| Birgit Prinz in die Männer-Liga? "Das ist Quatsch!" | ||
Seit Jahren Weltspitze, seit Jahren von den Medien wie eine Randsportart behandelt. Das war einmal. Deutscher Frauen-Fußball läuft seit Oktober zur besten Fernseh-Sendezeit. Seit dieser 98. Spielminute in der kalifornischen Mittagshitze. Nia Künzers Kopfball-Tor zum 2:1 beendete das WM-Finale gegen Schweden. Deutschland ist Weltmeister!
Seitdem herrscht ein riesiger Medienrummel rund um die deutschen Fußball-Damen. Vom Randthema zum Topp-Thema, von der Kurzmeldung zum Aufmacher. Jetzt der Höhepunkt: Birgit Prinz, zur besten Spielerin der Weltmeisterschaft in den USA gewählt, stehe vor einem Wechsel in die italienische Serie A, melden italienische Sportzeitungen. In die 1. Männer- Liga wohlgemerkt. "Ja, wird haben verhandelt", zitiert die "Bild"-Zeitung Birgit Prinz. Der AC Perugia biete der Stürmerin 100.000 Euro Gehalt.
"Das ist Quatsch!", sagt Tina Theune-Meyer. Die Bundestrainerin war mit der U21-Nationalelf zum Lehrgang in der Sportschule Kaiserau, kurz vor den Stadtgrenzen Dortmunds. Dort stand Theune-Meyer der donews-Redaktion für ein kurzes Interview zur Vefügung.
Frau Theune-Meyer, was ist dran, an den Wechselgerüchten von Birgit Prinz? "Ich hoffe, dass die FIFA da einen Riegel vorschiebt. Das ist Quatsch. Die Spielerin dient nur als PR-Gag. Die wird nicht spielen, weil sie da gar nicht mithalten kann. Und ob das sinnvoll ist, um sich auf Olympia vorzubereiten, ist auch die Frage."
Würde ihr ein Wechsel in die Männer-Liga überhaupt etwas bringen? "Es bringt ihr insofern etwas, dass es ihr Geld bringt. Wer würde das nicht machen?"
Ist diese neue Medien-Präsenz Ihrer Spielerinnen förderlich? Nicht nur Birgit Prinz ist ein Thema: Nia Künzers schwere Knie-Verletzung wird von allen Medien aufgegriffen, Bettina Wiegmann wurde zur NRW-Sportlerin des Jahres gewählt ... "... das ist klasse. Die Ariane Hingst wurde in Brandenburg gewählt. Und die Bambi-Verleihung fand ich auch eine schöne Sache. Weil es einfach aussagt, dass wir präsent waren in den Medien, das kam gut an. Und jetzt haben wir gute Chancen, Mannschaft des Jahres zu werden."
"Das ist klasse." Die Bundestrainerin freut sich über die Auszeichnungen für ihre Spielerinnen.
Also nervt der Trubel um im Nationalelf noch nicht? "Das ist schon was Anderes, aber es behindert nicht. Wir waren ja jetzt in Reutlingen, da war nach der Weltmeisterschaft unser erstes Spiel vor eigenem Publikum, da waren teilweise 800 Zuschauer beim Training. Da mussten wir, weil der Trainingsplatz relativ eng und klein war, einen kleinen Ordnungsdienst organisieren. Und beim Training im Stadion, das war super gut besucht. Das Stadion war schon voll, als wir mit dem Bus ankamen. Ich denke, dass da jetzt mehr Geschichten und Trubel drum herum sind. Ich hoffe das bleibt auch so. So lange es um den Sport geht."
Glauben Sie, dass nach dem Weltmeistertitel und durch die größere Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit jetzt auch die Ansprüche größer werden? "Die Ansprüche waren immer da, aber die kommen von uns. Und wir wollen immer Top-Leistung bringen. Der Druck von außen ist bei uns nicht spürbar."
