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Frauen mit Höhenangst

Auf Kanzlerkurs: Angela Merkel

Dagmar Mühlenfeld hat sich in den Männerrunden oft wie ein Fremdkörper gefühlt. „Es kamen Sprüche wie ‚Ach, eine Frau in unser Runde, dann müssen wir uns ja ordentlich benehmen‘.“ Sie hat sich davon nicht einschüchtern lassen, hat aufgepasst, dass die Männer nicht über sie hinweg kommunizierten. Jetzt steht sie meistens im Mittelpunkt, wenn im Rathaus diskutiert wird.

 

Dagmar Mühlenfeld (SPD) ist 54 Jahre alt und seit 2003 Oberbürgermeisterin der Stadt Mülheim an der Ruhr. Eine Ausnahmeerscheinung. Frauen in Führungspositionen sind selten - in der Politik, in Wirtschaft und Wissenschaft. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hat das kürzlich bestätigt. Frauen besetzen gerade einmal ein Prozent der Chefsessel der großen deutschen Unternehmen. An deutschen Hochschulen beträgt der Anteil an Professorinnen nur 13 Prozent. Und das, obwohl Abiturientinnen meistens die besseren Noten haben und später häufig auch noch den besseren Uniabschluss im Vergleich zu ihren Kommilitonen.

 

Falsche Erziehung verbaut die Karriere

 

Dagmar Mühlenfeld führt das zum Teil auf die Erziehung zurück. Mädchen würden immer noch anders erzogen als Jungen und gingen dadurch defensiver mit ihren Chancen um. Wo ein Junge ist, fördern die Eltern diesen meist unbewusst mehr. „Deswegen haben Mädchen aus einer reinen Töchter-Familie die besten Chancen Karriere zu machen“, sagt Sigrid Metz-Göckel, die wissenschaftliche Leiterin der Frauenstudien an der Uni Dortmund. Solche Familien bieten allerdings das richtige Übungsfeld.

 

Konsequent statt Rambo-Gehabe

 

Denn vor allem Durchsetzungsfähigkeit qualifiziere eine Frau für eine Karriere, sagt Dagmar Mühlenfeld. Zugleich müsse sie ihre Arbeit aber auf eine ausgleichende Art und Weise erledigen. Denn immer noch hätten Männer Probleme mit weiblichen Vorgesetzen. Mit einer „Rambomentalität “ komme sie da nicht weit. Eher mit Konsequenz, das umsetzen, was man angekündigt habe, das sei wichtig. Vor allem zu Beginn der Karriere. Dagmar Mühlenfeld erinnert sich, dass sie hart gearbeitet hat, um mit den Männern gleichzuziehen.

 

Der Wille hält über Wasser

 

 

 Dagmar Mühlenfeld

„Um genauso anerkannt zu sein, wie ein Mann, müssen Frauen mehr leisten“, meint Sigrid Metz-Göckel. Männer würden sich zwar nicht bewusst gegen Frauen verschwören. Aber wer in der Elite sitzt, der wolle dort auch bleiben. Deswegen lassen viele Männer die Frauen lieber nicht in den Kreis der Elite hinein, weil sie dort neu und fremd wären. Dagmar Mühlenfeld ist zudem nicht besonders groß. „Ich vermute, dass ich dadurch gelegentlich unterschätzt wurde“, erzählt sie. „Da muss man wissen, was man will und wie sehr man es will, um weiter durchzuhalten.“ Vor allem am Anfang. Denn die ersten Schritte seien die schwierigsten, berichtet Dagmar Mühlenfeld. Habe man erst einmal eine gewisse Stufe auf der Karriereleiter erreicht, werde es einfacher. Dann gebe es eigentlich nur noch objektive Hindernisse wie Konkurrenzkämpfe bei Bewerbungsgesprächen.

 

Frauen brauchen gute Vorbilder

 

„Frauen, die hoch hinaus wollen, brauchen vor allem eins: Förderer und Vorbilder mit einer realistischen Alternative“, sagt Dagmar Mühlenfeld aus Erfahrung. Ihr großes Vorbild war eine Lehrerin. Sie trug Schuhe mit Absätzen, war stets superschick gekleidet und hatte obendrein noch zwei Kinder, eine absolute Exotin. Trotz guter Vorbilder hat sie „zu keiner Zeit gezielt ein politisches Führungsamt angestrebt“. Frauen stellten wohl eher im Laufe ihres Berufes fest, dass sie karrierefähig sind und seien deshalb mehr als Männer auf gute Gelegenheiten angewiesen. Männer dagegen seien von vorne herein zielstrebiger.

 

Studie: Viele Frauen haben Höhenangst

 

Was Dagmar Mühlenfeld an sich selbst und an Kolleginnen beobachtet hat, ist repräsentativ. Die Hamburger Wirtschaftsforscherin Sonja Bischoff hat sich jahrelang mit Biografien von Karrierefrauen beschäftigt. Ihr Ergebnis: Frauen haben Höhenangst. Bei Männern ist es genau umgekehrt: Je höher sie sind, desto weiter wollen sie kommen. Allerdings lassen sich mehr und mehr Frauen mit Kohle ködern, ist in einer neuen Studie von Bischoff zu lesen. Je höher das Einkommen, desto karrierewilliger die Frau. Desto kleiner aber auch der Kinderwunsch. Schon Managerinnen ohne Kindern fehlt meistens die Zeit für alles, was außerhalb der Arbeit erledigt werden müsste. Und die meisten sind sich sicher: Mit Kindern wären sie sicher nicht da, wo sie heute sind. Auch das zeigen die Studien von Sonja Bischoff.

 

Der Frauen-Bonus setzt sich durch

 

Dagmar Mühlenfeld ist überzeugt: „Wer Frauen außen vorlässt, verpasst deren Qualitäten.“ Sie könnten besser kommunizieren und kooperieren. Ein zweiter Frauen-Bonus: Wenn Frauen einen führenden Posten besetzt haben, ist das für sie eine enorme Errungenschaft. Dadurch arbeiten sie sachbezogener. Sigrid Metz-Göckel ist sich sicher, dass in Zukunft immer mehr Frauen in Führungspositionen kommen werden.

 

Ihre Fähigkeiten würden gebraucht. Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld gibt sich da pragmatisch: Zwar sehe die Welt mit Frauen in Führungspositionen nicht zwangsläufig besser aus, aber auf jeden Fall würden wertvolle Kompetenzen genutzt.

 

Fotos: CDU / Stadt Mülheim

VON DANIELA GODAU

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