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Orientalische Klänge im Figge-Keller

Das Publikum ist hingerissen, es spendet Zwischenapplaus nach einer virtuosen Trommel-Einlage und für Rommels Geigenimprovisation, es klatscht den Rhythmus mit, als Sänger Sebastian Stockey mit einem arabischen Gruß das Mikrofon ergreift und "Taktuqa-Bentel Shalabiya" singt.

 

Beeindruckender Auftritt: Sängerin Julia
Burgsmüller.

Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Sängerin Julia Burgsmüller, die mit ihrer bei jedem einzelnen Ton ausdrucksstarken Stimme und einer sehr authentisch wirkenden Interpretation von "Taktuqa-Shatti Yadinya" das Publikum schon vor der Zwischenpause zu begeisterten "Zugabe"-Rufen animiert.

 

Taktuqa-Shatti Yadinya in voller Länge (2:48min/1,3MB)

(Einen Mitschnitt des Konzerts in CD-Qualität gibt es im Tonstudio des Instituts für Musik und Musikwissenschaft)

 

Spezielle Gesangs- und Spieltechniken

 

Soviel Applaus ist der Lohn für mühevolle Proben, in denen die Musiker lernen mussten, arabisch zu spielen und zu singen. Arabisch Singen sei "genau das Gegenteil" der klassischen Gesangsausbildung, sagt Julia Burgsmüller.

 

Julia Burgsmüller zur Gesangstechnik (16s/125KB)

 

Auch mit der Sprache hatte Julia anfangs starke Probleme. "Es ist eben ein sehr starker Akzent, den man dann hat", weiß sie. Kein Wunder, dass die wenigen Araber im Publikum bemängeln, sie hätten "manches nicht verstanden".

 

Julia über ihre Sprachprobleme (11s/94KB)

 

Für Instrumentalisten ist die arabische Musik ebenfalls eine Herausforderung - etwa wegen der ungewöhnlichen Rhythmen. Im zweiten Teil spielt das Ensemble beispielsweise mit "Samai Sultani Yakah" ein Stück im Zehn-Achtel-Takt. "Ich bin froh, dass wir kein Lied im 106-Achtel-Takt gespielt haben", sagt Julia Burgsmüller.

 

 

Ungewöhnlich: Saxophone und europäische
Flöten spielen arabische Musik.

Julia über die Schwierigkeiten der Musiker (22s/175KB)

 

In Orient würde die Musik natürlich mit original arabischen Instrumenten gespielt. Rommels Ensemble ist sozusagen ein Zufallsorchester - "wie die Studenten kommen, akzeptiere ich das und versuche, mich anzupassen", sagt er - fügt aber hinzu: "Man kann nicht mit jedem Instrument die arabischen Gefühle wirklich gut ausdrücken."

 

Rommel Ayoub zu den Instrumenten (36s/285KB)

 

Die Kunst der arabischen Musik liegt für ihn darin, "was man hinter den Noten spielt." Verzierungen, Glissandi, Improvisation und eine Stimmung entsprechend dem arabischen Tonsystem - das geht besonders gut mit Streichinstrumenten. Auch Trommeln können arabische Gefühle gut ausdrücken, wie die Rhythmusgruppe virtuos bei Rommel Ayoubs Eigenkomposition "Arabische Rhythmen" zeigt.

 

Publikum und Akteure begeistert

 

Als Sahnehäubchen bekommt das Publikum schließlich die ersehnte Zugabe mit Julia Burgsmüller. Das Urteil der Zuschauer über das Konzert: "Absolut begeistert".

 

Drei deutsche und ein arabischer Zuhörer zum Konzert (39s/306KB)

 

Begeistert sind auch die Musiker - das Seminar hat sich gelohnt. "Man muss sich einfach darauf einlassen", resümiert Julia Burgsmüller. Sie war in das Seminar gekommen, weil sie mit Rommel Ayoub gut befreundet war "und den einmal als Dozenten erleben wollte." Und, fügt sie hinzu, "weil ich denke, alles was außerhalb Deutschlands ist, das ist einfach interessant, und ich möchte so viel wie möglich davon mitbekommen."

Das Publikum ist begeistert: stehende
Ovationen nach dem Konzert.

Nun hofft sie, dass durch das Konzert andere Musikstudenten auf die exotischen Seminare aufmerksam geworden sind - "und ich will auch den Leuten sagen, geht dahin, das ist total toll."

 

Rommel Ayoub wird beide Seminare voraussichtlich im nächsten Sommersemester wieder anbieten. Wer Musik lieber nur hört, kann sich das Abschlusskonzert in einem Jahr vormerken.

 

FOTOS: Stefan Dietrich

AUDIOS: Stefan Dietrich (Zitate), Rommel Ayoub (Konzertmitschnitt)

VON STEFAN DIETRICH

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