Start

Stadt

Campus

Kultur

Sport

WM 2006

Service



 Willkommen » Das donews Weblog


Céad Mile Fáilte!




Auf zur grünen Insel...

...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.



18.05.06 12:17 Uhr.
Volksrepublik Cork
"The People's Republic of Cork" steht auf dem knallroten T-Shirt in der Vitrine der Jugendherberge, daneben die Aufschrift nochmal in Irisch und Polnisch. Volksrepublik Cork? "Das ist einfach der Humor hier", ist an der Rezeption zu hören, "die Leute sind schon sehr stolz auf Cork." Dies noch in den Ohren, vorbeischlendernd am wahrscheinlich einzigen Buttermuseum Irlands, kann einem der Gedanke kommen: Cork ist anders.

 Cork und drumrum: Fotostrecke (13 Bilder)

Und was anders ist, macht Angst. Nur so ist es zu erklären, dass vor dem Besuch von Cork sowohl in Dublin als auch in einschlägigen Reiseführern gewarnt wird: hässlich, industriell, provinziell, langweilig.

 
 Cork, St. Patrick Street.

Andere dagegen - um fair zu sein: auch Reiseführer - halten die Stadt mit 120.000 Einwohnern an der Südküste für das "Paris Irlands". Nun sollte man in Irland mit Vergleichen nicht erst dann vorsichtig sein, wenn man die angebliche Bucht von Neapel südlich von Dublin gesehen hat. Die Grüne Insel ist weder Frankreich noch Italien, und mediterran wäre sie höchstens gerne.

Doch Cork kommt schon nahe heran. Wenn die Sonne auf den River Lee scheint, der den Stadtkern zweiarmig umschließt, strahlt Cork eine Gelassenheit aus, die das schon recht quirlige Dublin steif und viktorianisch aussehen lässt. Jeder Fünfte in Cork ist ein Student - und von denen scheint jeder Fünfte ein Che-Guevara-T-Shirt zu tragen, wenns denn schon nicht die Volksrepublik auf der Brust ist.

"Rebel County" hätte es auch noch als Aufdruck gegeben. Da hilft wieder die Rezeption der Jugendherberge weiter: "Aus Cork kamen früher irische Revolutionäre wie Michael Collins, und später waren hier die ganzen sicheren Häuser für die IRA", und diese Worte klingen wie ein Augenzwinkern. Bleibt noch zu erwähnen, dass besagter Michael Collins in besagtem Rebel County am Ende von seinen eigenen Landsleuten erschossen wurde. Aber das waren ja sicher auch Rebellen, irgendwie.

Zu Beginn des Unabhängigkeitskriegens Anfang der 20er Jahre brannten britische Soldaten im aufrührerischen Cork die gesamte Innenstadt nieder. Heute sieht die Stadt denn auch vielleicht von allen irischen Städten am wenigsten irisch aus. Und es ist immerhin die zweitgrößte Stadt der Republik. Oder die drittgrößte Irlands, diese Zahl sollen die Corconians angeblich vorziehen, nach Dublin und Belfast. Wie gesagt, Rebel County.

Seit diesen blutigen Zeiten ist viel Geld nach Cork geflossen, durch Pharma- und IT-Konzerne, und auch der Titel "Kulturhauptstadt Europas 2005" hat wohl manchen Euro rollen lassen. Das herausgeputzte Stadtbild wiederum lockt Touristen - obwohl die, wenn nicht abgeschreckt durch Dubliner oder Reiseführer, ohnehin kamen, zumindest in die Nähe.


 
 Der Autor küsst den Blarney Stone. Zu
 Risiken und Nebenwirkungen...

Denn wenige Kilometer außerhalb von Cork liegt Blarney Castle: romantische, verwitterte Ruine mit Toren und Verliesen, inmitten eines alten Druidenhains. Und das einzige Schloss Irlands, in dem Menschen täglich Schlange stehen, um einen Stein zu küssen. In Schwindel erregender Höhe ist der "Blarney Stone" in die Brüstung eingelassen, der angeblich dem Küssenden die Gabe der ewigen Beredsamkeit verleihen soll.

Man kann es auch anders formulieren. Die englische Königin Elisabeth I. führte - nach dem damaligen Besitzer des Schlosses - den Begriff "to blarney" in die englische Sprache ein: für leeres, inhaltsloses Gerede. Wie auch immer, der Stein muss geküsst werden, und zwar - irischer Humor - rückwärts sich hinabbeugend, gehalten durch ein Eisengitter und einen älteren sehr beredsamen Iren.

"Warum können die den Stein nicht einfach unten irgendwo hinstellen", mault ein Tourist. Der hat's nicht verstanden. Cork ist anders.

Link: Satireseite Volksrepublik Cork

Kommentare
Geschrieben von: Kathrin - (E-Mail) am 26.05.06 13:49 Uhr.
Danke Soenke, du gibst ein besseres Bild von Cork als jeder Reisefuehrer. Jetzt weiss ich definitiv fuer meine letzte Irland-Tour: Ab in den Sueden!






 
   

  Start    Stadt    Campus    Kultur    Sport    WM 2006    Service  

Copyright © 2000 - 2006 donews.de