Ab dem 1. April werden Webradios richtig teuer, wenn die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) bei ihren Forderungen bleibt. Und einfach mehrere Titel von einem Interpreten hintereinander spielen – lieber nicht. Sonst ist das Webradio ganz schnell raus aus der großen weiten Welt des Internet.
Martin Kazmirzack aus Iserlohn liebt sein Webradio. Funkyfreshtunes heißt es und Kazmirzack zahlt bislang ungefähr 25 Euro pro Monat an die GVL und die Gema. Er ist Mitglied im Radioring, einem Zusammenschluss von Webradios, der eine Sammelgebühr an GVL und Gema entrichtet. So muss nicht jedes noch so kleine Webradio die vollen Gebühren bezahlen. Zu den 25 Euro kommen für Kazmirzack noch 15 Euro für den Musikprovider, der Funkyfreshtunes an eine Hand voll Hörer verbreitet. "Ich möchte ein paar Menschen meine Musik, eben andere Musik nahe bringen – jenseits des ganzen Kommerzes auf VIVA und MTV." Die hat der 35-jährige DJ längst aus seiner Fernsehsenderliste gestrichen. Er freut sich deshalb umso mehr, wenn ein Hörer ins Gästebuch schreibt, dass ihm Funkyfreshtunes gefällt.
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Funkyfreshtunes - bald offline? |
Titel + Hörer = viel Geld für die GVL
Jetzt will die GVL ihr Lizenzbedingungen ändern: Die Webradios bezahlen dann nicht mehr nach Sendestunden, sondern nach gespielten Titeln und Hörerzahl. Funkyfreshtunes würde damit unbezahlbar – obwohl es nur wenige Hörer hat. Grob überschlagen würden ab dem 1. April 2005 rund 300 Euro pro Monat für Kazmirzack fällig. "Dann wäre Feierabend. Nicht nur für mich, sondern für alle kleinen Webradios bis auf ein paar große kommerzielle Anbieter ."
Die 300 Euro monatlich sind aber noch lange nicht alles. Hinzu kommen Gebühren für jedes Lied, das in der Sendedatenbank bereit liegt. Plötzlich taucht eine Verwaltungskostenpauschale auf: einmalig 375 Euro für nicht-kommerzielle Webradios wie Funkyfreshtunes eines ist. Außerdem müssen die Betreiber der Webradios ihre Hörer aufgeschlüsselt nach Ländern melden. Und wenn Hörer aus anderen Ländern dabei sind – was im Internet durchaus vorkommen mag – muss eine internationale Lizenz her. Oder aber der Webradio-Macher sorgt dafür, dass alles brav in Deutschland bleibt.
Eingriff in die Sendeautonomie
Die GVL ist in diesem Spiel nur der verlängerte Arm der Plattenindustrie. Die Musiklabels gehen davon aus, dass Webradios ihr CD-Geschäft ruinieren. Der Gedanke: Die Hörer finden bei den Webradios die Musik ihrer Lieblingsband, schneiden sie mit und kaufen sich die CD nicht mehr. Also verbietet die GVL ab dem 1. April schlicht, dass ein Webradio mehr als drei Titel von einem Album innerhalb von drei Stunden spielt. "Das ist die größte Frechheit, das ist ein Eingriff in die Medien", sagt Martin Karmirzack. Natürlich gebe es auch schwarze Schafe unter den Webradios, die beispielsweise ihre Titel einfach als Datei an Hörer verschicken. "Aber der allergrößte Teil der Webradio-Macher will, dass die Künstler ihr Geld bekommen."
Der Protest geht bis zum Deutschen Bundestag: Viele Webradios haben gemeinsam eine Petition bei der SPD-Bundestagsfraktion eingereicht. Auch beim Deutschen Patentamt, das für die Aufsicht über die GVL zuständig ist, haben sie sich beschwert,. Im Februar gibt es ein Gespräch der Webradios mit der GVL in Berlin. Martin Kazmirzack hofft, dass die GVL dabei einsieht, dass ihre Pläne wenig weitsichtig sind. "Sonst wandere ich einfach nach Panama aus, also in irgendein Land, wo es keine GVL gibt." Und wenn die Änderungen tatsächlich kommen, wird Kazmirzack wohl nicht der einzige Auswanderer bleiben.
Bilder: funkyfreshtunes