Céad Mile Fáilte!
![]() Auf zur grünen Insel... |
...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.
23.04.06 12:22 Uhr.
Im Reservat
Im Reservat

Donegal ist das Reservat Irlands. Hier treffen sich die letzten Mohikaner, die höchsten Klippen Europas, die wildesten Hochmoore der Insel, der blaueste Himmel und der tobende, brüllende Wind.
Sie treffen sich in diesem County ganz im Nordwesten der Insel, wo die Pfade noch weniger ausgetreten sind als anderswo, die Straßen enger und die Einsamkeit einsamer. Dünn besiedelt war dieser unfruchtbare Landstrich seit jeher. Ein Grund, warum er bei der Teilung Irlands 1922 nicht zu Nordirland geschlagen wurde. Und das sagt schon eine Menge über den rauesten, ablegegensten Streifen Land auf der grünen Insel.
Donegal heißt auch eine Stadt im County Donegal, die verwirrenderweise nicht die Hauptstadt ist, aber das nur am Rande. Mit einem kleinen Dorfplatz, einer Hand voll Pubs, einer Burgruine und einer Klosterruine zählt sie zu den größten menschlichen Siedlungen hier, und danach kommt erstmal: nichts.
Und nach dem Nichts kommen die Klippen von Sliabh Liag (Slieve League), mit 601 Metern die höchsten Europas. Der Wind fegt hier derart, dass stehende Autos mit zwei Insassen anfangen zu schaukeln. Vorausgesetzt, sie sind auf dem kilometerlangen, schmalen Teerpfad über die Klippen nicht schon wieder umgedreht, aber das ist eigentlich auch unmöglich. Ein Grund vielleicht, warum alle Welt zu den nur ein Drittel so hohen Cliffs of Moher fährt. Einige Kilometer weiter fällt die Küstenlinie ab und lässt den Wind in einsame Täler mit einsamen Stränden fegen.
Mitten in diesem größten irischsprachigen Gebiet (Gaeltacht) der Insel liegt der Nationalpark Glenveagh, ein riesiges, ginsterbesetztes eingezäuntes Nichts rund um einen eisigen Gletschersee. Und mittendrin ein Schloss, direkt am See, gebaut von einem Iren, der alle anderen Iren ringsum dafür vertreiben ließ. Und ausgebaut von seiner erheblich freundlicheren Frau. Die ließ Gärten ringsum anlegen, als wär's die Côte d'Azur. Man möchte mal einen Sommer an diesem schönsten Bootsanleger Irlands verbringen. Nur zum Einkaufen müsste man einige Stunden fahren. Aber so ist das eben im Reservat.
