"Paris ist immer eine Reise wert!" - soviel ist mir von meinem bis dahin einzigen Aufenthalt in "der Stadt der Liebe" in Erinnerung geblieben. Da ich einige Tage lang zudem gratis bei einem guten, in Paris lebenden Freund übernachten konnte, stand das Reiseziel, das ich zum Testzweck mit easyJet zu erreichen gedachte, alsbald fest: die französische Kapitale an der Seine sollte es sein.
SCHRITT NUMMER EINS
Um das Schöne mit dem Nützlichen und Notwendigen zu verknüpfen, klickte ich im Internet als Schritt Nummer Eins die Adresse von easyJet an, und versuchte, einen möglichst günstigen Flug Richtung Paris zu buchen. Sogleich stach dabei ins Auge, dass die Preise, die easyJet für die zweimal täglich von Dortmund nach Paris abgehenden Flüge anbietet, bisweilen recht unterschiedlich ausfallen können. Kostet der Flug an dem einem Tag 18 Euro, kann er für die selbe Route am nächsten Tag zwischen 20 und 30 Euro mehr kosten.
Hinzu kommen jeweils Gebühren für die Reiseversicherung, die der zukünftige Fluggast automatisch abzuschließen hat, um überhaupt mitgenommen zu werden. Keine Reiseversicherung - kein Flug. Was bedeutet, dass zum Betrag für den Hin- und Rückflug noch einmal etwas mehr als 40 Euro zusätzlich bezahlt werden müssen. In meinem Fall ergab das eine Gesamtsumme von 87 Euro und 48 Cent.

|
Die A 319, die easyJet für die Flüge Dortmund-Paris einsetzt. |
Als eine gewisse Schwierigkeit stellte sich danach heraus, dass die Zahlung via Kreditkarte zu erfolgen hatte. Da ich selber nicht im Besitz einer solchen bin, brauchte ich also jemand Dritten, der die Entrichtung des Geldbetrags für mich übernehmen konnte. Zu guter letzt fand ich sogar jemanden, der dazu bereit war - woraufhin ich mir die sofort erscheinende
Buchungsbestätigung ausdruckte. "easyJet", so hieß es da, "stellt keine Tickets aus." Alles, was der easyJet-Reisende beim Einchecken späterhin benötigt, ist ein Lichtbildausweis und die jeweilige Reisenummer, die auf der Buchungsbestätigung vermerkt ist. Womit ich bei...
SCHRITT NUMMER ZWEI
...angelangt bin: dem Erreichen des Flughafens Dortmund-Wickede bzw. dem Einchecken. Zum Erreichen des Airports stehen natürlich verschiedene Möglichkeiten offen - Taxi, Pkw, Zug und Bus. Ich persönlich entschied mich für die Regionalbahn, die vom Dortmunder Hauptbahnhof aus über die Stationen Westfalenhalle, Aplerbeck und Soelde innerhalb von zwanzig Minuten zum Bahnhof Holzwickede fährt.
Dort angekommen, bestieg ich den Bus, der den Bahnhof mit dem Airport verbindet, bezahlte für die Strecke den einen Euro, den die Busfahrerin von mir sehen wollte, und fand mich nach genau sieben Minuten vor dem Haupteingang des Flughafens wieder.
Da die Terrorwarnungen von London-Heathrow noch nicht lange zurücklagen, warf ich meine Flasche Limonade, die ich dabei hatte, vorsichtshalber in den Müll, obwohl - oder gerade weil - sie noch halbvoll gewesen war. Zu meiner Überraschung wurde ich beim Einchecken aber gar nicht danach gefragt, ob ich irgendwelche Flüssigkeiten bei mir tragen würde. Ebenso überraschend empfand ich die Tatsache, dass ich ohne Weiteres meine Kamera als Handgepäck mit an Bord nehmen durfte, um dort Fotos schießen zu können.
Das Einchecken als solches ging sehr simpel vonstatten: In der Tat benötigte es lediglich des Vorzeigens meiner Buchungsnummer und meines Reisepasses - und schon hielt ich meine Boardingkarte in der Hand. Das Boarding vollzog sich nach dem Prinzip "Wer zuerst da ist, malt zuerst", und da ich als einer der letzten Reisegäste angekommen war, war ich auch einer der letzten Reisegäste, die aufs Rollfeld gelassen wurden.
SCHRITT NUMMER DREI
Die Sitzvergabe in dem Flugzeugtyp, mit dem easyJet nach Paris fliegt, der A 319, geschieht nach Gutdünken: Jeder Reisende darf sich dorthin setzen, wo er gerne sitzen möchte. Auf die Art kam es, dass ich während des Flugs neben zwei blonden Jungs saß, die sich abwechselnd mal auf Deutsch und mal auf Französisch unterhielten. Vorher gab es aber noch die obligatorische, lustig anzuschauende Mischung aus Ballet, Sportgymnastik und Eurhythmie zu beobachten, die am Anfang eines jeden Fluges vom Bordpersonal veranstaltet wird, um zu zeigen, wie man im Fall von Turbulenzen zu reagieren hat.

