Pendeln mit der Bahn kostet Nerven. Und auch eine Menge Zeit. Diese Erfahrung teilen sicher Viele mit mir, denn unter den etwa 22.000 Dortmunder Uni-Studierenden sind rund 14.000 Pendler, schätzt die Unileitung.
Ich bin ja mittlerweile einiges gewohnt. Aber wenn ich für meine Heimfahrt statt einer gleich fünf Stunden brauche, macht mich das einfach nur fertig.
Der Leidensweg beginnt an der Uni-Haltestelle Richtung Dortmund Hauptbahnhof. Die erste S-Bahn fällt ganz aus, die zweite kommt mit etwa zehn Minuten Verspätung. Das Resultat: Trotz eines rasanten Sprints durch den Hauptbahnhof zum Gleis des Anschlusszugs höre ich schon auf halber Treppe dieses grausame Piepen, das ankündigt, dass die Türen gerade endgültig geschlossen werden. Ein Ton, der jede Hoffnung zunichte macht. Ein Alptraum.
Zug verpasst
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Gleich geht die Türe zu - ein Graus für jeden Pendler. |
Auf dem Gleis sehe ich den Zug gerade noch abfahren. Als wäre das nicht schon schlimm genug, höre ich eine zuckersüße Stimme hinter mir: "Tja, da hätten Sie sich wohl etwas mehr beeilen müssen." Ich drehe mich um und muss erkennen, dass die zuckersüße Stimme einer ziemlich blöd grinsenden Bahnbeamtin gehört. Moment mal, jetzt bin ich also auch noch schuld? Ich bin echt kurz davor, die Dame vor den nächsten einfahrenden Zug zu schubsen. Einzig die Tatsache, dass es deshalb noch mehr Verspätungen geben würde, hält mich davon ab.
Ich entscheide mich stattdessen für eine andere Bahnverbindung. Bis zum Umsteige-Bahnhof geht sogar alles glatt. Dann jedoch die Lautsprecherdurchsage: "Der nachfolgende Zug verspätet sich wegen eines Lokschadens auf unbestimmte Zeit". Leidgeprüft ist mir sofort klar: Das ist eine SEHR dehnbare Zeitangabe. Das kann dauern.
Und es dauert. Der nächste Zug soll in einer Stunde kommen. Er kommt nach anderthalb Stunden.
Rein. Platz gesucht. Aber zu früh gefreut. Zwei Züge des Fernverkehrs dürfen überholen und sorgen für weitere Verspätung. Dann kommt auch noch jemand auf die glorreiche Idee, spaßeshalber die Notbremse zu ziehen. In mir nur noch Hass. Auf den Bremsenzieher, die Bahn, die ganze Welt.
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Pendlerin mit Wut im Bauch: Anja in der S-Bahn. |
Kurz vor meinem Zielbahnhof eine weitere Überraschung: "Es befinden sich Personen auf den Gleisen." Wir warten noch eine dreiviertel Stunde.
... und dann zu Hause!
Dann komme ich – ENDLICH – zu Hause in Wuppertal an. Mit einer Riesenwut im Bauch und zwei Gedanken im Kopf.
A) Gott sei Dank ist morgen Wochenende und ich muss nicht zur Uni.
B) Ich sollte doch nach Dortmund ziehen.
FOTOS: Anja Schumann