| Wir sind Weltmeister!!! | ||||||
Kuriose Tore, unglaubliche Schüsse, komplizierte Formeln gespickt mit den besten Kommentaren berühmter Fußballgurus, dazu fast unbemerkt eingeschobene physikalische Fakten. Metin Tolan begeisterte rund 700 Zuhörer mit seinem provokant formulierten Vortrag: "So werden wir Weltmeister".
"Journalisten können sich den Stress sparen und die Schlagzeilen von morgen schon heute drucken", sagte der Physiker am Ende seines Vortrags. Quod erat demonstrandum, was zu beweisen war: Wir werden Weltmeister. Doch wie kommt der Dortmunder Professor auf diese waghalsige Aussage?
Zunächst hat er die wichtigsten Faktoren des Fußballs analysiert. Der Ball ist rund. Soviel wissen wir. Doch ganz richtig ist das nicht: "Der Ball besteht aus 20 Sechsecken und zwölf Fünfecken und hat ein durchschnittliches Gewicht von 450 Gramm", erklärte Tolan.
Tolan erklärt, warum ein Fußball nicht rund sein darf (21s/167KB)
Danach hat er die wichtigsten Fakten des Spielfeldes notiert, analysiert und ganz genau berechnet. Mit diesen Daten lässt sich die optimale Spielerzahl bestimmen. Ausschlaggebend ist die Zeit, die ein Spieler braucht, um den Ball anzunehmen und die Zeit, die der Gegner benötigt, um zu grätschen oder den Ball mit gekonnter Technik an sich zu reißen. Der geschulte Physiker kennt die richtigen Formeln zu Kraft, Geschwindigkeit und was man sonst noch braucht. Das Ergebnis: Die optimale Feldspielerzahl liegt bei zehn Fußballern.
Wer hätte das gedacht: Fußball in Zahlen kann so spannend sein!
Die Welt des Fußballs ausgedrückt in Zahlen. Auch das berüchtigte Wembley Tor von 1966 erklärt Tolan mit der sonst so trockenen Theorie: "Das Schöne an der Physik ist, dass man die Dinge völlig emotionslos analysieren kann." Das Ergebnis seiner Berechnung ist eindeutig: Die Engländer haben uns um unseren Sieg betrogen. Warum? Es hat mit der Flugkraft des Balls zu tun und mit der Tatsache, dass er bei einem Aufprall gerade mal eine Hundertstelsekunde mit dem Boden in Berührung kommt. Das kann das menschliche Auge nicht erkennen.
Von wegen Mädchen interessieren sich nicht für Physik
"Ich war schon bei mehreren Vorträgen", sagt Korinna Rosin. Die Schülerin wurde zuerst von ihrem Bruder, einem Physikstudenten, mitgeschleppt und ist inzwischen ein großer Fan der Vortragsreihe "Zwischen Brötchen und Borussia". "Es ist witzig gemacht, und größtenteils kann man die Sache nachvollziehen", sagt die Siebzehnjährige. Metin Tolan freut es sehr, wenn nicht nur Physikstudenten zu seinen Vorträgen kommen; dabei darf eines nicht vergessen werden: "Ziel dieser Reihe Physik am Samstag ist es auf keinen Fall, Leute zum Physikstudium zu bewegen." Vielmehr will er zeigen, dass sich viele Dinge des Alltags mit Physik erklären lassen. Es müsse schon in der Schule damit begonnen werden, Kinder für die Physik zu begeistern.
Ob Intention oder nicht, nach zwei Stunden Physik rund um den Fußball waren alle Zuhörer im WM-Fieber. Das gibt Tolan zu: "Die unglaubliche Resonanz heute ist natürlich auf das große Interesse am Fußball zurückzuführen."
Im zweistündigen Vortrag widmet er sich den wichtigsten Fragen rund um den Ball: Ist Erfolg beim Fußball Glück oder Können? Lassen sich Pech und Glück messen? Messen vielleicht nicht, aber mit den richtigen Formeln lässt sich Erfolg oder Misserfolg berechnen. Auch ein gelungener Freistoß ist im Grunde nur eine Frage der Berechnung.
Wenn es dann trotzdem nicht klappt mit dem Freistoß, könnte das am Luftwiderstand und am sogenannten "Magnus-Effekt" liegen. Denn der erschwert die Berechnung erheblich.
Tolan zum Magnus-Effekt (22s/177KB)
Aber wie schon Matthias Sammer einmal sagte: "In der Theorie ist noch nie etwas entschieden worden beim Fußball." Deswegen hat Metin Tolan weitere Gründe geliefert, wie wir unsere Nationalelf nach ganz vorn bringen können.
Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Die Statistik zeigt: Der austragende Verein der WM schießt im Schnitt mehr Tore. Gott sei Dank, das haben wir schon hinbekommen. Weiterer Faktor: die Auslosung. Die richtige Gruppe verhilft zum Sieg. Aber wir wollen das Schicksal nicht beschreien. Deswegen gleich der nächste Punkt, die Fans: "Wenn die Fans richtig Gas geben, dann wird das was", blickt Tolan optimistisch in die Zukunft. Unsere Torchancen könnten wir mit Jubel, Gesang und Parolen um das Doppelte erhöhen. Da bleibt auch Tolan nicht mehr viel zu sagen: "Den Kick haben wir schon. Wir wollen bei der WM etwas reißen."
FOTOS: Sabrina Krähling AUDIOFILES: Andrea Ueding (Eldoradio)
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