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Versöhnlicher Saisonabschluss

Auch ein kleiner Derbysieger

(do1) Totgesagte leben länger, so sagt der Volksmund. Auch Lars Ricken war schon lange totgesagt. Abgeschrieben als ewiges Talent, zeitweilig sogar abgeschoben auf die Tribüne. Doch mit seinem Tor am 33. Spieltag hat Lars Ricken ganz Dortmund in einen kollektiven Freudentaumel versetzt. Endlich! Nach sechs langen Jahren! Ein Derby-Sieg gegen Schalke – für viele Fans doch noch ein versöhnlicher Abschluss einer turbulenten Saison.

 

Denn auch Borussia Dortmund war von vielen Fußball-Fans schon totgesagt worden. Der einstige Vorzeige-Club muss im Oktober auf der Bilanzpressekonferenz einen Rekordverlust von 67,7 Millionen Euro vermelden. Vier Jahre nach dem Börsengang der Schwarz-Gelben belaufen sich die Verbindlichkeiten des BvB auf über 200 Millionen Euro. Für die meisten Fans sind die Sündenböcke schnell gefunden: Manager Michael Meier und besonders Präsident Gerd Niebaum werden von den Anhängern als Schuldige ausgerufen.

 

Niebaums Abschied auf Raten

 

18 Jahre hat Gerd Niebaum die Geschicke des BvB gelenkt. Am 14. November des vergangenen Jahres tritt er unter Tränen als Präsident zurück. Damit zieht er die Konsequenz aus der Finanzmisere – und bleibt trotzdem bis auf weiteres als Geschäftsführer im Amt. Sein Nachfolger als Präsident: ein alter Bekannter. Reinhard Rauball war auch Niebaums Vorgänger.

 

Der Druck auf Niebaum und Meier bleibt bestehen: Im Februar legt Gerd Niebaum auch sein Amt als Geschäftsführer nieder. Meier wird noch bis Saison-Ende im Amt bleiben. Die angespannte finanzielle Lage wird immer bedrohlicher. Sollte es dem BvB nicht gelingen, einen Großteil des Stadions zurückzukaufen, droht der DFB sogar mit Lizenzentzug.

 

 BvB-Pressesprecher Schneck über die finanzielle Krise (378kB, 13s.)

 

Am 14. März trat der BvB zum wichtigsten Auswärtsspiel seiner Geschichte am Düsseldorfer Flughafen an. Die Anteilseigner der Molsiris-Fondgesellschaft müssen dem Sanierungskonzept zustimmen. Am Ende der Versammlung herrscht Erleichterung in Dortmund. Rund 95 Prozent der Anleger stimmen für das Sanierungskonzept. Durchatmen bei Fans, Spielern und Verantwortlichen.

 

Zumindest in der Rückrunde wieder Bundesliga-Spitze

 

 

 Van Marwijk: Blick nach vorn?

Der finanziellen Situation hatte sich die Borussia während der Hinrunde auch sportlich angepasst. Am Spieltag 17 war die Mannschaft von Trainer Bert van Marwijk bis auf den 14. Tabellenplatz abgerutscht. Vom Abstiegsrang 16 trennten Dortmund nur vier Punkte. Die Stimmung auf der Südtribüne war gereizt, Pfiffe gegen die eigene Mannschaft keine Seltenheit mehr.

 

Die Winterpause bringt ein wenig Ruhe. Und für die Spieler ein wenig Abstand vom Bundesliga Alltag. Der Urlaub scheint den Profis gut getan zu haben. Das Team präsentiert sich in der Rückrunde wie ausgewechselt. Nur zwei Niederlagen in 17 Spielen muss der BvB nach dem Jahreswechsel einstecken.

 

 

Aus der personellen Not eine Tugend gemacht

 

Und nur Meister Bayern München kann in der Rückrunde mehr Zähler sammeln als Borussia Dortmund. Zumindest in der Rückrunde ist der BvB wieder da, wo er eigentlich sein möchte: Im Spitzenfeld der Bundesliga. Auch das finanziell so wichtige internationale Geschäft ist wieder greifbar: Über den UI-Cup hat die Mannschaft noch die Möglichkeit, sich für den UEFA-Pokal zu qualifizieren.

 

 Florian Kringe zieht ein Saisonfazit (776kB, 26s.)

 

Auch personell gewinnt der BvB wieder dazu: Mit Christoph Metzelder kehrt nach langer Verletzungspause einer der Hoffnungsträger wieder in die Mannschaft zurück. Trainer van Marwijk bindet jedoch auch viele junge Spieler in die Elf mit ein. Florian Kringe kann sich während der Rückrunde als Stammspieler etablieren. Auch Markus Brzenska und der erst 17-jährige Marc-André Kruska bekommen immer mehr Spielanteile.

 

Ausgaben für den Profibereich auf 28 Millionen Euro gekürzt

 

 

 Autogramme der Spieler sind wieder gefragt

So hat van Marwijk aus der personellen und finanziellen Not eine Tugend gemacht. Der Etat des Profikaders wird zur nächsten Saison noch einmal gekürzt: von einst 67 Millionen Euro auf 28 Millionen. Mit einem Durchschnittsalter von knapp über 24 Jahren hat der BvB den jüngsten Kader der Bundesliga.

 

Möglich ist dies natürlich nur, wenn auch die entsprechenden Talente aus den Jugendmannschaften in den Profibereich nachrücken – und der Trainer diese Talente auch fördert. Oft scheitern die Jungspunde an mangelndem Vertrauen oder mangelnder Spielpraxis. Wie einst Lars Ricken, der nie so ganz aus dem Schatten von Andreas Möller treten konnte und von vielen schon totgesagt wurde. Doch Totgesagte leben manchmal länger.

 

Fotos: Stefan Rüter

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VON HENNING ENGELAGE

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