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Aua, BVB

Manager Meier und Präsident Dr. Niebaum im Krisengespräch

(inDOpendent) Borussia Dortmund hat zu kämpfen. Sowohl sportlich als auch wirtschaftlich läuft es nicht rund bei den Schwarz-Gelben. Die Einnahmen im Vergleich zur Vorsaison sind wesentlich geringer, eie Geschäftsführung des BVB ist in den vergangenen Wochen auch noch wegen einer möglichen Anleihe massiv in die Kritik geraten.

 

Wie funktioniert eine Anleihe?

Verschiedenen Medienberichten zufolge plant der BVB eine Anleihe über 80 bis 100 Millionen Euro beim amerikanisch-englischen Anleihe-Finanzierer Stephen Schechter. Bei ihm hatte auch der FC Schalke 04 im vergangenen Jahr eine Anleihe über 75 Millionen Euro genommen. Das Geld stünde dem BVB auf einen Schlag zur Verfügung. Zurückzahlen muss es der BVB in Jahresraten - Süddeutsche Zeitung (SZ) und Kicker schätzen die jährlichen Zahlungen auf 10 Millionen Euro. Als Sicherheit soll Dortmund die Zuschauereinnahmen der kommenden zwölf Jahre verpfänden.

Gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) bestätigte Manager Michael Meier die Prüfung der Schechter-Offerte. Allerdings seien lediglich 50 bis 75 Millionen Euro geplant und das über einen Zeitraum von höchstens drei Jahren.

Anleihen seien in der Wirtschaft ein völlig normales Mittel zur Kapitalbeschaffung, bestätigt Arne Feddersen, Experte für Sportökonomie an der Universität Hamburg. ?Allein die Zuschauerzahlen des BVB rechtfertigen eine Anleihe?, sagt Feddersen weiter. Problematisch könne aber die allgemeine Finanzsituation werden. Schließlich müsse neben den Rückzahlungen auch der Kader finanziert werden.

Im SZ-Interview sagt Stephen Schechter, seriöse Investoren bevorzugten, dass Anleihegelder in Immobilien - also Stadion, Jugendinternat oder ähnliches - fließen. Geld für Spieler und Altschulden sollte aus anderen Quellen stammen. Eine solche Anleihe muss immer eine Investition in die Infrastruktur eines Vereins sein und dessen Wirtschaftskraft stärken. Für das Stopfen von Finanzlöchern ist sie also nicht geeignet.

 

Steht der BVB vor dem Finanzcrash?

Bis zum Ende der laufenden Saison fehlen Borussia Dortmund 20 bis 25 Millionen Euro zur Deckung der laufenden Kosten. Im Vergleich zur Vorsaison entsteht durch das schlechte internationale Abschneiden ein Loch von etwa 30 Millionen Euro. Nach Angaben des Vereins besitzt Borussia Dortmund genug liquide Mittel, um die Mindereinnahmen auszugleichen. Im Geschäftsbericht 2002/03 ist eine Liquidität von 71 Millionen Euro ausgewiesen.

Wo ist das Geld geblieben?

Der BVB hat in den vergangenen fünf Jahren mehr als 120 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Die Erlöse auf dem Transfermarkt betrugen nur ein Bruchteil dessen. Einige Spieler wurde die Borussia nur schwer wieder los. Beispiel: Sunday Oliseh. Der Nigerianer ist an den Reviernachbarn VfL Bochum ausgeliehen. Zwei Drittel seines Gehalts von rund 1,8 Millionen Euro übernimmt der BVB. Ironie des Schicksals, dass Oliseh für den VfL zum 3:0 im Derby gegen seinen Hauptbrötchengeber traf.

Die gesamten Personalkosten belaufen sich pro Jahr auf über 67 Millionen Euro - dreimal soviel wie bei Bundesligakonkurrent VfB Stuttgart. Selbst Dauerreservisten wie Giuseppe Reina (1 Million Euro pro Jahr) und Heiko Herrlich (1,5 Millionen) sind Einkommensmillionäre. Die Spitzenverdiener kassieren das Drei- bis Vierfache. Für die Stadionpacht schwanken die Angaben zwischen 12,6 und 17 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen noch jährlich acht Millionen Euro Kapitaldienste - also Zinsen und Tilgung auf Darlehen. Die Verwaltungsausgaben und Zahlungen an die Vermarktungsagentur Sportfive belaufen sich bis Saisonende auf gut sechseinhalb Millionen Euro.

Welche Einnahmen hat der BVB?

Zum einen gibt es einmalige Einnahmen wie etwa der Börsengang der Borussia, der 130 Millionen Euro in die Kasse spülte. Auch der Erlös aus dem Stadionverkauf oder eine mögliche Anleihe gehören in diese Kategorie.

Zum anderen gibt es laufende Einnahmen. Das sind bis Ende der Saison acht Millionen Euro aus Zuschauereinnahmen sowie maximal 17 Millionen Euro durch Einnahmen aus TV-Rechten und von Sponsoren. Wegen des schlechten Tabellenplatzes können diese erfolgsabhängig gestaffelten Erträge noch sinken. Es wird deutlich, dass vor allem die verpasste Champions League negativ zu Buche schlägt: Knapp 30 Millionen Euro aus den TV-Töpfen fehlen.

 

Hat der BVB bei den Bilanzen geschummelt?

Die SZ hat berichtet, dass der BVB seine Bilanzen ein wenig ?gehübscht? habe. So sei der Wert des Stadions mit unterschiedlichen Beträgen angegeben worden. Außerdem sei ein Teil der 38 Millionen Euro, die der BVB aus einem fünfjährigen Ausrüstervertrag mit Nike erhält bereits im Geschäftsbericht 2002/03 aufgeführt. Der Vertrag gilt erst ab der kommenden Saison.

Ingo Süßmilch, Fußballaktien-Experte von der Westdeutschen Genossenschaftszentralbank (WGZ-Bank) in Düsseldorf, kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Das Stadion sei jederzeit mit dem korrekten Wert verbucht worden, die Verbuchung eines Teils des Nike-Vertrags durchaus branchenüblich.

 

Wie geht es weiter?

Ein wichtiger Faktor ist der sportliche Erfolg der Mannschaft. Verpasst sie erneut die Champions League, ist der Kader nicht mehr zu finanzieren. Spieler - darunter auch Leistungsträger - müssten verkauft werden. Es ist jedoch fraglich, ob bei den derzeit niedrigen Preisen auf dem Transfermarkt die erhofften Erlöse erzielt werden können. Weiter könnte an Gehältern gespart werden. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob die Profis zu weiteren Gehaltseinbußen bereit sind. Einsparungen in der Verwaltung wären eine weitere Möglichkeit. Neben all diesen Sparmaßnahmen ist aber die Geschäftsführung auch gefordert, neue Einnahmequellen zu erschließen, wenn das Niveau der Mannschaft einigermaßen gehalten werden soll. Es ist nur wichtig, dass bei der Beschaffung neuen Kapitals darauf geachtet wird, die Belastungen für die Zukunft in Grenzen zu halten. Horrende Rückzahlungsraten könnten dem Klub die nötige Luft zum Atmen nehmen.

 

Weiterführender Link:

 Die Homepage des BVB

Fotos: BVB

VON JENS WITTE

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