|
Das Bordpersonal versorgt die Gäste mit Essen und Trinken. |
Der daraufhin erfolgte Start verlief reibungslos, genauso wie der etwas mehr als einstündige Flug zum Airport Charles de Gaulle. Nichts anderes galt auch für die Landung, gleichwohl die Reisenden dort ein starkes Gewitter erwartete. Ein Gewitter, das einer der beiden blonden Jungs, neben denen ich saß, mit den aufgeregten Worten begleitete: "Regarde le Blitz, regarde le Blitz!" Woraufhin ich mich bei ihm erkundete, ob denn das Wort "Blitz" im Französischen existieren würde - des Zweiten Weltkriegs wegen, nicht wahr. Aber nein, wurde mir da erklärt, das französische Wort sei nicht "Blitz", sondern "Éclaire". Was beweist, dass manch ein Flug auch ein bisschen Bildung vermitteln kann.
SCHRITT NUMMER VIER
Da es für Passagiermaschinen verboten ist, über den Pariser Luftraum zu kreuzen, liegt der Flughafen Charles de Gaulle außerhalb im Norden der Metropole. Angenommen, der im Aeroport Charles de Gaulle Terminal 3 angekommene Tourist möchte sofort mit dem Zug rüber aux Champs-Élysées, um dort, sagen wir, Joe Dassin's berühmten Refrain nachzuvollziehen:

|
Redakteur Schall en front de l'Arc de Triomphe. |
"Au soleil, sous la pluie, à midi ou à minuit
Il y a tout ce que vous voulez aux Champs-Élysées...",
muss er zunächst zum Preis von knapp neun Euro zum Gare du Nord fahren, was circa 25 Minuten dauert. Dort muss er umsteigen und noch einmal etwas länger als eine halbe Stunde hinzuzählen - und dann endlich ist er dort angekommen, wohin er wollte: aux Champs-Élysées.
SCHRITT NUMMER FÜNF
Nachdem die Tage, die ich bei meinem guten Freund verbracht hatte, verstrichen waren, ging der Spaß von vorne los, nur diesmal umgekehrt: erst zum Gare du Nord, und von dort zum Flughafen Charles de Gaulle Terminal 3. Wobei es zu beachten gilt, dass der noch relativ junge Terminal 3, den easyJet benutzt, nicht mit dem Terminal 2 zusammenhängt, sondern stattdessen mit dem Terminal 1.
Das Einchecken verlief abermals ohne Probleme, die gymnastische Darbietung des Bordpersonals vor dem Start war abermals sehr lustig zu beobachten, und der Rückflug selber kam auch - wie gehabt - ohne Turbulenzen aus. Das einzige, was den etwas mehr als einstündigen Flug trübte, was die Tatsache, dass zwei Sitze neben mir ein junger Mann unaufhörlich an seinen Fingernägeln kaute. Aber dafür konnte ja easyJet nichts.

|
Die Gäste steigen am Flughafen Charles de Gaulle in die Maschine. |
Ganz im Gegenteil: das Bordpersonal ging mit Essen und Trinken durch den Korridor - da hätte sich der Mann leckere Knabbereien zu vernünftigen Preisen kaufen können...
FAZIT
Reisen mit easyJet von Dortmund aus ist durchaus zu empfehlen. So ein einstündiger Flug nach Paris vergeht in der Tat wie im Fluge: kaum hat man sich hingesetzt, steht man auch schon wieder auf. Besonders gefallen hat mir eine Aktion während der Flüge, als die Stewardessen mit einem Beutel über den Flur gegangen sind, um von den dazu willigen Gästen Geld einzusammeln, das an Leukämie erkrankten Kindern zugute kommen soll.

|
Der Dortmunder Flughafen von außen nach der Ankunft aus Paris. |
Auch ist es erstaunlich, sich zu vergegenwärtigen, dass man um 19.30 Uhr noch mitten in Paris sitzt, drei Stunden später aber schon am Dortmunder Hauptbahnhof, um unter dem nächtlichen Himmel vis-à-vis vom großen "U" auf den Zug zu warten.
Ja, und falls man wissen möchte, wie ich mich in Paris befunden habe, möchte ich den berühmtesten deutschen Pariser Bürger zitieren, den ich auf dem Cemetiere de Montmarte besucht hatte. Dieser schrieb anno domini 1831 in einem Brief aus Paris: "Fragt Sie jemand, wie ich mich hier befinde, so sagen Sie: Wie ein Fisch im Wasser. Oder vielmehr, sagen Sie den Leuten, dass, wenn im Meere ein Fisch den anderen nach seinem Befinden fragt, so antwortet dieser: Ich befinde mich wie Heine in Paris."
FOTOS: Francois Saint-Aubert, Lars Schall