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"Was bedeutet eigentlich 'Borussia'?"

Das Fan-Projekt Dortmund e. V. von außen betrachtet.

Die Fußball-WM 2006 lässt grüßen: Wer das Fan-Projekt Dortmund e. V. in der Dudenstraße / Ecke Hohestraße besucht, den erwarten auf dem Bürgersteig vor den Büroräumlichkeiten drei bunte, mit Rosen bestückte Blumentöpfe, die den Nationen Japan, Trinidad-Tobago und Brasilien gewidmet sind - Ländern also, die vor nicht allzu langer Zeit noch mehr oder minder erfolgreich im Stadion des BVB 09 zu Gast waren.

 

Nichtsdestoweniger ist mittlerweile die neue Fußballbundesliga-Saison angebrochen; aus dem "FIFA-WM-Stadion Dortmund" ist wieder der "Signal-Iduna-Park" geworden, Christoph Metzelder hat sich längstens den Bart abrasiert, und am Wochenende steht eine Auswärtspartie bei Borussia Mönchengladbach auf dem Programm. Für Jelka Röper, die als Diplom-Sozialpädagogin beim Fan-Projekt beschäftigt ist, heißt dies unter anderem, dass Vorbereitungen getroffen werden müssen, die im direkten Zusammhang mit dem besagten Gastspiel des BVB stehen.

 

Ein Quiz für den schwarz-gelben Nachwuchs

 

Zu den Angeboten, die das Fan-Projekt offeriert, gehören ausgewählte Bustouren - in diesem Fall für die ganz jungen, unter 16 Jahre alten Borussenfans, kurz "U 16" genannt. Die wollen während der Fahrt an den Niederrhein ein wenig unterhalten werden, weshalb Jelka ein Quiz zusammenstellt, das dazu dienen soll, den Fußballsachverstand des schwarz-gelben Nachwuchses zu testen.

 

Zwischen den WM-Blumen: Jelka Röper.

Passend zur anstehenden Begegnung lautet die erste Frage, was denn eigentlich überhaupt "Borussia" bedeute - mögliche Antworten:

 

- Erster alles,

- Ballverliebt,

- Kraft,

- Freundschaft,

- Preußen,

- Hafen.

 

(Die korrekte Antwort befindet sich am Ende dieses Textes...)

 

Während sie am Computer sitzt, um das Quiz einzutippen, wird Jelka von ein paar Jungs umringt, die ihr bereitwillig weitere Fragen und Antworten vorschlagen - so zum Beispiel die Frage nach dem höchsten Sieg, den Gladbach je in der Bundesliga erzielen konnte, dem legendären 12:0 gegen Dortmund aus dem Jahre 1978.

 

Breites Spektrum

 

Abgesehen von der Organisation und Durchführung der "U 16"-Fahrten, engagiert sich Jelka vornehmlich als Vermittlerin zwischen Fans, Verein und Polizei. Das beinhaltet nicht zuletzt Beratungsgespräche, wenn der eine oder andere Fan Stadionverbot erhält. "Dann versuchen wir das mit den betreffenden Stellen zu klären", sagt sie. "Was schon mal bis zur Gerichtshilfe reichen kann, falls das gewollt wird."

 

Auf die Frage hin, ob sie selber ein Fußballfan sei, antwortet Jelka mit: "Eher nein. Zumindest nicht so sehr wie die Menschen, mit denen wir es hier zu tun haben. Trotzdem macht mir das sehr viel Spaß. Man kommt mit vielen, unterschiedlichen Leuten in Kontakt und lernt ein breites Spektrum der Gesellschaft kennen. Außerdem entwickelt man auf die Dauer gesehen schon eine gewisse Sympathie für die Fans und den Verein."

 

Im Fan-Laden: Borussen-Schals aus der
ganzen Republik.

Zwar könne sie sich, erklärt Jelka, bisweilen auch ein besseres Wochenendprogramm vorstellen, "als stundenlange Busfahrten zu machen. Andererseits, wenn ich dann im Stadion bin, fieber ich auch mit, klar."

 

Von den Anfängen

 

Neben Jelka arbeiten sechs weitere Vollzeit-Kräfte beim Fan-Projekt Dortmund, darunter Rolf-Arnd Marewski, der seit 1988, dem Gründungsjahr des e. V., dabei ist. "Damals", erinnert sich der 49-Jährige, "war das Fan-Projekt als Gegenpart zur 'Borussenfront' gedacht."

 

Hinter dem Namen der "Borussenfront" verbirgt sich der Zusammenschluß von Hooligans einerseits, und Rechtsextremisten andererseits, der im Laufe der 80er Jahre traurige Berühmtheit erlangte, da die Front-Mitglieder als ganz besonders gewaltbereit galten. Ähnlich wie das Gewaltproblem in den Stadien allgemein rückläufig ist, ist inzwischen aber auch die Bedeutung der "Borussenfront" verblasst. "Existieren tut eigentlich nur noch der Name und der damit verbundene Mythos", erläutert Marewski. "Für unsere Arbeit stellt sie jedenfalls keine große Rolle mehr dar."

 

Statt sich in den Fußballstadien zu produzieren, verabreden sich die Hooligans mittlerweile lieber an Drittorten "irgendwo auf Feld, Wald und Wiese", so Marewski. Mit einem Schmunzeln nennt er das, was sich dort weitab von den Augen der Öffentlichkeit vollzieht, "Körperverletzung im gegenseitigen Einvernehmen", und daran ließe sich schlechterdings kaum etwas ändern.

 

Der Trend von heute

 

In den Vordergrund ist mehr die Arbeit mit den wahren Fußballfans gerückt, besonders mit Jugendlichen, denen Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung gegeben werden soll - zum Beispiel durch gemeinsame, regelmäßig stattfindende Sportaktivitäten. Die dazu gehörigen Finanzmittel erhält der Verein durch Zuschüsse des Landes NRW, der Stadt Dortmund, dem Deutschen Fussball Bund sowie der Dortmunder Energie und Wasser.

 

Von Beginn an dabei: Rolf-Arnd Marewski.

Zu seinen eigenen Kernaufgaben zählt Marewski "die Außendarstellung und Interessensvertretung der Fans, wenngleich das in letzter Zeit auch ein bisschen nachlässt. Der Trend ist ja eher, dass sich die Fans in- und außerhalb des Stadions selbst inszenieren." Als Indiz dafür erwähnt Marewski, dass die Fans kaum mehr danach fragen, bestimmte Spieler persönlich vorgestellt zu bekommen. "Früher war das anders. Früher musste ein Matthias Sammer hier erscheinen, um zu zeigen, ob er Schwielen in der Hand hat. Heute interessiert das keinen mehr."

 

Unterdessen ist Jelka soweit, das Quiz für die "U 16"-Fahrt auszudrucken - womit am Ende, wie angekündigt, die Frage geklärt wird: "Was bedeutet eigentlich 'Borussia'?" Die korrekte Antwort lautet: "Preußen."

 

 

FOTOS: Lars Schall

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Mehr zum Thema 

  Homepage des Fan-Projekts Dortmund e. V.  

 


VON LARS SCHALL

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