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Kick für die Wirtschaft

Sportlicher Kampf ums liebe Geld

Der Anpfiff war schon vor Jahren. Seitdem rollt der Ball im Spiel um den möglichst großen Nutzen der Fußball-WM 2006. Jetzt, ein gutes Jahr davor, geht es in die entscheidende zweite Halbzeit. Die Wirtschaft erhofft sich von dem großen Event jede Menge. Was genau untersucht eine Studie der sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Bochum und der wegweiser GmbH Berlin.

 

Im Herbst 2003 wurden wichtige Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Politik zu ihren Erwartungen befragt. Dazu gehörten zum Beispiel Firmenchefs, Marketingexperten, Beamte im Ministerium und ranghohe Mitglieder vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Von über 1300 verschickten Fragebögen - jeder umfasste zwölf Seiten - kamen jedoch nur 17 Prozent zurück. An aussagekräftigen Exemplaren blieben am Ende 150 übrig. Fiananziert wurde die Studie "Wirtschaftspotenziale der Fußball-WM 2006 für NRW" über ein Sponsorenmodell aus öffentlich-rechtlichen und privatwirtschaftlichen Einrichtungen. Die wegweiser GmbH, eine Kommunikations- und PR-Beratungsagentur, initiierte die Studie, den Posten der wissenschaftlichen Beratung und Auswertung übernahm Diplom-Volkswirt Markus Kurscheidt von der Ruhr-Uni.

 

Investition und Kaufkraft bringen Wirtschaft in Schwung

 

Die Studie wurde im Juni 2004 veröffentlicht und bescheinigt eine "äußerst optimistische" Stimmung. 78 Prozent der Befragten glauben an eine "hohe" bis "sehr hohe" Bedeutung der WM für die deutsche Wirtschaft. Vor allem die Austragungsorte Leipzig, München, Gelsenkirchen und auch Dortmund können demnach mit einem verbesserten Standortimage rechnen. Insgesamt sollen Investitionen in die Sportinfrastruktur der Städte und die zusätzliche Kaufkraft der erwarteten eine Milliarde ausländischen Besucher eine multiplikatorische Wirkung entfalten, die sich deutlich positiv auswirkt: mehr Einkommen, ein höherers Bruttoinlandsprodukt um acht Milliarden Euro von 2003 bis 2010 und über 3000 neue Arbeitsplätze pro Jahr während dieser Periode.

 

Die günstigen Resultate der volkswirtschaftlichen Analyse - ein Schwerpunkt der Arbeit von Markus Kurscheidt - ist laut eigenen Aussagen nicht Ergebnis zu optimistischer Annahmen. Im Gegenteil, auf der Basis anerkannter Arbeiten anderer Autoren sei man von konservativen Annahmen ausgegangen. Die Autoren der Studie sehen drei hauptsächliche Einflussfaktoren auf die wirtschaftlichen Folgen: 1. die Höhe der Stadioninvestitionen vor der WM, 2. die Ausgaben der Touristen während der WM und 3. das Nettoergebnis der Stadienbetreiber nach der WM.

 

Doch was heißt das alles konkret für Dortmund? Im Vergleich der zwölf Austragungsorte schneidet Dortmund am besten ab, was die Bedeutung der WM für die Stadt angeht: 91 Prozent der Experten bezeichneten diese als "hoch" bis "sehr hoch". Auf Rang zwei folgt Gelsenkirchen, fast gleichauf Berlin. Den größten Imagegewinn wird aber wohl Leipzig als einziger ostdeutscher Standort verbuchen können (60 Prozent "stark" bis "sehr stark"), Dortmund landet mit 54 Prozent hinter München (55 Prozent) auf Platz drei.

 

WM als Türöffner

 

Wenn alle nur noch ans Gewinnen denken...

Dieser Imagegwinn ist deshalb so wichtig, weil durch die WM die Stadt und auch das ganze Land die Gelegenheit bekommt, sich der ganzen Welt von seiner besten Seite zu zeigen. Aufbruchstimmung und gestärktes Selbstbewusstsein gehören dazu, erhoffte Folgen sind wirtschaftliche Investitionen. Viele Sportökonomen, so die Autoren, teilten ihr Meinung, solche großen Sportveranstaltungen seien "zentrale Antriebsfedern" für die Wirtschaftskraft mit positiver Ausstrahlung auf benachbarte Branchen. Also neben dem politischen und psychologischen Nutzen auch Auswirkungen auf Tourismus- oder Stadtentwicklung. Mögliches Risiko: Das groß ausgebaute Stadion kann nach der WM nicht mehr wirtschaftlich genutzt weden. Das dürfte auf Dortmund aber nicht zutreffen.

 

Die Studie unterteilt das Land zudem in vier sogenannten "Regionalcluster" Nordost, Südost, Südwest und West. Das Ruhrgebiet ist fast deckungsgleich mit letzterem. Hier werden nach Einschätzung der Experten auch die größten wirtschaftlichen Impulse erwartet.

In allen vier Bereichen stechen die Bereiche Verkehrsinfrastruktur und -technologie und die Stadioninfrastruktur mit dem höchsten Investitionsvolumen heraus - insgesamt sollen in Deutschland in 110 Investitionsprojekten ein Gesamtvolumen von 5,5 Milliarden Euro investiert werden.

 

Speziell für Nordrhein-Westfalen sehen die Befragten überdurchschnittliche Investitionspotenziale beim Sicherheits- und Ordnungsdienst, IT-Systemtechnik, dem privaten Personenverkehr, Eventdienstleistungen, Unterhaltungselektronik, Sportartikeln und im Einzelhandel. Überdurchschnittliche Geschäftschancen bieten sich in ähnlichen Bereichen, aber auch im Bereich der Stadiontechnik, Informationsdienstleistungen, Medien- und Übertragungstechnik und dem Ticketing. Schlechter sieht es im deutschlandweiten Vergleich aber für Mobil- und Digitalfunkanbieter und die Gastronomie in NRW aus.

 

Auch Dortmund noch investitionsbedürftig

 

Aber es klaffen noch deutliche Lücken. Am häufigsten nannten die Experten Dortmund und Gelsenkirchen als investitionsbedürftig. Im Fall Dortmund heißt das: Beim Tourismus muss noch viel getan werden. Es fehlt an hochwertigen Hotels (fünf Sterne) und an ausreichend Betten. Aber auch Flug- und Bahnverbindungen sowie der ÖPNV seien noch ausbaufähig. Weiterer Bedarf besteht in der Baubranche, den Informations- und Kommunikationsdiensten, der Sicherheitsbranche und dem Sektor der Stadioninfrastruktur. Außerdem müssten Mitarbeiter und Supportkräfte professionell auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. 

 

Von zurücklehnen kann keine Rede sein, noch läuft das Spiel und damit auch der Kampf um die letzten Aufträge. Bis 2006 müssen nicht nur die Sportler schwitzen. Das betrifft alle Beteiligten. Die Kritik: Es fehlt an einer konsequenten Vernetzung der einzelnen Akteure. Das meint die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen ebenso wie verschiedene Marketingkampagnen der Städte. In der Pflicht sehen Investoren und Auftraggeber vor allem das FIFA-Organisationskomitee der WM und den Staat. Das Stichwort für die nächste Zukunft lautet also: mehr Information, bitte.

 

 

Fotos/Montage: Jan-Keno Janssen/Katja Fischborn

VON KATJA FISCHBORN

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