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Zerbrechliche Gestalten

Ein "Alabasterkörper".

(InDOpendent) Weder Schönheit noch Perfektion, sondern jugendliche Selbstzweifel zeigt Andreas Kohler in der Fotoreihe "Alabasterkörper“. Die Bilder des Design-Studenten wurden kürzlich mit dem Epson Art Photo Award ausgezeichnet. An dem Wettbewerb nahmen Künstler aus 170 Ländern teil.

 

"Ich wollte junge Menschen fotografieren, die von den Schönheitsidealen unserer Zeit verunsichert sind und ihren Weg suchen.“ Verletzlich sollten die halbnackten Körper wirken, die Haut fast durchsichtig und geheimnisvoll verdeckt von dünnen Hemdchen und Strumpfhosen. Um die richtigen Models zu finden, verbrachte der Fotografiestudent Andreas Kohler Tage in der Kölner Innenstadt.  Die Fremden, die er ansprach, fühlten sich geschmeichelt. Überzeugungsarbeit musste der 26-Jährige selten leisten.

 

 

 Andreas Kohler.

Auf der Jagd nach Fotomodels

 

Er begann mit der Arbeit. Er suchte Orte und Kleidungsstücke für die Aufnahmen aus. Er erklärte den Jugendlichen, wie sie in die Kamera schauen sollten: "Ich halte die leeren Blicke fest, oder die voller Erwartungen, das Glitzern in ihren abgestumpften Augen.“

Im Sommer entdeckte Andreas Kohler an der Fachhochschule Plakate, die den Epson Foto-Wettbewerb anpriesen. Der Künstler zögerte nicht lange und reichte seine Diplomarbeit ein. "Als Diplomand will man eben auf sich aufmerksam machen“, sagt Andreas Kohler. Mit seinen Alabasterkörpern ist ihm das gelungen. Früher hat er mal Architektur fotografiert. Seit zwei Jahren konzentriert er sich nun fast ausschließlich auf Porträts. "Mich hat’s eben mit den Menschen gepackt“, sagt der ehemalige FH-Student über seine Arbeit. 

 

Karrieresprung durch Wettbewerb

 

Mit der ungewöhnlichen Darstellung Jugendlicher im Zwist mit gesellschaftlichen Idealen überzeugte Andreas Kohler auch die Jury des Epson Art Photo Award. Ein Team aus fünf Fachleuten, dem unter anderem ein Galerist und eine Kunstprofessorin angehörten, kürte nicht nur Andreas Kohler zum besten Künstler. Mit vier Freunden gewann er auch in der Kategorie "Beste Klasse“. Im Wettkampf um den Preis stachen die Nachwuchs-Fotografen eine internationale Konkurrenz von mehr als 170 Klassen aus. Dabei traten sie gegen Kunstakademien aus Europa und den USA an. "Das ist für unsere Fachhochschule ein großer Erfolg“, erklärt Professorin Caroline Dlugos. Zusammen mit ihrer Kollegin Professorin Susanne Brügger hat sie ihre Schützlinge während des Wettbewerbs betreut.  

 

 

 Kohler definiert eigene Schönheits-
 ideale.

Auch der Klassensieg ging an die Dortmunder FH

 

Der Sieg kam für Andreas Kohler "völlig überraschend“. Seitdem wirkt er immer ein wenig gehetzt, und das Telefon in seiner Kölner Wohnung klingelt unaufhörlich. Galeristen sind dran. Aus ganz NRW. Sie wollen die Alabasterkörper für ihre Ausstellungen buchen. Dorthin kommen dann auch Sammler, die sich für seine Bilder interessieren. Grund genug für Andreas Kohler, an der Fotoserie weiter zu arbeiten. 

 

Im Auge des Betrachters

 

Die Interpretation seiner Kunstwerke überlässt er dem Betrachter. Doch die blassen, müden Gesichter auf seinen Bildern sprechen Bände. Nackt und ungeschützt sehen sie aus. Als ob sie sich schämen für die kleinen Unreinheiten, Narben und Verletzungen, die sich in ihre Haut gebrannt haben. "Natürlich möchte ich eine Botschaft vermitteln“, lenkt Andreas Kohler ein. "Aber ich schreibe den Leuten nicht vor, was sie zu denken haben.“

 

 

 

 

Die Bilder zeigen's: Verletzlichkeit ...

... und Selbstzweifel Jugendlicher. 

 

Fotos: Andreas Kohler

 

 Mehr zum Thema 

  Epson Art Photo Award  
  Fachbereich Design  


VON JULIA WÄSCHENBACH

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