(do1)Vor 20 Jahren wurde Gotthard Kindler plötzlich Rentner, als seine Dortmunder Zeche geschlossen wurde, und suchte nach einer Freizeitbeschäftigung. Er widmete sich dem Sammeln von Autozeitschriften bzw. dem Kaufen und Verkaufen derselben. Bis heute fährt er mit über 3000 Heften im Gepäck kreuz und quer durch die Republik.
"Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen. Da gab es aber nach dem Krieg keine Arbeit. Wäre ich nicht nach Dortmund gekommen, um dort als Bergmann zu arbeiten, hätte ich mir gar eine Autozeitschriften leisten können", schmunzelt Gotthard Kindler über den Anfang seiner Sammelleidenschaft. Damals galt sein erster Blick nach dem Feierabend - noch vor dem Essen - stets den neuesten Ausgaben der Automagazine. Zu den Geburtstagen wurde er von seiner Frau mit zusätzlichen Heften versorgt.
Mit der Rente kam das neue Hobby
Die Zentralhallen in Hamm, Oldtimermarkt. Hinter seinem Verkaufsstand erinnert sich Kindler, wie alles angefangen hat. Weil er viel Zeit, aber wenig Geld hatte, kam dem Rentner die Idee, alte Autozeitschriften auf Oldtimertreffen zu verkaufen.

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Interessierte am Stand. |
"So konnte ich mir ein bisschen dazu verdienen und die Reisen in meinem alten VW-Bus finanzieren." Mit besagtem Bus besucht er mittlerweile seit 19 Jahren Oldtimertreffen in ganz Deutschland. Bis zu sieben Mal im Jahr packt er rund 3000 Exemplare zusammen, um seine seltenen Schätze zu präsentieren. Insgesamt hat er so in den letzten zwanzig Jahren über 1,5 Millionen Kilometer zurückgelegt und - das erwähnt er nicht ohne Stolz - ist dabei unfallfrei geblieben.
Oldtimermärkte als zweite Heimat
Die Sammlung wurde größer und größer. Nicht nur, weil Kindler die aktuellen Ausgaben der diversen Automagazine kaufte, sondern auch, da ihm von anderen Sammlern Bestände überlassen wurden. Inzwischen hat er sich einen Annahmestopp verhängt. Die prall gefüllten Kartons nehmen zwei ganze Räume in seinem Haus ein. "Früher habe ich die Zeitschriften auf dem Tisch ausgelegt, aber mittlerweile lasse ich sie in den Kartons, um sie zu schonen." Falls er ein bestimmtes Heft sucht, findet er es per Tabelle ohnehin in Minutenschnelle durch ein besonderes Aufbewahrungssystem.

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Autozeitschrift aus vergangenen Tagen. |
Außerdem will sich der 70-Jährige langsam vom Großteil seines Antiquariats für Autofans trennen. "Die wertvollsten und ältesten Exemplare behalte ich natürlich. Die vererbe ich meinen Enkeln", so Kindler. Sein Lieblingsheft nimmt auf der Stellwand seines Standes einen Ehrenplatz ein. Es ist das allererste Exemplar von "Auto, Motor und Sport" vom Dezember 1946. "Wenn ich kann, mache ich auch im nächsten Sommer weiter", hofft er - und wenn man ihm so zuhört, vermag man sich kaum vorzustellen, dass er irgendwann nicht mehr auf den Automärkten zwischen seinen Heften steht.
FOTOS: Paulina Henkel