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Gut entwickelt - gut geschossen

Marco Wickrath entwickelt die Spiel-Strategie der Roboter.

"Oranje" gegen deutsches "Weiß" - ein perfektes Eröffnungsspiel wäre das, wenn Holland und Deutschland im März tatsächlich in eine Gruppe gelost würden. Was deutschen Fußballfans für die FIFA-WM 2006 verwehrt geblieben ist, kann jedoch noch möglich werden: Bei der Fußball-WM der Roboter - dem "Robo-Soccer-World-Cup", der am 30. Juni in den Dortmunder Westfalenhallen eröffnet wird.

 

"Wir müssen Weltmeister werden!" Marco Wickrath ist ehrgeizig. Er und die "Dortmund Droids", das einzige deutsche Team bei der Roboter-WM, wollen mit aller Macht ins Finale. 2002 bei der WM in Wien hat's schon mal geklappt, auch wenn es dann nur "Silber" wurde.

 

Marco Wickrath liebt Roboter-Fußball vor allem aus einem Grund (18s/296KB)

 

Der Mensch hat im Spiel nichts zu suchen

 

Wirklich Einfluss nehmen können die Dortmunder allerdings nicht auf das Spiel ihrer Roboter. Sobald der "menschliche" Schiedsrichter angepfiffen hat, können sie nur hoffen, dass sie das Strategiemodul für das deutsche Roboter-Team richtig entwickelt und programmiert haben. Denn: Auf dem 4 mal 2,5 Meter großen Spielfeld sind die kleinen Würfel - so sehen die Roboter aus - nämlich fremdgesteuert. "Wir, also die Menschen, drücken eigentlich nur den Startknopf, dann läuft das Spiel", sagt Marco Wickrath.

 

 

 So sehen die "Spieler" aus.

Elf gegen Elf - wie beim richtigen Fußball. Auch Trikots gibt es, jede Mannschaft hat eine andere Farbe: gelb oder blau. "Deutschland im gelben oder blauen Trikot - es dauert etwas, aber man gewöhnt sich daran", findet Marco. Ein echter Farbtupfer auf dem Feld: Der orangefarbene Golfball. Wenn das Strategiemodul richtig programmiert wurde, kicken ihn die Robos zielgenau ins Tor.

 

Roboter-Fußball ist hoch technisiert

 

Jede Mannschaft hat über dem Spielfeld eine eigene Kamera angebracht. Sie zeichnet die Standorte aller Spieler auf und registriert ihre Geschwindigkeiten. Die Daten werden in einem Rechner neben dem Spielfeld ausgewertet und durchlaufen dann das zuvor entwickelte Strategiemodul. Das wiederum trifft alle wichtigen Entscheidungen: Welcher Roboter fährt zum Ball? Welcher Verteidiger positioniert sich als Libero? Wo steht der Torwart? Die Entscheidungen werden als Befehle an ein so genanntes Funkmodul gesendet, das die Roboter letztendlich steuert - und Bewegung ins Spiel bringt. Ganz einfach, aber hoch technisiert.

 

Die Strategie der "Dortmund Droids" bei der WM (12s/195KB)

 

 

 Duell zwischen Torwart und Stürmer

"Unsere Strategie für die WM 2006 ist eine gute Verteidigung mit schnellen Vorstößen nach vorn - und dann Tore schießen", sagt der Roboter-Freak. Da die Roboter-WM ein Projekt am Lehrstuhl Informatik der Universität Dortmund ist, kann es immer mal wieder vorkommen, dass Feinheiten falsch programmiert wurden. Beispiel: "Robo-Kahn" läuft nach links statt nach rechts, "Robo-Ballack" schießt statt aus 20 statt aus 50 Zentimeter Entfernung aufs Tor. "Solche Programmierfehler passieren eben", sagt Marco Wickrath. Er ist am Lehrstuhl Informatik nur Hilfskraft. "In anderen Ländern - vor allem im asiatischen Raum - werden diese Roboter-Projekte viel intensiver betreut. Da gibt es sogar Festangestellte, die sich den ganzen Tag nur um die Programmierung der Strategiemodule kümmern. Das können wir hier gar nicht leisten."

 

Nicht immer läuft alles glatt (21s/336KB)

 

Gibt es für die "Dortmund Droids" eine Zukunft?

 

Überhaupt ist die Zukunft des Roboter-Projekts an der Uni Dortmund ungewiss, wenn der zuständige Hochschullehrer demnächst emeritiert wird. "Wie es dann weitergeht - keine Ahnung. Gut wäre, wenn wir Sponsoren finden würden", hofft Marco. Denn für Marco und seine Kommilitonen ist der Roboter-Fußball nicht nur ein Freizeitspaß: "Das ist richtige, technisch hochmoderne Entwicklungsarbeit."

 

Entwicklungsarbeit, die in einem spannenden Wettkampf endet. Zum einen in dem rein sportlichen Wettkampf der Fußball-Roboter, aber auch im wissenschaftlichen Wettkampf mit Entwicklern aus anderen Ländern. Eben mit der Konkurrenz. Allerdings: Preisgelder für gelungene Programmierarbeit gibt's nicht - es geht allein um die Ehre. "Und den Spaß natürlich", sagt der Student, der in den vergangenen sechs Jahren Roboter-Freaks aus ganz Europa ebenso wie aus Asien kennen gelernt hat. Fußball verbindet eben.

 

Favoriten für den "Robo-Soccer-World-Cup 2006" sind übrigens China, Singapur, Südkorea und Österreich.

 

FOTOS: ANNA SPRENGER 

 

VON ANNA SPRENGER

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