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Mission Brückstraße

Frisch und einladend: Das Brückstraßenviertel heute.

(InDOpendent) Viele Jahre mieden die Dortmunder das Brückstraßenviertel. Heute gehen sie hin, um sich zu amüsieren. Das ist der Verdienst des Vereins 'Quartiermarketing Brückstraßenviertel'. Dort engagieren sich seit 1995 Eigentümer, private Investoren und die Stadt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

 

"Egal was man brauchte - Haschisch, Nutten oder Heroin - man kriegte es auf der Platte", erinnert sich Hotelier Sepp Pichler. Wenn er von der 'Platte' spricht, dann meint der 74-Jährige den Platz von Leeds im Brückstraßenviertel, gegenüber der Reinoldikirche. Dort tummelte sich in den 80er Jahren die offene Drogenszene. Obwohl das Viertel zum Sperrbezirk zählt, verkauften sich Prostituierte in sechs Bordellen oder auf dem Straßenstrich. Mitten in dieser Szene betrieb Pichler seit 1973 sein Hotel 'Carlton'.

 

Noch in den 70er Jahren war das Viertel begehrtes Einkaufsziel. Später standen für den agilen Mann Schlägereien, Einbrüche und Drohungen auf der Tagesordnung. "Wir haben immer wieder was gegen die Halbwelt unternommen. Manchmal wurden wir  deswegen sogar bedroht", sagt Pichler und handelte: Aus den Hotelzimmern filmte er die Dealer bei der Arbeit. Anschließend übergab er die Beweise der Polizei. "Einer drohte mir mal, mir die Kehle durchzuschneiden. Ein anderer meinte, er würde meine Kinder ins Visier nehmen", sagt Pichler. Angegriffen wurde die Familie trotz der Drohungen jedoch nicht.

 

Verein zur Erneuerung des Viertels

 

 

Das Brückstraßenviertel früher: Schmutzige Fassaden, aufgerissener Asphalt.

Seit 1995 engagierte sich Pichler im Verein 'Quartiermarketing Brückstraßenviertel'. Darin arbeiten die Eigentümer, private Investoren und die Stadt für das Viertel zwischen Hansastraße und Kuckelke. Die Bemühungen des Vereins haben sich gelohnt. Heute lebt das Viertel von junger Gastronomie und flotten Geschäften. Projektkosten: 6,8 Millionen Euro vom Bund, dem Land NRW und der Stadt Dortmund. Privatiers investierten geschätzte 76 Millionen Euro. Um die Arbeit zu würdigen, überreichte im Januar diesen Jahres der 'City Ring', die Vereinigung der innerstädtischen Kaufleute, den gleichnamigen Preis an Vertreter des Vereins.

 

Im Brückstraßenviertel wird aufgeräumt

 

Zunächst planten Eigentümer und die Stadt Dortmund Bordelle, Drogenhändler und schlecht geführte Imbissbuden zu verdrängen. "Als ich meine Arbeit begann, gab es neben den Halbweltmilieus 17 Dönerbuden. Der Preiskrieg ging auf Kosten der Qualität", sagt Stadtplaner Ulrich Dreiskämper. Daher sparten die Budenbesitzer an Kühlung und Mülltonnen und so türmten sich die Abfälle in den Straßen. Nach strengen Lebensmittelkontrollen wurden die verwahrlosten Buden ersetzt. Und EDGar fegte in gelber Latzhose die Straßen sauber. EDGar, das Maskottchen der Entsorgung Dortmund GmbH (EDG), reinigte unter dem Motto 'Brückstraßenviertel - mein Revier' verstärkt den Stadtteil.

 

 

 Umfrage von 1994: Desolate Ergebnisse.

Gegen die kriminelle Szene gingen Polizei und Privateigentümer vor. Prostituierte und Dealer verschwanden. Vier der Bordelle mussten schließen, weil die Eigentümer den Mietvertrag kündigten. "Gerade am Anfang war es wichtig die Eigentümer zu motivieren, denn zunächst machten sie Verlust. Ein Zuhälter konnte schließlich mehr Miete zahlen", sagt Dreiskämper. Gelöst ist das Problem damit natürlich nicht, aber aus der Innenstadt verdrängt.

 

Die Umbauarbeiten

 

Ab 1999 siedelten sich Bars, Cafés, Restaurants und Geschäfte im Viertel an. Dann begannen die Umbauarbeiten: Neuer Asphalt verdeckte die Schlaglöcher und Künstler gestalteten die Häuserfassaden. "2000  kam die große Motivation: Das Konzerthaus sollte ins Viertel. So konnte man auf neue Kundschaft hoffen", sagt Dreiskämper. Zwei Wochen bevor das Konzerthaus 2002 eröffnete, empfing das Café 'Chill'R' erste Gäste. "Unser Café spiegelt die Vielfalt des Viertels wider. Auch wir haben für jeden Geschmack was dabei: Konzertbesucher, Studenten oder Künstler kommen zu uns", sagt Patrica Scholz, eine der Inhaberinnen. Die Dortmunderin ist überzeugt: "Vor der Umgestaltung hätte das Chill’R hier nicht überlebt."

 

Fotos: Benito Barajas

Statistik: Stadt Dortmund

 

VON CAROLINE LINDEKAMP

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