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Zur WM gibt die Feuerwehr 150 Prozent

Oliver Nestler freut sich auf die WM.

Wenn die Fans feiern, muss die Feuerwehr Extraschichten schieben: Während der WM gilt Urlaubssperre. Rund tausend Retter in Rot aus ganz Nordrhein-Westfalen werden im Einsatz sein, die Feuerwehr Dortmund erhöht ihr Personal um die Hälfte.

 

Seit fünf Jahren bereitet sich die Feuerwehr auf das Fußballfest vor, der Einsatz an einem einzelnen Spieltag wird wohl mehrere hunderttausend Euro kosten. Oliver Nestler ist für vorbeugenden Brandschutz zuständig, Hauke Speth leitet das "Projekt WM 2006". Viel Organisation, hohe Kosten und Querelen mit der Fifa – die städtischen Brandräte erklären auf donews, ob die Feuerwehr fit für die WM ist.

 

Ist die Feuerwehr Dortmund gut auf die WM vorbereitet?

Speth: Das kann man guten Gewissens unterschreiben. Weil wir bundesweit mit den anderen Feuerwehren zusammen arbeiten, wissen wir uns in guter Gesellschaft und können unseren Planungsstand immer wieder abgleichen. Auch übergeordnete Behörden haben uns mitgeteilt, dass wir gut aufgestellt sind.

Nestler: Das Besondere an der WM ist, dass wir eine Masse an Einsatzkräften organisieren müssen. Damit hat sich die Feuerwehr in der Vergangenheit etwas schwer getan. Daher haben wir im vergangenen Jahr schon intensiv geübt.

 

Noch ist der Friedensplatz leer - zur WM
werden hier 25.000 Fans erwartet. 

In Dortmund werden extrem viele Menschen auf wenig Raum zusammenkommen - im Stadion, im Medienzentrum, in der Westfallenhalle mit dem Bettenlager und auf dem Friedensplatz. Wie plant die Feuerwehr, darauf zu reagieren?

Speth: In Dortmund ist es in der Tat besonders, dass die Entfernung zwischen Stadion und Innenstadt so gering ist – das sind keine zwei Kilometer. An jedem der sechs Spieltage werden wir daher tausend Hilfskräfte hier aufmarschieren lassen, davon kommen 350 bis 400 Mann aus Dortmund. Das können wir alleine ja gar nicht leisten, sondern werden Hilfe aus ganz Nordrhein-Westfalen bekommen. Die Hälfe der Mannschaft stammt von der  Berufsfeuerwehr, die anderen von der freiwilligen Feuerwehr. Bei den externen Helfern sind es fast 90 Prozent Freiwillige. Wenn kein Spieltag ist, gibt es trotzdem Public-Viewing in der Innenstadt. Auch dann fahren wir einen verstärkten Dienst, orientieren uns aber daran, wie viele Leute wir erwarten. Das ist abhängig vom Wetter, wie gut die deutsche Mannschaft spielt und wie die WM überhaupt angenommen wird.

 

Dabei fallen sicher viele Überstunden an – stellt das ein Problem dar?

Speth: Die Berufsfeuerwehr Dortmund wird an den Spieltagen der WM im Vergleich zu einem regulären Tag mehr als 150 Prozent Personalaufkommen haben – statt 120 Mann werden rund 190 im Einsatz sein. Das schaffen wir durch die Urlaubssperre. Ein gewisser Teil der Überstunden wird wohl ausbezahlt werden – wobei das eigentlich vermieden werden sollte.

 

Die Stiftung Warentest hat die Sicherheit in den WM-Stadien kritisiert – glauben Sie, dass während der WM für die Fans im Stadion eine Gefahr besteht?

Speth: Bei Bundesliga-Spielen passen 80.000 Fans ins Dortmunder Stadion, zur WM 60.000. Bei BVB-Spielen gibt es Einlasskontrollen, zur WM einen äußeren Sicherheitsbereich weit um das Stadion herum und eine zweite Kontrolle am inneren Ring direkt vor dem Stadion. Also ist die Kontrolle bei der WM deutlich höher und die Zuschaueranzahl niedriger. Außerdem rechnen wir mit weniger Konfliktpotential, da es ausschließlich Sitzplätze gibt – da kommt es seltener zu Gedränge als auf den Stehplätzen.

 

Wie viele Menschen erwarten Sie in der Innenstadt?

Nestler: Bis zur WM sind es noch drei Monate. Jetzt beginnen sich viele Veranstalter zu überlegen, was sie zur WM machen wollen und stellen Anfragen. Wir haben daher momentan noch kein Gesamtbild, was in der Innenstadt eigentlich los sein wird.