Das nächste Ziel heißt Olympia 2004 in Athen. Jetzt waren Sie mit der U21-Auswahl im Trainingslager in der Sportschule Kaiserau. Gibt es junge Spielerinnen, die auf dem Sprung in die Damen-Elf stehen?" Das Problem ist, dass der Sprung in die Frauen-Mannschaft mittlerweile doch sehr groß ist. In den Vereinen wird drei bis vier Mal die Woche trainiert. Und die Mädchen machen ihr Abitur, die machen ihre Ausbildung, da gibt es ganz wenige Lücken für die Spielerinnen, dass sie da viel Zeit in Training investieren können. Also müssen sie sich jetzt im Klaren sein: Investiere ich, strecke ich meine Ausbildung, schiebe ich mein Studium? Und wir versuchen, hier Möglichkeiten aufzuzeigen. Aber der Sprung ist eben sehr groß, weil es eine Zeitfrage ist."
Was geben Sie den Mädchen denn für Tipps mit auf den Weg? "Wir geben Informationen an die Spielerinnen weiter. Das ist eine Schulung, wie die Spielerinnen das Training gestalten können, welche Übungen sinnvoll sind. Der Hintergrund ist, dass der Frauenfußball international mittlerweile ein Hochleistungssport ist. Dass man athletisch durchgebildet sein muss und insbesondere auch die Schnelligkeit trainiert."
Wie weit sind die deutschen Talente in dieser Hinsicht? Die Spielerinnen, die wir hier eingeladen haben, das sind die besten Nachwuchsspielerinnen. Einige, die bei Silvia Neid U19-Europameister geworden und die U 21-Spielerinnen. Ende Januar steht noch ein Lehrgang an, verbunden mit dem Rückspiel gegen Portugal, da werden wir 24 Spielerinnen mitnehmen. Einfach um zu gucken, wen können wir noch brauchen für Athen."
Krafttraining in Kaiserau: Tina Theune-Meyer mit den deutschen Junioren-Nationalspielerinnen.
Bei den Männern ist man ja auch auf der Suche nach diesen Nachwuchs-Hoffnungen. Vor allem für die Weltmeisterschaft 2006. Wie weit ist die Talentförderung im Mädchenbereich? "Die ist identisch mit den Jungs. Erst einmal gibt es das DFB-Talentförderkonzept, da sind die Mädchen mit eingebunden, da existieren mittlerweile Stützpunkte. Wir haben 4.000 Stützpunkt-Trainer, die jeweils für sechs bis zehn Vereine verantwortlich sind. Also wird da auch kein Mädchen entkommen."
In Dortmund haben wir beispielsweise knapp 20 Damen-Mannschaften in Bezirks- und Kreisligen. Greift diese Talentsichtung denn auch auf diesen untersten Ebenen? "Die Mädchen werden integriert in die genannten Stützpunkte, was aber erst anläuft. Das ist ein Punkt, wo wir wirklich noch am Anfang stehen, was die Trainer erst kapieren müssen und die Verbände, dass es für Mädchen und Jungs gleichermaßen gilt. Die meisten Mädchen, die wir in diesen Stützpunkten haben, sind 13 bis 15 Jahre alt. Aber nicht da, wo es anfangen sollte, so ab zehn 10. Da müssen wir jetzt gucken, dass wir mindestens mal 800 Mädchen in die Stützpunkte kriegen."
Wie hoch sind für die talentierten Mädchen dann die Chancen, irgendwann einmal hochklassig zu spielen? "Was die Erfahrung der letzten Jahre angeht, werden die Talente auch sehr schnell in die Mannschaften integriert. Sie spielen sehr schnell in der Bundesliga, bekommen Spielpraxis, was bei den Männern ja nicht unbedingt der Fall ist."
Besteht bei den Damen nicht die Gefahr wie bei den Herren, dass die großen Vereine wie Frankfurt, Potsdam oder Duisburg die Talente in ihren Jugend-Mannschaften sammeln, ohne dass sie Chancen auf Einsätze in der ersten Mannschaft haben? "Manche Vereine kamen das kapiert. Was wir verhindern wollen, ist, dass die alle Talente sammeln, was auch nicht gut für den Frauenfußball wäre. Sie sollen sondern ganz gezielt arbeiten, mit einer begrenzten Anzahl an Talenten."
Vielen Dank für das Gespräch!
Mehr Informationen zur Karriere von Tina Theune-Meyer lesen Sie hier. Fotos: Michael Schlösser | ||
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