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Zündstoff Studiengebühren

Rektor Becker spricht lieber von "Studienbeiträgen".

(InDOpendent) Sie kommen - die Studiengebühren. An der FH sind sie bereits beschlossen, an der Uni fällt die Entscheidung am 13. Juli. InDOpendent und eldoradio wollten Standpunkte hören und luden deshalb zum Gespräch ein. Zur Podiumdiskussion im Rahmen des Campusfestes kamen Befürworter und Gegner.

 

Am allermeisten erregte die Gemüter die Frage, ob Studiengebühren sozialverträglich gestaltet werden. AStA-Referent und Mitglied der Liste gegen Studiengebühren Lars Phillip kritisierte, dass jemand, der sich die Studiengebühren nicht leisten könne, ein Darlehen aufnehmen und dies am Ende natürlich plus Zinsen zurückbezahlen müsse. "Wer die Studiengebühren bar bezahlen kann, ist im Vorteil. Denn der trägt später die geringere Schuld. Es ist wie immer: Der Ärmere zahlt drauf." Daniela Schneckenburger, Parteivorsitzende der Grünen in NRW, schloss sich ohne Zögern an: "Das Darlehen ist eine ernorme Hürde - nicht nur in finanzieller Hinsicht. Viele Studierende haben auch ein inneres psychologisches Problem damit. Und außerdem ist die Einführung der Studiengebühren noch nicht sicher. Wir prüfen gerade, ob Studiengebühren überhaupt verfassungsrechtlich unbedenklich sind."

 

 

Gegen Gebühren: Daniela
Schnekenburger, Lars Phillip. 

Der Prorektor Prof. Wolfram Richter war dagegen vollkommen anderer Meinung: Er machte auf die Herkunft vieler Studierender aufmerksam. Er verwies auf Zahlen, die besagen, dass nur zehn Prozent der Studierenden aus einem Arbeitnehmer-Elternhaus kämen. Seine Position war eindeutig: "Die Studiengebührenfreiheit ist eine versteckte Subvention des Mittelstandes." Die Arbeitnehmer, auch Niedrigverdiener, finanzierten mit ihren Steuern das Hochschulsystem, dabei nutzten ihre Kinder es kaum. Pro Studienjahr steige das Einkommen eines Menschen um sieben bis acht Prozent, so Richter. "Es ist eine Investition, die sich lohnt. Und diese Kosten werden sozialisiert. Das kann ich nicht gerecht finden. Und deswegen kann ich dieses ganze Geschwätz um Chancengleichheit nicht nachvollziehen", lauteten seine harten Worte.

 

"Studiengebühren sind eine Hürde"

 

Das konnte Daniela Schneckenburger so nicht stehen lassen: "Also, Herr Richter ich weiß nicht, ob das Wort "Geschwätz" zum guten akademischen Ton gehört. Es ist aber so, dass die ganze Gesellschaft von guter Bildung profitiert. Wir haben bald keine Niedriglöhne mehr zu vergeben, deshalb müssen wir gut ausgebildet sein. Die ganze Gesellschaft muss begreifen, dass der Bildungsbereich einen wesentlich höheren Anteil an den Ausgaben eines Staates haben muss." Und dann fügte sie hinzu: "Ich habe als Gesamtschullehrerin oft Mühe, meine Schüler und Schülerinnen zu überreden, zu studieren. Vor allem, wenn sie aus einem bildungsfernen Milieu stammen. Der Einkommensverlust über Jahre ist schon eine Hürde - auch für viele Eltern. Studiengebühren, Darlehen und Zinsrückzahlungen stellen da nur eine weitere Hürde dar."

 

AStA-Referent Lars Phillip zieht kritische Bilanz der Diskussion.

 

Wofür werden die eingenommenen Studiengebühren ausgegeben? Diese Frage konnte natürlich der Uni-Rektor Prof. Eberhard Becker, der die Studiengebühren lieber "Studienbeiträge" nennt, am besten beantworten. So rechnete er dem Podium vor: Die Universität wird im Jahr bis zu 20 Mio. Euro mehr einnehmen. Das sind rund zehn Prozent des kompletten Haushalts. Davon würden 25 Prozent, das sind rund fpnf Mio. Euro, in den Ausfallfonds der NRW-Bank einbezahlt, falls Studierende ihr Darlehen nicht zurückzahlen könnten. Weitere zwei Mio. Euro müssten für den zusätzlichen Verwaltungsaufwand eingeplant werden. Übrig blieben dann 12 bis 13 Mio. Euro zur freien Verfügung der Universität. Herr Becker erklärte: "Noch nie haben die Universitäten so viele frei verfügbare Mittel gehabt. Noch nicht einmal im Ansatz."

 

 

Gebührenanhänger: Wolfram
Richter, Kirsten Kumpf.

Und mit diesen Mitteln hat Herr Becker auch Einiges vor: Neben einem Fonds für Studierende sozial benachteiligter Schichten, durch welchen ihre Studiengebühren finanziert werden sollen, seien Investitionen in mehr Lehrpersonal, in eine längere Verfügbarkeit der Bibliotheken, besseren Studierendenservice und, und, und geplant. Zum Thema "intensivere Betreuung" konnte Kirsten Kumpf vom Institut für Amerikanistik von ihren Erfahrungen berichten: "In den USA werden die Studierenden ziemlich an die Hand genommen. Da sind sehr viele Leute, die helfen. Aber ich weiß nicht, ob das unbedingt so wichtig ist."

 

AStA fordert Ausnahmen

 

Sollten am 13. Juli im Senat Studiengebühren für die Uni Dortmund beschlossen werden, kommt auch der Studierendenvertretung, dem AStA, eine wichtige Rolle zu. Im Namen des AStA stellte Lars klare Forderungen an den Rektor: "Wir wollen so viele Ausnahmen und Befreiungsmöglichkeiten von den Studiengebühren rausholen wie eben möglich. Und wir wollen mitbestimmen, wo wie viel Geld hin fließt." Er betonte: "Studiengebühren müssen sehr transparent gestaltet werden." An dieser Stelle ist Eberhard Becker, wie er betonte, "absolut d'accord mit dem AStA".

 

"Schön, dass der Rektor bereit war zu reden", sagt dieser Student.

 

Ganz anders Prorektor Wolfram Richter: Er kann sich mit dem Gedanken an Mitbestimmung seitens der Studierenden nicht wirklich anfreunden. Er sagte: "Wenn wir eine Mitsprache einführen, dann werden Verantwortlichkeiten vermengt. Und ich wünsche mir klare Verantwortlichkeiten." Daraufhin relativierte auch Herr Becker seine Aussage: "Es ist ja so: Die Mittelverteilung macht das Rektorat. Das ist Gesetzeslage. Aber bei der grundsätzlichen Mittelverteilung - da wird es bestimmt eine Mitbestimmung geben."

 

Studierende als Kunden oder doch nicht? Lesen Sie dazu einen Kommentar von InDOpendent-Mitarbeiterin Lana Stille:

 

FOTOS: Sebastian Brunt

AUDIOFILES: Katalin Vales

 

 

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  Mehr zur Studiengebührenentscheidung am 13.07.  

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VON AGNES ABSALON

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