Speth: Es wird zudem viele Veranstaltungen auf privater Ebene geben, die – alle für sich genommen – relativ unproblematisch sein werden, die in ihrer Summe allerdings schwierig werden könnten. Im und rund ums Stadion wissen wir durch die verkauften Karten, mit wie vielen Fans zu rechnen ist. Im Bereich des Friedensplatzes geht das nicht – das wird ein offener Anlaufpunkt sein. Es kann sein, dass Fans nach einem Spiel länger bleiben oder schon einen Tag früher kommen und sich bei schönem Wetter in der Innenstadt weiter vergnügen werden. Wir müssen da einfach flexibel sein.

 

Plant die Feuerwehr auf dem Friedensplatz besondere Maßnahmen?

Speth: Auf den Platz passen maximal 25.000 Zuschauer. Uns wäre es lieb, wenn wir ihn einzäunen könnten, weil sich so das Geschehen besser kontrollieren lässt. Der Confed-Cup hat gezeigt, dass durch zwei Glasflaschen im Gemenge schnell 15 Personen verletzt werden können. Unsere Idee wird aber nicht durchsetzbar sein, da es weder Wille des Publikums noch der Politik ist. Wir werden aber für den Fall der Fälle planen und dafür sorgen, dass wir bei großem Gedränge schnell mobile Zäune errichten können.

 

Ähnliche Szenen wie zur Meisterfeier des
BVB 2002 wird es auch zur WM geben.

In der Vergangenheit wurden einige Meisterschaften des BVB auf dem Friedensplatz gefeiert – können die Organisatoren davon profitieren?

Speth: Wir können von den Fußball-Events zehren – nicht allein von den Meisterfeiern, sondern auch von den Fan-Treffs, bei denen die Anhänger der Mannschaften sich vor den Spielen in der Innenstadt treffen. Bei der Gefahrenabwehr ist die Vorerfahrung nicht so groß, da wir eine Veranstaltung dieser Größenordnung noch nicht hatten. Da haben wir bisher eher Erkenntnisse aus dem Weltjugendtag gewinnen können. Zwischen Stadt, Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt wird es während der WM kurze Wege geben. Wir werden uns jeden Morgen und Abend treffen, um uns abzustimmen.

 

Wer kommt eigentlich für die Kosten bei diesem Großeinsatz auf?

Speth: Auch wenn das eine Veranstaltung der Fifa ist, zahlt sie nichts. Die gesamten Personalkosten für die Feuerwehr Dortmund bleiben an der öffentlichen Hand hängen. Die Stadt plant momentan mit einem sehr hohen Aufwand, ohne dass sie eine Gegenfinanzierung – vom Land, vom Bund oder der Fifa – bekommt. Das Land unterstützt uns lediglich materiell mit Technik und zahlt die externen Hilfskräfte.

 

Hauke Speth zu den Kosten des Feuerwehr-Einsatzes während der WM (900KB, 32s)

 

Hauke Speth findet die deutsche
Nationalmannschaft derzeit "lustig".

Die Fifa hat in vielen Fällen eigene Richtlinien und Anforderungen an die WM-Städte – ist dieser Eingriff manchmal hinderlich?

Speth: Wir merken, dass die Fifa formalisiert vorgeht – das kann man ihr aber nicht vorwerfen. Problematisch ist, dass ihre Standards nicht immer deckungsgleich mit hier geltendem Recht sind. Die Fifa will zum Beispiel genau wissen, wer im Sicherheitsring im Einsatz ist – wir müssen uns genauso akkreditieren wie die Wurstverkäufer. Das ist ein extremer Aufwand und deckt sich nicht mit unseren Vorstellungen. Vor allem, weil wir im Stadion unsere hoheitlichen Aufgaben erfüllen müssen und dabei ein gewisses Maß an Flexibilität benötigen, um zum Beispiel die Einsatzkräfte zu verstärken, wenn sich eine Situation zu verschärfen droht. 

 

Bleibt bei all der Organisation noch Spaß an der WM?

Speth: Die WM ist doch eine lustige Sache – vor allem wenn ich mir die deutsche Nationalmannschaft derzeit angucke, finde ich das sehr komisch. Nein, im Ernst: Es ist zwar viel zusätzliche Arbeit, und während der WM gilt absolute Urlaubssperre, aber in der Mannschaft gibt es kein Rumoren – alle machen gerne mit. Auch die freiwillige Feuerwehr will mit dabei sein, viele haben dafür ihren Urlaub verschoben. Die Motivation ist sehr hoch.

 

Wo werden Sie während der Spiele sein?

Speth: Wir werden im Führungsstab der technischen Einsatzleitung am Stadion sitzen und die Spiele nicht live verfolgen können – hoffentlich aber am Fernseher.

 

FOTOS: Simon Bückle, Anneke Wardenbach (Stadt Dortmund)

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  Hier geht's zur Homepage der Feuerwehr Dortmund  


VON SIMON BÜCKLE

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