| Der die Schiris fit macht | ||||
Sein Wort hat in der Sportwelt Gewicht. Wer Chefarzt des deutschen Olympia-Teams bei den Winterspielen oder Teamarzt bei der Tour de France war, der braucht seine Kompetenz in Sachen Sportmedizin nicht mehr nachzuweisen. Kein Wunder also, dass Dr. Ernst Jakob zum Chefarzt der Schiedsrichter bei der Fußball-WM berufen wurde.
Intensiv hat sich der Sportmediziner in den vergangenen Wochen mit der Fitness der Unparteiischen beschäftigt und weiß sehr genau, was auf einen Schiedsrichter während eines Spiels einprasselt. "Ein Schiedsrichter trifft 200 Entscheidungen in 90 Spielminuten. Ist nur eine davon falsch, wird sie hundertfach diskutiert", sagt Ernst Jakob.
Welche Folgen dieser immense Druck bei einem normalen Bundesligaspiel hat, untersuchte der Sportmediziner während eines Spiels im Dortmunder Stadion. Anschließend verglich er die Werte mit denen eines Schiedsrichters, der ein Regionalligaspiel vor weit weniger Zuschauern gepfiffen hat. "Die Konzentration, die Atmosphäre führen bei einem Bundesliga-Schiedsrichter zu einer Herzfrequenz von im Schnitt 168 Schlägen pro Minute", stellte der Sportmediziner fest.
Schiris laufen 12 Kilometer pro Spiel
Hinzu komme die immense körperliche Leistung, schließlich läuft ein Schiedsrichter in der höchsten deutschen Spielklasse zwischen zehn und zwölf Kilometer pro Spiel. Bei der Herzfrequenz wurden Schwankungen von 140 bis 190 Schlägen pro Minute festgestellt. Dagegen wirkt die Arbeit von Regionalliga-Schiris wie ein Spaziergang. Die Belastung für das Herz ist um mehr als 30 Schläge pro Minute niedriger.
Ein Grund für die Belastung: Das Spiel ist deutlich schneller geworden. Vor 25 Jahren lief ein Schiedsrichter durchschnittlich elf Spielminuten lang schneller als 12 km/h - 1995 waren es bereits 26 Minuten. Kein Wunder, dass die Schiedsrichter heutzutage fast so fit sind wie die Spieler. Und das, obwohl sie mit im Schnitt 39 Jahren gut 15 Jahre älter sind als die Spieler.
Seit acht Jahren kontrolliert der Deutsche Fußball Bund (DFB) systematisch die Fitness der Unparteiischen. Selbst bei Jugend-Schiedsrichtern überlässt der Verband nichts mehr dem Zufall. Leistungsdiagnose, EKG, Ultraschall-Untersuchung des Herzens - was vorher der Hausarzt erledigte, wird heute vom DFB untersucht. "Erkrankungen, vor allem des Herzens, sollen möglichst schnell erkannt und behoben werden", erklärt Dr. Jakob.
Achillesferse der Schiris
Insbesondere die Achillesferse ist durch den hohen Anteil des Rückwärtslaufens (zehn Prozent der Laufleistung) stark beansprucht. Fast die Hälfte der 115 von Jakob untersuchten Schiedsrichter hatten Probleme mit den Muskeln in der Ferse. 21 berichteten über Kniebeschwerden, 19 über Rückenprobleme. "Wer ein Spiel mit 80 Prozent der körperlichen Belastbarkeit leisten muss, an dem geht das nicht ohne Folgen vorüber", sagt der Sportmediziner. Bei der WM vermutlich noch intensiver.
FOTOS: Stefan Schwenke | ||||
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