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Hier zieht jede Masche

Gut gelaunt und fußballverrückt: die Strickerinnen aus Wickede.

(InDOpendent) Mehr als 800 Menschen stricken sich seit zehn Monaten die Finger wund. Ihr Ziel: der längste WM-Schal der Welt. Auch Dortmund hilft fleißig mit...

 

Wie verrückt schwingen auch 40 Frauen aus Dortmund-Wickede ihre Stricknadeln. Egal ob auf dem Sofa, vor dem Fernseher, im Wartezimmer beim Arzt oder am Wochenende auf dem Sportplatz - in jeder freien Minute kommen Wolle und Nadeln zum Einsatz. "Und wenn es nur eine Masche ist", erzählt Rita Narrog.

 

Die 53-Jährige hat das Zepter über den Dormunder Wollberg fest in der Hand: "Wir sind alle Fußballfans. Viele von uns waren in den vergangenen Jahren öfter im Stadion, als dass sie Stricknadeln in der Hand hatten. Trotzdem hat uns jetzt der Ehrgeiz gepackt." Ganz nach Vorschrift stricken die Frauen die Flaggen der 32 teilnehmenden Länder, und auch die Breitenvorgabe von 25 Zentimetern halten sie ganz penibel ein.

 

Gelagert auf Erdkabeltrommeln

 

Die Idee für den WM-Schal kommt aus Unna. Elfie Blees hat es sich seit Juli vergangenen Jahres zur Aufgabe gemacht, die Wollstücke aller Mitstrickenden zu sammeln, auszumessen und aneinanderzunähen. Streng geheim hält sie die aktuelle Gesamtlänge des Schals. "Das wird eine große Überraschung. Aber über das Ergebnis bin ich sehr stolz", verrät die 60-Jährige. Ein kleiner Tipp: Der Schal wird zwischen zwölf und 20 Kilometern lang sein. Gelagert werden die Wollberge zurzeit auf Erdkabeltrommeln bei den Unnaer Stadtwerken.

 

Allein die Wickeder Strickgruppe hat in den letzten Monaten eine Schal-Länge von knapp zwei Kilometern produziert. Würde man ihr Werk in 140 Zentimeter lange Einzelteile zerlegen, könnten sich alle 1400 Einwohner der norwegischen Vega-Inseln mit einem WM-Schal schmücken. Faszinierend ist auch die Arbeitszeit, die hinter dem gewaltigen Wollberg steckt. "Für einen Meter Schal braucht man etwa fünf Stunden, für zwei Kilometer Schal müsste eine einzige Person über 400 Tage ununterbrochen stricken", berichtet die 48-jährige Mitstrickerin Dorothea Befeldt.

 

Stolz: Elfie und Konrad Blees in den
Lagerhallen der Stadtwerke Unna.

Herausforderung USA

 

"Leichte Flaggen, wie Deutschland, Frankreich oder Italien, sind einfach und schnell gestrickt. Eine Herausforderung dagegen sind die USA, Japan oder auch Togo." Damit die Handarbeit nicht zur hoch mathematischen Angelegenheit ausartet, werden Sternchen und andere Details einfach  aufgeklebt, -genäht oder -gebügelt.

 

Der strickende Wahnsinn hat sich aber nicht nur in Dortmund ausgebreitet. Rund 800 Menschen aus über 200 Städten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Ungarn und sogar Korea beteiligen sich an der Aktion. Und wer bisher glaubte, dass Stricken nur etwas für Omis ist, der irrt. Die älteste Teilnehmerin ist zwar stolze 95 Jahre alt, und auch sonst vertritt der Großteil der WM-Strickenden die Generation Ü60, allerdings sind auch mehrere Schulklassen an der Aktion beteiligt. Die jüngste Handarbeitsfanatikerin ist gerade mal neun Jahre alt. Ebenfalls erstaunlich: Vier Männern bricht kein Zacken aus der Krone; sie arbeiten fleißig mit.

 



Mehr zum Thema
Tourdaten des WM-Schals

8. Juni Präsentation von 1.200 Metern des WM-Schals in der Berswordthalle in Dortmund, ab 19.30 Uhr

11. Juni ZDF-Fernsehgarten, ab 11 Uhr

 

Eintrag ins Guinness-Buch

 

Anfang Juni ist alles geschafft. Der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ist dem längsten WM-Schal der Welt sicher. Unklar ist bis jetzt noch die Summe, die das Werk einbringt. Er soll für einen guten Zweck verkauft oder versteigert werden. "Wir hoffen, dass möglichst viel Geld zusammenkommt, denn der Erlös geht an Jugendsportvereine aller teilnehmenden Städte. Dieses Ziel hat uns natürlich noch mehr angespornt", erklärt Rita Narrog. Dass sie das Flaggen-Stricken vermissen werden, da sind sich die Wickeder Damen einig. Eins aber ist ja sicher: Der nächste Winter kommt bestimmt.

 

 

FOTOS: Katharina Lindner / Stadt Unna

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VON KATHARINA LINDNER

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