| Studium rum – was nun? | ||||||||
Probieren geht über Studieren. So mancher Ratschlag, den es für die Besucher des Absolventenkongresses in den Messehallen Köln gab, brachte die zukunftssuchenden Studierenden nicht wirklich weiter. Dennoch lockte die größte Jobmesse Deutschlands Studierende jeglicher Studiengänge an – vom Betriebswirtschaftler über die Sportstudentin und den Juristen bis hin zur Ökotrophologin kamen sie alle in Scharen.
"Ich bin hier, um ein Praktikum im Marketingbereich zu suchen", sagt Lukas Matacz. Der Marketing- und PR-Student aus Hemer hat sich keinen konkreten Plan gemacht, wie er die über 250 Firmen in zwei Messehallen "angehen" will: "Wenn es passt, dann passt’s", so der Student der Uni Marburg optimistisch. Zusammen mit Freund und Kommilitonen Sebastian Dickmann macht er sich auf den Weg durch das Gedränge. Denn schon kurz nach der Eröffnung am Mittwochmorgen um neun Uhr sind die Durchgänge zwischen den teils riesigen Ständen voll.
Manche Aussteller fielen schon allein durch die aufwendig gestalteten Messestände auf: Einige hatten sogar Kicker aufgestellt, bei REWE und Lidl gab es jede Menge Obst zum Mitnehmen, und bei KIK waren, wie man es auch im Laden findet, Original-Drehständer mit Klamotten bestückt zu sehen. Der DHL-Bereich sah aus wie eine richtige Filiale, die Dresdner Bank schaffte ein entspannendes Flair mit futuristischem Springbrunnen. Trotz farbenfroher Unternehmensmischung, dominierend war der Anblick der in alle Richtung strömenden Studentenmassen: Die männlichen Besucher trugen bevorzugt Anzug und Krawatte. Weibliche angehende Karrierefrauen waren meistens in Rock und Stiefeln oder sogar im klassischen Hosenanzug zu sehen. Jeans- und Pulloverträger gehörten eher zur Minderheit. Auffallend: Die besonders stylischen der männlichen Besucher kombinerten weiße Sneakers zum – zumindest teuer erscheinenden – Anzug. Ob das bei der Jobsuche der entscheidende Pluspunkt ist?
Jens Seiler von der Deutschen Bundesbank kann die Studierenden verstehen: "Sie kommen mit den unterschiedlichsten Fragen, und die Studiengänge sind quer durch den Garten." Seiner Meinung nach lohnt sich die Messe: „Aus den letzten Kongressen sind Festanstellungen, Diplomarbeiten und Praktika entstanden.“ Natürlich seien auch Imageaspekte mit der Messe verbunden, betont der Mitarbeiter der Deutschen Bank.
Vorträge so unterschiedlich wie die Unternehmen selbst
Schon seit 1989 gibt es den Absolventenkongress. Gustav-Axel Quast erwähnt nicht ohne Stolz, dass er damals dabei mitgewirkt hat. Dieses Mal ist er allerdings dabei, um das Unternehmen Nestlé, seit zwölf Jahren sein Arbeitgeber, im Rahmen eines der zahlreichen Vorträge vorzustellen. Die Vorträge waren von den Unternehmen so unterschiedlich gestaltet wie alles andere auch, von sehr informativen bis zu nichtssagenden Vorträgen war alles dabei.
Allein per Onlineanmeldung registrierten sich dieses Jahr über 10.500 Besucher. Für viele gilt die Messe als DIE Gelegenheit, Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern zu knüpfen. "Die Studenten sind sehr unterschiedlich vorbereitet", sagt Nadine Dannowski vom Messeausrichter Hobsons. "Einige kommen mit sehr konkreten Vorstellungen. Sie haben sich vorher erkundigt und arbeiten die Unternehmen regelrecht ab. Andere nutzen die Messe, um sich zu orientieren."
Doch so einfach wie es klingt ist es leider nicht. Die Messestände sind umzingelt von Studierenden. Gerade die "Großen" wie Nestlé, Masterfoods oder die Unternehmensberater Ernst & Young ziehen die Besucher magisch an. Und das nicht (nur) wegen der Give-Aways. Praktika bei den Global Players sind die Sahnehäubchen im Lebenslauf. Aber auch mindestens genau so schwer zu bekommen. "Die Unternehmen wollen überwiegend qualifizierte Kräfte", sagt Yasemin Alik. Die Wirtschaftsinformatikstudentin wollte sich "nur" für ein Praktikum bewerben. Dass selbst dafür schon Berufserfahrung verlangt wird, findet sie unverständlich: "Die Standardfrage lautet: Wo waren Sie schon?", so die 24-Jährige. Ihre Freundin Johanna Jahnsen ist noch optimistischer: "Das war der Eine, der das gesagt hat", versucht sie ihre Kommilitonin aufzumuntern.
Frust bei der Suche nach der passenden Zukunft
Nicht nur bei den Job- und Praktikumssuchenden macht sich allmählich der Frust breit. Auch diejenigen, die auf der Suche nach einer "neuen" Uni sind, wollen das Thema Zukunft am liebsten vergessen: "Das kann doch kein Mensch bezahlen", sagt Sarah Schröder von der Universität Dortmund. Die Sprachwissenschaftstudentin ist bald mit ihrem Bachelor-Studium fertig und will später einen Master nachschieben. Doch wer nicht zur Berufsgruppe "Sohn" bzw. "Tochter" gehört, sieht alt aus. Bis zu 25.000 Euro kostet ein Master an einer der Privatunis. Für die meisten unbezahlbar. Mit gerade mal 7000 Euro ist eine Hochschule aus Holland das absolute Schnäppchen unter den "Elite-Unis".
Das Gelddilemma umgehen, lässt sich eventuell mit einer guten Idee: Selbstreinigende Klobrillen oder Biergläser, die niemals leer werden, als innovative Geschäftsidee könnten doch der Einstieg in die Selbstständigkeit sein. Dazu aufmuntern will Oliver Walter. Das Projekt start2grow aus Dortmund will auch in Köln junge Leuten dazu anregen, den alten Pioniergeist aufleben zu lassen und den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen. "Wir haben hier wirklich durchgehend Gespräche und Kontakte", freut sich Walter. "Ich habe schon mit fünf bis zehn Leuten geredet, die eine vernünftige und ausbaufähige Idee hatten, mit der sie sogar durchstarten könnten." Was dabei herauskommt, wird sich zeigen.
Eins steht fest: Wer auf der Absolventenmesse nicht den Traumjob oder das viel versprechende Praktikum zum Einstieg ins Berufsleben finden konnte, der nahm zumindest anderes mit. Kugelschreiber, Blöcke, Zeitungen, Schlüsselanhänger, Tassen, Becher und sogar Fußbälle machten die Aussteller "locker". Zumindest für diejenigen, die Interesse zeigten. Oder für diejenigen, die eine Portion Dreistigkeit an den Tag legten. Für 12 Euro Eintritt, über 3 Euro Garderobengebühr – 1,50 Euro pro Jacke und 2 Euro für Gepäck, wobei jede Tasche als Gepäck zählt – und Essenspreise, bei denen einem der Appetit vergeht, eine kleine "Aufwandsentschädigung". Wenn schon nicht Mitarbeiter in spe - so manchen Kunden für die Zukunft haben die Aussteller vielleicht finden können.
Fotos: Sabrina Hötte und Sabrina Krähling | ||||||||
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