| Hinterhof Jungs sind zurück | ||||||
"Boys will be Boys“ sangen sie, damals noch im braven Jeanslook mit schwarzen Westen und poppigen 90er Jahre Frisuren, auf ihrem 1995 erschienen Album "Backstreet Boys“. Kollabierende Girlies, Sanitäter im Dauereinsatz und massenweise Stofftiere gehörten zu jedem Konzert dazu. Ohnmächtig wurde beim Auftritt in der Arena zwar niemand, aber die Begeisterung war dennoch nicht zu überhören.
"Backstreet Boys, Backstreet Boys". Als sich der große schwarze Vorhang um 20.30 Uhr immer noch keinen Zentimeter bewegt hat, werden die Fans in der ausverkauften Arena langsam ungeduldig. Nach dem mäßigen Warm-Up der drei jungen Musiker der Band Rapsoul (die angekündigte Vorgruppe, Sängerin Katie Hall, glänzte durch Abwesenheit, angeblich aus Krankheitsgründen) wollen die Mädels und Jungs (!) nur noch eins: Brian, Kevin, Nick, A.J. und Howie. Um zwanzig vor neun hat die Warterei endlich ein Ende. Die Lichter gehen aus, die ersten Klänge von "The Call“, begleitet von einem ohrenbetäubenden Kreischen, sind zu hören. Die Jungs legen sofort mit dem Klassiker des Black and Blue Albums los. "Wie geht es Oberhausen? It’s so good to be back in Germany" begrüßen sie das Publikum. Auch die oberen Ränge bleiben nicht länger sitzen, tanzen und singen jede Zeile mit.
"Hey, do you know my girlfriend?"
Besonders die Klassiker wie "Quit playing games“ und "I want it that way“ brauchen die BSB kaum selbst zu singen. Mit einem Hauch Ironie fragt Brian das Publikum, ob die denn noch "We’ve got it goin’ on“ kennen und schlägt beschämt die Hände über dem Kopf zusammen, als die Menge ausrastet. Schämen brauchen sich die Jungs für ihre millionenfach verkauften Platten sicherlich nicht, aber Schwerpunkt des Abends bilden dennoch die neuen Songs des Albums "Never Gone". "Hey, do you know my girlfriend?“ fragt Nick Carter (25), der während der kreativen Schaffenspause der Jungs aus Orlando vor allem durch seine Affäre mit Paris Hilton, millionenschwere Hotelerbin und weltbekanntes Partyluder, Schlagzeilen machte. "This is Helga“ und hält eine E-Gitarre in die Luft. Nick, der sonst an den Drums zeigte, dass eine zusammengecastete Boyband auch tatsächlich Instrumente spielen kann, übernimmt den Gitarren-Part zu der poppigen Up-Tempo Nummer "Climbing the Walls“ und beweist, dass auch die "Backeez“ lernfähig sind.
Mitgealterte Fans immer noch textsicher
Die Jungs haben sichtlich Spaß auf der Bühne. Als der inzwischen verheiratete Brian Littrell sich auf den Weg in die Sitzränge macht und fleißig Hände schüttelt, kocht die Stimmung. Romantisch wird es bei der märchenhaften Ballade "Syberia“. Eine riesige Menge seifenschaumiger Schneeflocken auf die Fans regnet. Sowohl bei den alten als auch bei den neuen Songs beweist das während der Kreativpause mitgealterte Publikum Textsicherheit. Während der über neunzig minütigen Show fliegen gerade mal ein Stofftier und ein paar Plakate auf die Bühne, ansonsten feiern die Fans ausgelassen mit.
Dass sich die Backstreet Boys langsam aber sicher aus der Popschiene weg bewegen wollen, beweisen sie mit ihrer neuen Single "Just want you to know“. Rockig und in einem von den BSB noch nie gehörten Stil bringen sie auch damit die Masse zum Ausrasten. Nach dem dritten und letzten Klamottenwechsel, jetzt in lockeren Jeanshosen und T-Shirts, wird es wieder etwas ruhiger. Das Piano wird auf die Bühne gefahren. Eingefleischte Backstreet Boys Fans wissen, was jetzt kommt: Kevin Richardson, mit seinen dreißig Jahren der Opa der Band, übernimmt die Bühne und stimmt die Ballade "Incomplete“ an. Nick muss zwischendurch mehrmals husten, so verausgabt er sich bei seinem Part. Howie feuert ihn munter an, noch ein wenig mehr aus seinem wohl bemerkt beachtenswerten Körpervolumen herauszuholen. Auch die rauchige Stimme von Ex-Alkoholiker A.J. kommt bei der Top Ten Ballade richtig zur Geltung.
Weniger Gehopse kommt gut an
Es ist nicht zu überhören und zu übersehen, dass die fünf an sich gearbeitet haben. Choreographien gibt es immer noch wie früher, aber sie sind stilsicherer und bewusst eingesetzt. Kein Gehopse, kein klischeehaftes Boyband-Gehabe. "Neue" und "alte" Fans waren von der Mischung aus Pop und Rock mit Boygroup-Charme begeistert und verabschiedeten die Backstreet Boys nach alter Manier mit minutenlangem Applaus, Jubel und Gekreische, als sie nach eineinhalb Stunden purem Vergnügen in den Boden der Bühne verschwanden.
Fotos: Sabrina Krähling | ||||||
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