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Design oder nicht sein

Hier gehen geschliffene Designer raus.

Es ist ein Labyrinth der schönen Dinge, aber auch der lauten Bilder und drängenden Botschaften. Reizüberflutung in den Hallen des Fachbereichs für Design an der FH Dortmund. Gesprächsfetzen aus der Welt des künstlerischen Handwerks hängen in den Gängen. Da geht es um CIs, After Effects oder plotten, da werden Tipps ausgetauscht und manchmal zurückgehalten. Die Abschließenden feiern mit Sekt und Freunden ihre Arbeiten und ein bisschen auch sich selbst.

 

"Diplomschau" - das klingt wie Kurzwarenabteilung oder Badeanstalt. Das Gebäude des Fachbereichs Design am Max-Ophüls-Platz bietet mit seinem 50er-Jahre-Charme die ideale Kulisse: Mal ist sie krasser Kontrast zu klaren Linien oder bewegenden Bildern, mal untermalender Rahmen für Verspieltes.

 

Auf drei Etagen warten die Macher auf Interessierte, erklären geduldig Laien und Kommilitonen ihre Werke und hoffen vielleicht auch ein bisschen darauf, von einem Agenturbesitzer vom Fleck weg engagiert zu werden. "Das ist auf jeden Fall schon vorgekommen. Aber abgesehen davon ist die Diplomschau einfach eine tolle Gelegenheit, einer größeren Öffentlichkeit seine Arbeit zu zeigen - nicht wie die Prüfung im stillen Kämmerlein." Sandra Stallmeier hat es geschafft, und so strahlt sie auch, wenn sie jetzt vor ihrem Modell steht.

 

 

 Schlafen im Rasen - das "Mikrozimmer". 

"BeHerberger"

 

Die Raum- und Objektdesignerin hat ein ganzes Hotel im Zeichen des Fußballs entworfen: "Hotel Bender".

 

 Zur Zimmerführung.

 

Eigentlich gibt es Hotel Bender schon. Oder besser: gab. Und auch der Fußball war hier schon einmal lebendig. In den Jahren nach dem Krieg traf sich in dem Hotel in der Dortmunder Innenstadt die Mannschaft des BVB nach ihren Spielen - vom Verein ausgestattet mit einem Gutschein für ein Abendessen und ein Glas Bier.



Mehr zum Thema

Was ist das, Design? Herders Lexikon der Kunst sagt: "Es ist die Gestaltung von seriellen Produkten unter der Zielvorstellung, ästhetische und funktionelle Gesichtspunkte in möglichst idealer Weise zu vereinen."

 

Heute steht das Gebäude leer. "Ich bin oft vorbei gefahren und irgendwann dachte ich, es wäre eine gute Idee fürs Diplom, ein Hotel zu entwerfen", erinnert sich Stallmeier. Das Thema Fußball stand auch schnell: "Dortmund ist eben eine Fußballstadt."

 

Aber ist Dortmund auch eine Designstadt? Das ohne Einschränkung zu bejaen tun sich die diplomierten Designer schwer. Den meisten fallen da eher Düsseldorf oder Hamburg ein, aber: "Es tut sich was in Dortmund. Mittlerweile gibt es so was wie eine Designszene", erklärt Stallmeier.

 

Mehr über das Projekt "Heimatdesign".

 

 

A Place to Call Home

 

Gerade bei den Arbeiten der Fotodesigner scheinen die Grenzen zwischen Design, Kunst und Journalismus fließend. "Ich fand schon immer, dass man als Fotograf ein Thema braucht, das einen wirklich berührt und mit dem man sich immer wieder befassen möchte". Britta Radike ist eine zierliche, blonde Frau mit heller aber energischer Stimme. Ihr Thema hat sie in Afrika gefunden. "Ich stand in einem Raum mit zehn afrikanischen Frauen, die mich mit großen Augen erwartungsvoll ansahen und dachte: Ich kann Euch nicht helfen, ich bin doch nur eine Studentin." 

 

In ihrer Diplomarbeit fand sie dann doch einen Weg, sich einzusetzen - sie erzählt in ihren Fotos die Geschichten der Menschen, deren Schicksale selten einen Weg in die Weltöffentlichkeit finden. Die Flüchtlinge stammen aus

 

 Langer Weg ins Ungewisse.      Foto: Radike

dem Ogaden, einer Region, die offiziell zu Äthiopien gehört, in der aber fast ausschließlich somalische Stämme leben.

