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Fehler im System

Geduld ist eine Tugend.

Angeblich gehören Studenten nicht zu den Frühaufstehern. Doch wer im Zentrum für Studienangelegenheiten (ZfS) der Universität Dortmund eine Gelegenheit zur Abwicklung seiner Anliegen bekommen will, muss sich am besten schon vor der regulären Öffnungszeit einfinden.

 

So belagern bereits um 9.15 Uhr über 20 Studenten die Steintreppen im Foyer und lauern auf Bewegungen hinter der Tür von Raum 01 - dem Servicepoint. Erste vorbeihuschende Sachbearbeiter hinter der Glastüre werden zehn Minuten später mit Argusaugen verfolgt. Und als sich die Tür dann auch pünktlich um 9.30 Uhr öffnet, aber nur ein Studierender vorgelassen wird, geht ein Raunen durch die mittlerweile auf rund 40 Personen angewachsene Menge. "Wie, es ist nur ein Platz besetzt?!", heißt es und: "Kollegin noch beim Früstückskaffee, was?" Schließlich verspricht die Anzeigetafel neben der Tür: "Platz links, Platz mitte, Platz rechts." Nach gerade mal fünf Minuten darf der Nächste zur Beratung antreten. Mittlerweile sind dann auch alle Plätze mit - noch - lächelnden Sachbearbeitern besetzt.

 

 

 Wartezeit? Unbegrenzt.

Nicht besetzt ist hingegen der Infopoint, auf der Leuchttafel des ZfS mit den Worten angepriesen: "Die Infotheke im Foyer dient für Ihre Orientierung, erste Anfragen." Orientierungslos fokussieren die Studierenden ihre Blicke auf die Bewegungen hinter der Glastür zu Raum 01 - und stellen sich brav in die Reihe. "Der Infopoint ist meistens nicht besetzt", erklärt eine Studentin lakonisch. Nachdem sie vor Semesterbeginn zweieinhalb Stunden Wartezeit im ZfS überstanden hat, vermag sie kaum noch etwas zu schocken. "Meine Daten wurden falsch ans Bafög-Amt übermittelt. Fehler im System. Also war ich hier und bin mit der Sachbearbeiterin jedes Semester durchgegangen. Dann war es trotzdem wieder falsch, und ich musste nochmal kommen." Für die zweieinhalb Stunden hätte sich die Studentin zumindest eine Möglichkeit gewünscht, "eine Nummer zu ziehen, wie bei jeder Stadtverwaltung. Wenn man dann wüßte, wie lang man warten muss, könnte man ja noch mal zwischendurch gehen".

 

Alles wird gut

 

Diesen und anderen Horrorgeschichten, wie die von angehenden Diplomanden, die sich zum Anmelden des Diploms dreimal in die ZfS-Schlangen stellen mussten, begegnet die stellvertretende Leiterin des ZfS, Frau Buchart, mit Verständnis: "Am kommenden Donnerstag haben wir eine Klausurtagung, dann werden wir auch besprechen, wie man Abhilfe schaffen kann, für die Probleme des ZfS, die bisher noch nicht gelöst werden konnten."

 

 

 Antrag finden leichtgemacht.

Dass eben auch nicht alles schlecht läuft, zeigt eine andere ZfS-Besucherin. Letztlich ist ihr Anliegen aber auch leichter zu lösen: Den Antrag auf Urlaubssemester findet sie griffbereit im Servicekasten. Den ZfS-Spruch der Leuchttafel: "Bitte nutzen Sie zur Vermeidung von Wartezeiten den Briefkasten im Foyer für Prüfungsanmeldungen, Abmeldungen, Atteste usw.", findet aber auch diese Studentin wenig eindeutig und qualifiziert sich fürs Schlangestehen: "Was ich unter usw. verstehen soll, ist mir wirklich nicht klar. Mit meinem Antrag gehe ich - wenn er ausgefüllt ist - doch lieber rein." Dass ihr direkt zwei Fragen auf dem Antrag Kopfzerbrechen bereiten, mag sie als Wartekandidatin nur noch mehr in die engere Auswahl bringen.

 

Neu sind die Irrungen und Wirrungen des ZfS allerdings keineswegs. In einem Bericht der Indopendent hieß es 2004: "Jens Eich war schon dreimal hier, um sich als Zweithörer für Wirtschaftsingenieurwesen einzuschreiben." Der Leiter des ZfS, Dirk Ogermann, hatte damals nicht "mangelnden Willen, sondern mangelnde Möglichkeiten" verantwortlich gemacht. Bis zum Dezember 2004 hoffte der Zentrumsleiter damals ein virtuelles Prüfungsamt für die Fächer Elektrotechnik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften im Netz zu haben. Damit sollten Wartezeiten verringert werden.

 

Altbekannte Probleme

 

 

Nicht immer einfach:
Ausfüllen der Anträge.

Im Juli 2005 zitierte donews nach einem Ogermann-Interview: "Wir wollen effizienter mit den Studenten umgehen und die Schlange schneller abarbeiten. Dazu haben wir die Frontoffices, also die Mitarbeiter, die an der Infotheke und im Servicepoint sind, und die Backoffices mit den Kollegen der Teams." Von einer "Anfangsphase" und "Gewöhnung" war die Rede.

 

Was nur, wenn der Infopoint nicht besetzt ist...? Oder der Servicepoint schon vor der Öffnung völlig belagert wird...? Szenarien, die sich seit den letzten Berichten offensichtlich nicht geändert haben.

 

Und schlußendlich ist auch die Idee des Nummernziehens, damit die Studierenden zumindest noch mal gehen können und nicht endlos Spalier stehen müssen, nicht neu. Schon im Juli kam dieser Vorschlag im donews-Bericht. Aber Schlange stehen macht im ZfS Furore. Das Konzept werde "auf Dauer funktionieren", hatte Ogermann damals versichert. Und "auf Dauer" scheint im ZfS ein dehnbarer Begriff.

 

Fotos: Larissa Beu

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  "Wir haben etwas anzubieten"  vom 28.03.06  

VON LARISSA BEU, LARS SCHALL

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