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Sogar Wunderkerzen können eine Gefahr sein

Die Dortmunder Feuerwehr legt Knallteufeln das Handwerk.

Während die Stiftung Warentest mit dem WM-Organisationskomitee über die Sicherheit in den WM-Stadien diskutiert, bereiten sich in Dortmund die WM-Einsatzkräfte auf das nahende Großereignis und dessen tatsächlichen Sicherheitsanspruch vor. Über die Vorbereitungen der Feuerwehr Dortmund sprach Oberbrandinspektor Marcus Sulk mit donews.

 

donews: Wie bereiten Sie sich bei der Feuerwehr Dortmund auf die WM vor?

 

Marcus Sulk: Bei der Feuerwehr Dortmund wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich mit allen Fragen und Vorbereitungen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr auseinander setzt. Dabei geht es insbesondere um Planungen, überörtliche Einsatzkräfte aus anderen Gemeinden des Landes in eine einheitliche Führungsstruktur zu bringen. Die WM wird zum Anlass genommen, die weggebrochenen Strukturen und Kapazitäten des ehemaligen Katastrophenschutzes durch gemeindeübergreifende Zusammenarbeit neu aufzubauen. Seit 2004 finden hierzu regelmäßig Übungen statt.

 

Wann haben Sie mit den Vorbereitungen begonnen?

 

Die ersten Planungen, bei denen erstmalig an die WM gedacht wurde, begannen Ende des Jahres 2001. Mittlerweile sind zahlreiche taktische Konzepte entstanden, die über die WM hinaus Gültigkeit besitzen werden.

 

 

Polenböller können zum Verlust
von Körperteilen führen.

Wer leitet die Übungen, haben Sie spezielle fachliche Unterstützung gesucht?

 

Die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr ist Sache der Stadt. Somit ergibt sich eine Übungsleitung, bzw. Einsatzleitung bei eingetretenem Schadenereignis bei der Feuerwehr im Bereich der so genannten taktisch - operativen Ebene. Ein Krisenstab aus hochrangigen Vertretern der kommunalen Verwaltung leitet die politisch, administrativen Aufgaben. Die fachliche Unterstützung erhält man länderübergreifend und unbürokratisch bei allen Behörden, die mit der Planung ähnlicher Ereignisse bereits Erfahrungen gesammelt haben. Beispielhaft ist hier die Stadt Köln mit ihren Erfahrungen vom Weltjugendtag zu nennen.

 

Mit wem arbeiten Sie in Sachen WM intensiv zusammen?

 

Die Feuerwehr leitet den Arbeitskreis "Sicherheit im Stadtgebiet" als einen von vielen Arbeitskreisen. Hier finden sich Vertreter aus Polizei, Tiefbauamt, Bahn AG, Bundespolizei, EDG, Energieversorger, Organisationskomitee der WM, Planungsamt und vielen weiteren Ämtern und Organisationen wieder. Darüber hinaus gibt es einen interkommunalen Austausch zwischen den Austragungsorten.

 

Sie haben bereits zum Test "geböllert". Woher stammt diese Idee? Wie wurde sie umgesetzt?

 

Die Idee stammt aus dem Hause Feuerwehr. Kaum bekannt sind die Gefahren, die bei unerlaubtem Umgang mit Pyrotechnik entstehen können. Sie resultieren aus sehr hohen Temperaturen und oft giftigen Rauchgasen, die gerade in Fußballstadien unterschätzt werden. Eine Firma, die Feuerwerke vertreibt, hat sich bereit erklärt, die besten Löschmethoden für die verschiedenen Produkte zu erörtern und die Gefahren, insbesondere ungenehmigter ausländischer Pyrotechnik, aufzuzeigen.

 

Wie ist die erste Ernstfall-Probe gelaufen?

 

Die Veranstaltung war für Feuerwehr und Polizei sehr aufschlussreich. Erkenntnisse hieraus werden bereits jetzt schon umgesetzt. Wir sind überzeugt, dass das Verbot von Pyrotechnik außerhalb der üblichen Genehmigungen absolut gerechtfertigt ist.

 

Mit welchen Böllern rechnen Sie? Welche sind gefährlich und warum?

 

Grundsätzlich muss mit allem gerechnet werden, was auf dem Markt ist. Egal ob legal beschafft oder nicht. Bei unsachgemäßem Umgang kann sogar eine Wunderkerze gefährlich sein, die durch ihre brennbaren metallischen Bestandteile sehr hohe Verbrennungstemperaturen erreicht und z.B. synthetische Kleidung schnell entzünden kann. Besonders gefährlich sind pyrotechnische Gegenstände ohne BAM Klassifizierung, z.B. so genannte Polenböller, die durchaus zum Verlust von Körperteilen führen können. Völlig unkalkulierbar sind die Gefahren, die von Eigenbauten ausgehen.

 

 

Im Dortmunder Stadion ein eher
seltenes Bild: Fans im Böllernebel.

Haben Sie bei "normalen" Fußballspielen auch viele Einsätze in diesem Bereich?

 

In Dortmund geht die Benutzung von Pyrotechnik im Stadion immer weiter zurück. Es hat sich in Fankreisen herumgesprochen, dass ein Straftatbestand erfüllt wird. Auch zeigt die Aufklärungsarbeit mittlerweile ihre Wirkung.

 

Wie wird es bei der WM laufen? Werden Sie dann wie sonst auch vor Ort im Stadion sein oder mit einer höheren Anzahl von Einsatzkräften arbeiten?

 

Wie bei allen anderen Spielen im "Signal Iduna Park" wird der Brandschutz vor Ort durch eine Brandsicherheitswache gewährleistet. Sie achtet im Wesentlichen auf die Einhaltung baulicher und betrieblicher Brandschutzmaßnahmen und besteht aus elf Feuerwehrangehörigen. Aufgrund baulicher Ergänzungen wird sie zur WM um zwei Kräfte erweitert.

 

Worin sehen Sie die größte Gefahr des nahenden Großereignisses?

 

Da es bisweilen das größte Sportfest aller Zeiten ist, für das wir planen, gibt es nur wenige Anhaltspunkte für die richtige Dosierung der Vorbereitungen in punkto Sicherheit. Möglicherweise wird man nach der WM sagen, dass man sich zu viele Sorgen gemacht hat und einige Vorkehrungen überzogen erschienen. Andernfalls jedoch zu wenig Vorbereitungen getroffen zu haben und erst bei einem eingetretenen Großschadenereignis zu planen, ist sicher der größere Nachteil.

 

Wie groß ist Ihr Stab, der dann aktiv sein kann? Haben Sie personell, technisch zur WM aufgestockt?

 

Nur so viel: Wir werden nicht zu wenige sein. Es gibt für den Zeitraum der WM eine Urlaubssperre. Der Mehrbedarf an Personal wird überwiegend bei den unzähligen Veranstaltungen, für die Brandsicherheitswachen erforderlich sind, eingesetzt. Eine spezielle technische Aufstockung gibt es nur im kommunikativen Bereich, um schnittstellenübergreifend getreu dem Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" helfen zu können.

 

FOTOS: Larissa Beu

VON LARISSA BEU

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