| Mission Robbie - Mission Impossible? | ||||||
"Here I Stand – victorious...!“ Ob ich "Ghosts" von Robbie Williams nach meiner Mission singen kann, weiß ich noch nicht. Zwei Stunden bevor der Vorverkauf für das Robbie-Konzert im August 2006 losgeht, will ich vor der Tür stehen. Schon am Tag vorher, war die Vorverkaufsstelle in Dortmund nicht mehr erreichbar. Zu riskant, dachte ich mir. Also ab nach Wuppertal!
7:45 Uhr Ich bin auf der Autobahn 1. Ziel ist eine der heiß begehrten Robbie Williams Karten. Was heißt eine? Ich habe ungefähr 20 Bestellungen rein bekommen, als ich erwähnte, dass ich an einer der offiziellen Vorverkaufsstellen sein werde, wenn die ihre Tür um 10 Uhr öffnet. Der Moderator in meinem Autoradio erzählt gerade von dem ersten Kartenverkauf vor dem Rhein-Energie-Stadion in Köln. Da waren die ersten Karten um 0:01 Uhr über die Theke gegangen. Viertausend Fans waren da, hatten teilweise vor dem Stadion übernachtet. Ich bin gespannt, was mich vor der Ticketzentrale in Wuppertal erwartet.
8:06 Uhr Endlich habe ich einen Parkplatz gefunden. Schnell raus aus dem Auto und ab zur Ticketzentrale. Ich hatte es geahnt: Manche Leute verbringen eine kalte Novembernacht lieber draußen im Schlafsack, als im warmen Bett! Warum nicht? Ist ja auch mal ganz nett, so ein Sternenhimmel im November. Trotzdem bin ich erleichtert, denn dort stehen gerade mal rund 50 vermummte Gestalten. Alle schön gesittet in einer Schlange. Beim zweiten Hinsehen fällt mir auf, dass auch viele Jungen da sind. Das Boygroup Image hat Robbie Williams offenbar abgelegt. Zwei Mädels trinken heißen Kaffee aus einer Thermoskanne, ein Junge bittet die Wartenden hinter ihm, den Platz frei zu halten. Er muss mal eben eine rauchen. Ein junger Mann hat sich einen Stuhl mitgebracht. Da kommt sein Kumpel. "Ey, Alter! Bin schon seit 6 hier. Guck mir den Knallkopp abba nich an. Die Karten vertick ich bei Ebay. Dat gibt Kohle!“ Noch knapp zwei Stunden, bis die Tür aufgeht.
8:43 Uhr Egal, wohin ich lausche – überall die gleichen Themen. Wer war schon mal auf einem Robbie-Konzert? Wie kommt das neue Album "Intensive Care“ an? Was hat der Typ, was andere nicht haben? Während der Wartezeit erfahre ich einige wissenswerte Details über das Konzert im August. "Das ist auf den Jahnwiesen. Weißt du, da wo der Papst gesungen hat!“ sagt eine blondierte, dauergewellte Mittvierzigerin zu ihrem Mann. Aha, denke ich mir! DAS wusste ich zum Beispiel noch nicht. Muss etwas an mir vorbeigegangen sein! Und die ganze Zeit wird durchgerechnet: "Der Besitzer dieser Ticket-Zentrale hat mir am Telefon gesagt, er habe 500 Karten“, sagt ein Mädchen hinter mir. Die Freundin zählt schnell durch, wie viele vor ihr in der Reihe stehen: "Das sind so 56! Wenn jeder wirklich sechs Stück kauft, müssten wir noch welche bekommen!“ Aber die Unruhe steigt ständig - auch bei mir.
9:00 Uhr In dieser Minute geht der offizielle Vorverkauf übers Internet und die Ticket-Hotline los. Meine Freundin hat genau nach Funkuhr 5 Sekunden vor 9 die Nummer angewählt. Vielleicht bekomme ich ja gleich den Anruf, dass ich von meinem Top-Platz abziehen kann. Aber über die Hotline scheint kein Durchkommen zu sein. Dann ertönt "Tripping“ aus meinem Handy. Hab den Klingelton passend zu dem Event geändert. "Anna, vergiss es. Die Internet-Seite ist abgestürzt und die Hotline ist nur besetzt! Alle Hoffnungen ruhen auf dir!“ Ein ehrenvolles Amt, wie ich finde. Trotzdem sind meine Füße gerade abgefroren.
9:50 Uhr
Alle horchen auf: Ein Schlüsselklingeln. Ein kleiner, älterer Herr kämpft sich schimpfend durch die Menge! „Darf ich mal da durch? Wenn ihr mich nicht durchlasst, gibbet auch keine Karten!“ Aha, der Verkäufer ist da. Das kriegen auch die Wartenden hinter mir mit. Von einer Schlange keine Spur mehr. Alles rennt auf den Eingang zu, es wird geschuppst und gedrängelt! Schreie! Chaos! Ich habe mich nicht zwei Stunden in die Kälte gestellt, um keine Karten mehr zu bekommen. Also drängel ich auch. Und – oh Wunder – ohne, dass ich es merke stehe ich in der Ticketzentrale. Die ersten haben schon ihre Karten, kommen aber kaum aus dem Verkaufsraum raus, weil keiner ein Stück zurückgeht, um jemanden vorbeizulassen. Der Verkäufer schimpft weiter: "Wenn ihr drängelt, mach ich zu und keiner bekommt ne Karte!“ Das sollte er mal versuchen! 200 Mann gegen einen! Endlich stehe ich am Tresen: “Sechs Karten bitte!“ und krame die 424,20 Euro aus meinem Portemonnaie. Und dann halte ich sie endlich in der Hand! Die Strapaze hat sich gelohnt!
10:20 Nachdem ich den Power-Booster meiner Auto-Heizung angeschaltet hatte, bin ich auch wieder aufgetaut. Fotos: Anna Sprenger | ||||||
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