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Der Ärger mit der schwarzen Pampe

Stummer Zeuge: ein altes Bahngleis

An die alte Dachpappenfabrik C.B. Ranke an der Bornstraße/Ecke Eisenstraße erinnern nur noch zwei abgewrackte Steingebäude und ein verwaistes Bahngleis. Das Gelände im Dortmunder Norden wirkt auf den ersten Blick wenig aufregend. Eine Tankstelle und ein Gebrauchtwagenhandel siedelten sich auf der Industriebrache an. Der übliche Dortmunder Strukturwandel. Eigentlich nichts Außergewöhnliches.

 

Die Akten im Stadtumweltamt erzählen eine andere Geschichte. Bodenproben ergaben, dass unter dem Areal der ehemaligen Fabrik giftige Stoffe stecken. "Das ist eine Gefahr für das Grundwasser", warnen Markus Halfmann (43), Gruppenleiter der Unteren Bodenschutzbehörde, und Sachbearbeiter Martin Knauber (45).

 

Zwei Umweltdetektive im Einsatz

 

Die beiden Umweltdetektive bearbeiten den Fall "C.B. Ranke". Für sie steht fest: Die Fläche muss komplett saniert werden. Im September soll ein entsprechender Auftrag vergeben werden. Wenn alle rechtlichen Hürden überwunden sind, kann die Sanierung frühestens 2007 beginnen. "Altlasten sind ein zähes Verfahren", meinen Halfmann und Knauber. Und ein Lehrstück darüber, wie grob die Menschen früher mit ihrer Umwelt umgegangen sind. 

 

 

 Markus Halfmann (l.), Martin Knauber

Die Firma C.B. Ranke gründete sich 1887. Der chemische Betrieb war spezialisiert auf die Herstellung von Dachappen: eine mit flüssigem Steinkohlenteer getränkte Pappe, in die grobkörniger Sand oder feiner Kies eingewalzt wurde.

 

Die Bauindustrie benutzte das Material, um Dächer und Keller abzudichten. Heute weiß man: Steinkohlenteer ist schlecht für Gesundheit und Umwelt. Über ein Bahngleis belieferte die benachbarte Großkokerei Kaiserstuhl I die Fabrik mit Steinkohlenteer, das als Rohstoff für die Dachpappen diente. Die Überreste der ehemaligen Zugerbindung sind heute noch zu erkennen.

 

Nach den Weltkriegen und wechselnden Eigentümern wurde das beschädigte Dachpappen-Werk wieder aufgebaut. Doch mit dem Erdöl-Boom in den 1960er Jahren waren Pappen aus Koks und Teerölen nicht mehr gefragt. Der Betrieb machte 1964 dicht, zwei Jahre später schloss auch die Kokerei Kaiserstuhl.

 

Unappetitlicher Inhalt

 

Die Stadt Dortmund kaufte ein Teil des Dachpappen-Grundstücks und ließ 1980 einige Gebäude abreißen, um die Bornstraße zu verbreitern. Die unterirdischen Lagertanks mit den Teerölen blieben allerdings im Boden. "Das ist eine schwarze, dickflüssige Pampe, die in Verdacht steht, Krebs auszulösen", beschreibt Umweltamt-Mitarbeiter Halfmann den unappetitlichen Inhalt.

 

 

 Hinterhof-Atmosphäre: das alte Betriebsgelände

Diese Pampe schwimmt heute noch in den Tanks, obwohl sie bereits 1985, beim Bau der Stadtbahnlinie, durch Bodenproben entdeckt worden war. "Zu der Zeit war das Altlasten-Problem noch nicht so bekannt", erklärt Sachbearbeiter Knauber. Die Stadt beschränkte sich darauf, zwei fünf Meter hohe Spundwände in das Erdreich zu treiben, damit keine Schadstoffe in die Leitungen für Trink- und Abwasser gelangen. "Das war die schnelle und billige Lösung", sagt Knauber.

 

 Zweiter Teil

Fotos: Michael Schulte 

VON MICHAEL SCHULTE

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