 

Mehr über die Hintergründe des Konflikts um den Ogaden und das Konzept von Britta Radike.

 

Zusammen mit einem befreundeten Kameramann und einem Übersetzer verfolgte Britta Radike acht Wochen lang die Spuren der Menschen aus dem Ogaden.

 

"Sie haben sich nicht als Rebellen vorgestellt"

 

Bei ihrer Recherche habe sie auch viel Glück gehabt: "Ich habe eine Regierungsgenehmigung bekommen, obwohl normalerweise keine Journalisten da rein dürfen. Ich habe immer mehr Leute kennengelernt, die gut fanden, was ich vorhatte und mich unterstützten. Es stellte sich raus, dass das Rebellen waren und auch deshalb alles so gut lief". Radike lacht, wenn sie daran denkt. Auf die Frage, ob sie denn nie Angst gehabt hätte: "Nein. Die Leute sind mir freundlich begegnet und es hat sich ja auch niemand vorgestellt mit "Hallo, ich bin ein Rebell"".

 

 Eine kleine Auswahl der Fotos von Britta Radike.

 

Ihre Fotos und die Interviews mit den Flüchtlingen hat Radike in zwei Büchern zusammengefasst. Bisher hat sie noch keinen Verlag dafür. "Ich versuche außerdem, meine Geschichten an Zeitschriften zu verkaufen", ergänzt Radike. Trotz der journalistischen Anmutung ihrer Arbeit sieht sie sich aber eindeutig als Fotodesignerin: "Es geht um Bildgestaltung. Jedes Bisschen wird in seine Ecke gerückt, Farben werden nicht dem Zufall überlassen - nichts in so einem Foto ist zufällig, alles ist Design".

 

Das bisschen Haushalt... oder: The Incredible Monstermilbe

 

Welche unterschiedlichen Designkompetenzen an der Fachhochschule Dortmund vermittelt werden, zeigen die zahlreichen Gemeinschaftsproduktionen wie zum Beispiel der Animationsfilm "Milbe".

 

 Milbenalarm bei der Morgentoilette.

Allein geht’s nämlich nicht immer. Gerade im Studiengang Kamera braucht der Regisseur meist auch Schauspieler, Maskenbildner und Setdesigner. Letztere studieren auch Design an der FH Dortmund. 

 

Sich mit anderen Profis zusammen tun - Jobtrainer nennen das "Schnittstellenkompetenz": Ich muss wissen, was ich gut kann und jemanden kennen, der das kann, was man selber nicht kann.

 

Also hat sich Regisseur Karl Tebbe für seine Idee die Objektdesigner Miriam Gröber und Frances "Kiko" Soeder ins Boot geholt. Zusammen haben sie Monster-Milben zum Leben erweckt und ganz Dortmund-Wambel in Schrecken versetzt.

 

 Vom Modell zur Monstermilbe - so gehts!

 

"Das Tolle am Kulissenbau ist, dass man ganz neue Welten erschaffen kann, und im Endeffekt ist alles nur Schein", schwärmt Miriam Gröber. Filmemacher neigten leider oft dazu, das Szenenbild und die damit verbundene Arbeit zu unterschätzen. Auch an der Fachhochschule gab es bisher nur wenige spezifische Angebot im Bereich Szenenbild. Das wird sich mit der Umstellung auf Bachelor und Master zum kommenden Wintersemester ändern. Dann gibt es sogar einen Masterstudiengang in Szenografie.

 

Designierte Selberdesigner

 

So kreativ und frei arbeiten wie während des Diploms - das wünschen sich die meisten Absolventen. Folglich ist das große Ziel die Selbstständikeit. Dass der Weg meist über Werbeagenturen und Auftragsarbeiten führt, nehmen sie in Kauf. Designerinnen wie die Grafikerin Julia Wortmann sind davon überzeugt, dass sie für die Reise bestens ausgestattet sind:  "Das Studium ist ein Koffer mit Handwerkszeug, der einem an die Hand gegeben wird. Und die Kreativität bringt man schon mit."

 

 

FOTOS: Voglreiter

VON SANDRA VOGLREITER

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