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Der Profi-Esser

Hillenbach auf dem Pfefferpotthastfest.

(do1) Was wir uns vielleicht einmal im Monat gönnen, ist für Peter Erik Hillenbach Alltag: Essen im Restaurant. Wenn ein Städte-Restaurantführer vor dem Erscheinen in die Testphase geht, kann das bei dem Chefredakteur des Überblick Verlags schon mal zu einer "Magenverrenkung" führen: "Wenn man ungefähr 250 Restaurants im Jahr besucht, kommt der Körper irgendwann an seine natürlichen Grenzen. Essen kann auch anstrengend sein - aber ich habe mir nie etwas anderes vorgestellt."

 

Peter Erik Hillenbach wirkt - sobald er mit Essen in Berührung kommt - begeistert wie ein kleiner Junge, dem man ein Fahrrad versprochen hat. Begleitet man ihn eine Weile auf seiner kulinarischen Recherche-Reise merkt man das sofort. So ist beispielsweise das Pfefferpotthastfest auf dem Alten Markt in Dortmund ein magischer Anziehungspunkt für den Ruhrpottfan. Denn Pfefferpotthast - eine alte westfälische Spezialität - kocht nicht nur Gulasch sondern auch den Restaurant-Kritiker weich: "Hmm… dafür liebe ich diese Stadt", nuschelt er zufrieden lächelnd, ohne den Löffel aus der Hand zu legen.

 

"Die Dortmunder Gastronomie ist auf einem guten Weg"

 

Tipps von Fernsehkoch Wolfgang
Kohlhepp auf der CulinaDO.

Doch der Profi-Esser liebt nicht nur das Essen aus dem Pott, sondern auch die Menschen die es kochen. Auf der Messe CulinaDO in den Dortmunder Westfalenhallen lassen seine stahlblauen Augen keinen Stand außer Acht und seine herzhafte Lache keinen Standbesitzer kalt. Am Ende seiner Entdeckungstour ist der 47-Jährige zufrieden: "Die Dortmunder Gastronomie ist auf einem gutem Weg: sie entdeckt auch alte Gerichte wieder und peppt die ordentlich auf. Das ist spannend zu beobachten."

 

Der Profi-Esser Ã¼ber das Besondere an Dortmunds Küche (32s/418kB)

 

"Perik", wie der Chefredakteur von seinen Freunden auch genannt wird, kommt beruflich gesehen eigentlich aus dem Musikjournalismus. Mit Independent-Musik und Punk-Rock ist er aufgewachsen, und Themen wie Popkultur, Subkultur und Underground sind sein Ding. Den Ansatz, den er damals auch in Stadtmagazinen wie Marabo aufgebaut hat, versucht er jetzt auf Gastronomiekritik zu übertragen. "Eine Band würde ich auch nicht fragen, wie ihr Sänger heißt und wo sie ihre Platte aufgenommen haben. Es geht darum, größere Zusammenhänge darzustellen."

 

Das aktuelle "Dortmund geht aus"-
Heft - seit Ende März im Handel.

Das versucht er immer – ob er nun eine "Gebrauchsanweisung für das Ruhrgebiet" (Piper Verlag, 2005) schreibt oder seine feuilletonistische Ader bei Künstlern wie Helge Schneider auslebt. Hillenbachs Texte rund ums Essen unterscheiden sich tatsächlich von herkömmlichen Restaurant-Kritiken. Er beschreibt weniger, was er auf dem Teller vorfindet oder wie eine Speisenfolge komponiert ist, sondern in welchem Rahmen ein Restaurant seine Speise dem Publikum präsentiert. "Das in einer Pop-Sprache in einem Restaurantführer rüberzubringen ist meine Motivation. Abgesehen davon koche und esse ich gerne."

 

"Dortmund geht aus" entsteht (49s/619kB)

 

Wenn er selbst kocht, kauft Peter Erik Hillenbach die Zutaten am liebsten samstags auf dem Hansa-Markt ein. Um sein wöchentliches Ritual perfekt zu machen, bummelt er gerne noch über den total überfüllten Westenhellweg und gönnt sich zum Abschluss ein Thier-Pils und einen Salzkuchen mit Mett auf dem Alten Markt. Unkonventionell und gemütlich geht's auch in seiner Dortmunder Wohnung zu, die zugleich auch seine Agentur "Medienlandschaft" ist.

 

Im Bett mit Peter Erik Hillenbach

 

"Lesejunkie" Hillenbach in seinem
Element.

Dreh- und Angelpunkt: das große Bett, auf dem Unmengen von Zeitungen und Zeitschriften verstreut sind. "Ich umgebe mich einfach auch hier gerne mit den Sachen, mit denen ich mich momentan beschäftige", sagt er. Es dauere immer, bis er seine Wochenzeitungen durch habe. Manchmal brauche er dafür länger - dann stapeln die sich an anderer Stelle. "Ich mache hier alles, mein Schlafzimmer ist gleichzeitig mein Wohnzimmer. Ich habe kein Sofa, dafür ein Bett und einen Fernseher ohne Fernbedienung." Peter Erik Hillenbach - ein liebenswert chaotischer Restaurant-Kritiker mit einem klaren Anspruch an sein Berufsbild: "Ich will nicht bestätigt werden in meiner Auffassung, ich will verstört werden."

 

 

FOTOS & VIDEOS: Angela Meißner / Nora Weis

VON NORA WEIS

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