte verpflichtet, sich im Sinne der Stadt einzubringen", so der WM-Beauftragte. Den Schwerpunkt dieses Fußball-Museums zwischen Innenstadt und Hohe Straße sollen Fotos und Reproduktionen bilden. "Wir werden unter anderem eine Eintrittskarte für das erste WM-Spiel nach dem Zweiten Weltkrieg und eine Eintrittskarte für das Wembley-Spiel ausstellen." Einige Einzelhändler haben bereits zugesagt, so dass Kolbe sicher ist: "Die gewünschte Zahl von 150 teilnehmenden Anwohnern in der Innenstadt und an der Hohe Straße werden wir zusammenbekommen."
Insgesamt plant die Stadtverwaltung rund 30 Bau-Maßnahmen. Damit die zahlreichen Fans auf der Suche nach dem Westfalenstadion nicht für Chaos auf den Straßen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln sorgen, werden unter anderem die Bahnsteige und Zugangswege am Haltepunkt "Westfalenhalle" ausgebaut (Kosten: etwa 7,3 Millionen Euro) und zwei zusätzliche Fußgänger-Brücken über die B-54 und die Ardeystraße errichtet. Der bereits begonnene Neubau der Brücke am Bolmker Weg kostet die Stadt eine weitere Million Euro – einen Teil der Kosten übernimmt die Bahn AG. Auch die Stadtbahnhaltestelle Westfalenhalle wird bis zur WM erneuert. Für rund eine Million Euro wird hier ein neuer Fußgängertunnel gebaut und die südöstliche Treppenanlage umgebaut. Die im Februar begonnenen Maßnahmen sollen im Frühjahr 2006 abgeschlossen werden.
Private Betten für die Fans
Für die erwarteten 250.000 internationalen Touristen stehen in Dortmund nur rund 5.200 Hotelplätze zur Verfügung. Die Stadtverwaltung sucht daher weitere Unterbringungsmöglichkeiten in der Region. Die Fußball-Fans sollen nicht nur auf Campingplätzen untergebracht werden, sondern auch bei Privatleuten einen Schlafplatz finden. Bis zu 20.000 solcher privaten Quartiere sollen in Dortmund und Umgebung angeboten werden. Seit rund zwei Monaten läuft die Suche bereits. "Bei uns haben sich bis Mitte Juni etwa 180 Leute gemeldet", sagt Annette Overesch, zuständige Mitarbeiterin des Stadtdienstes dortmund.tourismus. Die angebotenen Übernachtungsmöglichkeiten reichten vom einfachen Kinderzimmer bis zur kompletten Wohnung. Auch ein Honorar-Konsul habe einen Schlafplatz angeboten. "In Anbetracht der vielen Touristen können sich aber gerne noch 1.000 weitere Bürger melden." Einzige Vorraussetzung: den Gästen sollte mindestens ein eigenes Zimmer zur Verfügung stehen. "Auch Dortmunder Studenten, die ein Zimmer frei haben, können sich gerne bei uns melden", so Overesch.
Fotos/Audio: Stapelmann/Hebing | |||||
|
|||||
|
VON MARCO STAPELMANN |
|||||
|
|
|||||
