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Jazz - Dortmunds Szene

Jam-Session im domicil

(InDOpendent) Jazz ist ... vielseitig. Dasselbe gilt auch für die Meinungen zur Dortmunder Szene. „Sie ist sicherlich neben Köln die beste Szene in NRW“, sagt Uwe Plath. Jochen Schrumpf sieht es anders: Keine Spielmöglichkeiten, keine Künstler, keine Szene. Beide sind Musiker und Dozenten der Glen Buschmann Jazzakademie an der Dortmunder Musikschule.

 

Fakt ist: Dortmund hat eine Szene. Und die Stadt hat Jazz-Geschichte. Uta C. Schmidt und Richard Ortmann, die Autoren von „Jazz in Dortmund“, sehen die Wurzeln schon Ende des 19. Jahrhunderts. Richtig los ging es dann in den Vierzigern mit der Gründung des Hot Clubs.

 

Dortmunds Szene - von der Stadt unterstützt

 

Heute gehören in Dortmund das Jatz und das domicil zu den dominierenden Clubs. Jeden Montag treffen sich im Jatz Musiker zur Session, an einigen Wochenenden laufen dort Konzerte. Das domicil stützt sich auf städtische Subventionen und bietet ein größeres musikalisches Angebot. Die Mittwochssessions bestechen besonders durch ihren experimentellen Charakter. Teils mit elektronischen, teils mit „World Music“-Elementen. An den Wochenenden finden sich dann regelmäßig internationale Künstler zu Konzerten ein.

 

Was die Jazz-Ausbildung angeht, so ist sie in den letzten Jahren immer besser geworden, meint Wilfried Raschke vom Institut für Musik der Uni Dortmund. Neben Jazz an der Uni als Schwerpunkt für Musikstudenten liegt das besonders an der international renommierten Jazzakademie. Viele Jugendliche versuchen Schüler an der Glen Buschmann-Akademie zu werden. Wer einen guten Einstellungstest ablegt, kann das schon mit 15 schaffen. Jochen Schrumpf sieht den Grund für das Interesse der Jugend mit geteilter Freude im derzeitigen „Pop-Stars Boom“. Die Jazz-Ausbildung sei nämlich besonders für angehende Berufsmusiker wichtig. „Wer Jazz spielen kann, kann im Endeffekt alles spielen“, sagt Schrumpf.

 

 

 Clubbige Atmosphäre beim Live-Jazz

Verschiedene Meinungen

 

Je größer allerdings die Szene, desto mehr Standpunkte und Blickwinkel gibt es. Für den domicil-Vorstand ist die „handgemachte Musik“ wieder im Kommen. Musiker Schrumpf empfindet dagegen die Zukunft der Dortmunder Jazzkultur als desolat. Es herrsche wenig Interesse. Schrumpf müsse mittlerweile in viermal mehr Combos spielen, um die gleiche Anzahl von Konzerten zu schaffen wie vor zehn Jahren.

 

Das Publikum habe sich einfach geändert. Dem Nachwuchs fehle es an Neugierde über den Mainstream oder den Tellerrand der eigenen Richtung hinauszuschauen, meint Schrumpf. Und da man bei Jazz auch immer erst an Free-Jazz, Dixieland oder alte Menschen denke, seien die Berührungsängste der Jugend gegenüber der Szene groß. Anderer Ansicht ist da wiederum Uwe Plath: Er bemerkt viele junge Leute mit großem Interesse. „Substanz existiert - nur kein Angebot.“ Das trifft seiner Meinung sowohl auf die Konzertmöglichkeiten als auch auf die Förderung zu.

 

Schwierige Nachwuchsförderung

 

Denn auch zur richtigen Förderung des Nachwuchses laufen in Dortmund die Meinungen konträr. Es werde am Nachwuchs vorbei gefördert, sagen die einen – Interesse für Jazz-Musik müsse schon früh an den Schulen geweckt werden, fordern andere. Das Problem ist jedoch das Geld. Die Förderung der lokalen Szene läuft über ProJazz, dessen Etat letztes Jahr bei 18.000 Euro lag. Das kann nicht jedem gerecht werden. Guido Schlösser von ProJazz sagt: „Es ist eine schwierige Szene. Jeder schimpft auf den, der Geld bekommt.“

 

Die Jazz-Szene ist eine Szene voller Individualisten. Doch trotz aller Meinungsverschiedenheiten treffen sich auch die größten Kritiker am Ende wieder in den Clubs, hören ihre Musik und trinken gemeinsam ein Bier. Um Plath das letzte Wort zu geben: „Jazz ist ... zusammenleben können.“

VON BASTIAN SCHLANGE

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