(InDOpendent) "Wenn die kommen mach ich Urlaub", kommentiert die 49-jährige Prostituierte Karin S. die Spekulationen über einen Ansturm ausländischer Konkurrentinnen zur Fußball-WM. Auf der Ravensberger Straße, dem Dortmunder Straßenstrich gibt es schon jetzt ein akutes Problem, das sich während der WM verschärfen könnte: Es fehlt ein Platz für ungestörte Liebesdienste.
Entlang des Straßenstrichs sind in den vergangenen Jahren Zäune aufgestellt worden, die die Parkplätze benachbarter Unternehmen sexfrei halten sollen. Freier und Prostituierte sind gezwungen, auf entfernte Parkplätze auszuweichen. Über die "inakzeptable Ausfransung" empören sich Anwohner und Mitglieder der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord. Und auch die Prostituierten selbst gehen nur mit großem Unbehagen "auf Tour".
"Wir fahren gar nicht gerne raus. Anderswo bist du den Freiern ausgeliefert, niemand kann dir im Notfall zu Hilfe kommen", sagt Karin S. Sie selbst hat es erlebt: Eine ihrer "Touren" bescherte ihr statt des üblichen Lohns von 25 Euro einen verrenkten Arm und eine geklaute Handtasche.
Gebüsch statt Verrichtungsboxen
Detlef Berghoff, stellvertretender Leiter des für Milieu-Kriminalität zuständigen Kriminalkommissariats 12, kennt das Problem: "Auf dunklen Parkplätzen fehlt es an sozialer Kontrolle. In der Ravensberger Straße haben die Damen ein Auge aufeinander." Die Stadt sieht sich mittlerweile zum Handeln gezwungen. Man werde als Verrichtungsfläche ein angrenzendes Bahngelände pachten, gab Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz bekannt.
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Angst vor dunklen Parkplätzen |
Ab wann das Bahngelände Prostituierten und Freiern zur Verfügung stehen wird, ist unklar. Geklärt scheint aber die Frage der "Ausstattung": "Ich möchte dort keine Verrichtungsboxen, Container, Wohnwagen oder was auch immer. Die Fläche wird mit einfachsten Mitteln wie Büschen und Stellwänden hergerichtet", sagt Wilhelm Steitz.
Eine Infrastruktur wie sie der Kölner Straßenstrich mit Verrichtungsboxen, Kondom- und Snackautomaten bietet – hält Wilhelm Steitz für unnötig und die Diskussion über ein erhöhtes Sexbedürfnis frustrierter Fußballfans für bedenklich: "Ich sehe keinen Grund zu der Annahme, dass Tausende vom Stadion auf den Strich strömen werden."
Projektgruppen zur WM
Auf alles vorbereitet sein, aber realistisch bleiben, das will man bei der Dortmunder Polizei. Detleff Berghoff vom Milieu-Kommissariat glaubt zwar auch nicht an den großen Ansturm auf Dortmunds Straßenstrich während der WM, erklärt aber, entsprechende Projektgruppen würden dennoch vorbereitet.
Laut Elke Rehpöhler von der Kommunikations- und Beratungsstelle für Prostituierte (KOBER) sind solche Projektgruppen auch nötig: "Ich rechne mit einem Ansturm der Kunden. Wir können aber auch davon ausgehen, dass Frauen aus Deutschland und aus den Nachbarländern nach Dortmund kommen werden. Schließlich sind einige unserer Frauen auch zu den Olympischen Spielen nach Griechenland gereist."
FOTOS: Christine Veenstra