| Bibliothek im Wandel | ||||||
(InDOpendent) 1,685 Millionen Bücher, 50.000 angemeldete Benutzer und 1200 Besucher täglich – die Universitätsbibliothek ist eine wichtige Anlaufstelle für Studierende. Doch die knappe Finanzlage zwingt die UB zu Einsparungen. Ein schwieriger Weg in eine ungewissen Zukunft.
Katharina Ninkemper sitzt vor dem Computer, schreibt Signaturen aus dem Internetkatalog auf einen Zettel. Die Sonderpädagogik-Studentin sammelt Literatur für eine Bibliographie zum Thema: Die Bundesrepublik Deutschland in den 1970er Jahren. „Am Anfang hab ich mir schwer getan, aber das nette Personal hat mir geholfen. Wenn man es einmal verstanden hat, funktioniert es gut“, sagt die 20-jährige Erstsemestlerin. Wie Katharina geht es vielen Studierenden am Anfang ihrer Universitätslaufbahn.
Die 50.000 angemeldeten Benutzer können aus 1,685 Millionen Büchern wählen. 25.000 Studierende nutzen die UB aktiv, 1200 täglich. Ohne die Bibliothek ist ein Studium kaum möglich. Bücher sind Wissen, doch dieses Wissen ist in Gefahr. „Die Universitätsbibliothek befindet sich in der tiefsten Krise seit ihres Bestehens“, sagt der stellvertretende Bibliotheksdirektor Klaus Döhmer.
Etat eingefroren - weniger Zeitschriften
Der Etat von zweieinhalb Millionen Euro wurde auf dem Stand des letzten Jahres eingefroren. 2003 allerdings wurde er noch um knapp 25.000 Euro überzogen. Geld, das der UB heute fehlt. So ist der Zeitschriftenbestand von 3486 Titeln 1999 auf laut Aussage von Norbert Grövert, Leiter der Abteilung elektronische Dienstleistungen 2700 Titel gesunken. Dieses Jahr mussten weitere 150 Titel im Wert von 77.000 Euro storniert werden. Besonders betroffen sind die Fachbereiche Physik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften. Deren Fachzeitschriften wurden nach dem neuen Etatverteilungsmodell um 15 Prozent eingespart. Die Studierenden der Mathematik hingegen haben heute sogar eine größere Auswahl an Fachzeitschriften. Zudem müssen in den nächsten zehn Jahren 20 der 137 Personalstellen gestrichen werden.
„Wir haben kaum Möglichkeiten. Die gestiegenen Preise für Literatur und die Etatknappheit zwingen uns zu Einsparungen. Davon sind besonders Sachmittel, Personalhaushalt und der Literaturerwerb betroffen“, sagt Gövert. „Unsere Fachreferenten überlegen zweimal bevor sie ein neues Buch für 150 Euro kaufen, das nur 90 Seiten hat. Da wird dann eher ein Buch mit 300 Seiten beschafft“, sagt er. Die Erneuerung der 80 PC-Benutzerarbeitsplätze und die Beschaffung von Zweitexemplaren stark nachgefragter Bücher seien notwendig, doch der UB seien die Hände gebunden, so Gövert. „Ein Mangel ist nicht abzustreiten“, gibt er zu.
Pay-per-view ist die Zukunft
Für die Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit der UB, Iris Hoepfner, ist die Umstellung auf die digitale Ausleihe und die Erschließung des Bestands Hauptaufgabe der UB. Heute gibt es im Universitätskatalog über 10.000 Zeitschriften in elektronischer Form. An den PC-Arbeitsplätzen steht ein kostenloser Internetzugang zur Verfügung. Hoepfners Hauptaugenmerk liegt auf dem Ausbau dieser Angebote.
Norbert Gövert sieht die Zukunft der Bibliothek in neuen Beschaffungsmöglichkeiten wie dem pay-per-view, der gezielten kostenpflichtigen Bestellung von ausgewählten Aufsätzen in elektronischer Form. Die Einrichtung von selbstständigen Ausleihstellen, an denen die Ausleihe unabhängig vom Personal möglich ist, befindet sich in Planung.
Wer sich über die Geschichte der Universitätsbibliothek informieren will, kann sich im Foyer der Zentralbibliothek noch bis zum 5. August eine Ausstellung zum 40-jährigen Jubiläum der UB anschauen.
Fotos: Friedel Groth | ||||||
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