| In Ägypten ein Held | ||
Als Bundesliga-Profi hat Theo Bücker das Ruhrgebiet nicht verlassen. Als Fußballcoach hat er dagegen inzwischen schon in ganz Arabien gearbeitet und wird dort von den Fans verehrt. Zur Zeit gilt er als heißester Kandidat für den Posten des ägyptischen Nationaltrainers.
Bokeir, Bukair oder Bokhair. Mit der Schreibweise seines Namens haben die ägyptischen Fans im Internetforum zwar einige Schwierigkeiten, aber sie lieben Theo Bücker trotzdem. Der deutsche Fußballtrainer wird im Vorderen Orient gefeiert wie ein Held. "Die Araber lieben Deutsche, weil sie in ihren Augen so korrekt und diszipliniert sind," sagt Bücker. Er hat diese angeblich so typisch deutschen Eigenschaften noch in sich, obwohl er schon seit über 20 Jahren nicht mehr in seinem Heimatland lebt. Bis 1983 spielte der gebürtige Westfale in der Bundesliga - bei Dortmund, Duisburg und Schalke. Die Bilanz: 235 Bundesligaspiele, 46 Tore, aber kein Titel. Erst mit seinem Wechsel nach Saudi-Arabien ging Bückers Stern auf.
"Dettmar Cramer war für mich wie ein Vater"
Sein damaliger Trainer Dettmar Cramer nahm ihn mit ins Land der Ölscheichs. Cramer war in dieser Zeit für Bücker mehr als nur ein Fußball-Lehrer: "Wir hatten ein Vater-Sohn-Verhältnis. Für mich ist er der größte Fußball-Experte, den es gibt." Nach seiner aktiven Laufbahn blieb der heute 55-Jährige in Saudi-Arabien und wurde selbst Trainer - mit Erfolg. Endlich holte er die so heiß ersehnten Titel. Doch das genügte Bücker nicht. Einer wie er muss immer weiter, wird vom Ehrgeiz durch die Welt getrieben. Kuwait, Ägypten, Arabische Emirate, Libanon und wieder Ägypten sind seine bisherigen Stationen. "Ich unterschreibe grundsätzlich nur Ein-Jahres-Verträge, damit ich alle Möglichkeiten offen habe," sagt Bücker.
In Arabien wird Theo Bücker von den Fans verehrt
Nach dem Tod seiner Frau fiel Bücker in ein Loch
Hauptsache er darf jeden Tag auf dem Trainingsplatz stehen, wo man ihn kaum von seinen Schützlingen unterscheiden kann. Genau so wie seine Spieler rennt, grätscht und schießt er während einer Übungseinheit - ein Vollprofi eben, absolut verrückt nach Fußball. Genau das hat Theo Bücker vor vier Jahren wohl das Leben gerettet. Als plötzlich seine Frau starb, war er ganz tief unten: "Es gab Momente, da wollte ich nicht mehr. Der Fußball hat mich hochgehalten." Und das Schicksal gab ihm eine zweite Chance: Vor einem halben Jahr heiratete der Ex-Profi eine Zahnärztin aus dem Libanon, die über 20 Jahre jünger ist als er. "Das ist unglaublich. Sie hat nur einen einzigen Fehler: Sie muss blind sein", sagt Bücker und man merkt, dass er wieder Spaß am Leben hat. "Ich gratuliere mir jeden Tag selbst."
"Technisch sind die Ägypter besser als die Deutschen"
Auch sportlich läuft es für den Wahl-Ägypter glänzend. Diese Saison schaffte er mit seiner Mannschaft Ismailia SC den Sprung ins Endspiel der afrikanischen Champions League und verlor nur knapp. In der Zwischenrunde der arabischen Champions League ist sein Team gut im Rennen und auch in der Liga und im Pokal hat Ismailia noch alle Chancen. Dass in Deutschland kaum jemand von seinem Erfolg Notiz nimmt, stört Theo Bücker nicht. Dafür fühlt er sich inzwischen in Arabien zu wohl. Wenn er von seiner Mannschaft spricht, kommt er ins Schwärmen. Nicht umsonst werden die Kicker von Ismailia die Brasilianer Ägyptens genannt. "Hier gibt es unglaublich viele Talente. Technisch sind die Ägypter besser als die Deutschen." Nur am professionellen Lebenswandel mangele es den meisten arabischen Spielern. "Genügend Schlaf und die richtige Ernährung: Das bekommen die hier noch nicht hin. Wenn das besser wäre, würden die Araber eine sehr viel größere Rolle im Weltfußball spielen."
Der BVB war Bückers erste Station als Profi
Der Trainerjob in Deutschland war eine Enttäuschung
Dass der deutsche Fußball eben diese Rolle nicht mehr spielt, wundert Bücker kein bisschen. Vor vier Jahren tat er einem Freund einen Gefallen und heuerte beim SV Meppen in der Oberliga an - ein Fehler, wie Bücker später zugab: "Ich war abgrundtief enttäuscht. In Deutschland ist die Mentalität für konzentriertes Arbeiten einfach nicht mehr vorhanden. Die meisten Spieler wollen für zu wenig Leistung zu viel Geld." Danach war für Theo Bücker das Thema Deutschland erst einmal erledigt. Außer für Besuche wollte er nicht mehr zurück kommen und schon gar nicht in der Bundesliga arbeiten, wo ihm "zu wenig gespielt und zu viel gerannt" wird.
"Ein Spitzenclub könnte mich reizen"
Doch einer wie Bücker sagt nicht "nie". "Wenn sich ein absoluter Spitzenclub melden würde, wäre das schon eine Überlegung wert. Doch da das Wissen in Deutschland über den Fußball hier gleich null ist, kann man davon wohl nur träumen" Sein Vertrag mit Ismailia läuft - natürlich - am Ende der Saison aus und zumindest in Arabien ist die Ware Bücker heißbegehrt. Einige große Clubs in Katar und den Emiraten sollen sich um den Deutschen bemühen und auch als neuer ägyptischer Nationaltrainer wird er gehandelt. Dann wäre das Ziel die WM 2006 in Deutschland. Würde er die Qualifikation schaffen, die Ägypter ließen ihn nie wieder nach Hause. Aber darüber wäre Theo Bücker wahrscheinlich gar nicht so traurig.
Die Homepage von Theo Bückers Verein Ismailia Berichte zum ägyptischen Fußball
Fotos: Presse im Sauerland, Fussballdaten.de | ||
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