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Céad Mile Fáilte!




Auf zur grünen Insel...

...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.



06.04.06 17:43 Uhr.
Lange Schatten (in Belfast)
Denis Donaldson war jahrzehntelang hoher Funktionär der IRA-nahen Partei Sinn Féin, saß in Belfast im Gefängnis. Denis Donaldson war auch 20 Jahre lang britischer Agent, und zwar gleichzeitig. Jetzt ist er tot.
Vermutlich gefoltert und erschossen, gefunden am Dienstag in seinem einsamen Cottage in Donegal, kurz hinter der nordirischen Grenze.

Vielleicht, hoffentlich, war das einer der letzten Schatten, die der Nordirland-Konflikt in den letzten Jahren geworfen hat. Eine böse Erinnerung an die siebziger und achtziger Jahre, als auf Belfasts und Derrys Straßen beinahe täglich Menschen starben. Für Konfessionen, für ein einiges Irland oder für Großbritannien, für Bezirke, für Straßen, oft für Geld oder auch für gar nichts.

 
 An einer "Peaceline" in Belfast, zehn
 Meter hoch, zwischen katholischen
 und protestantischen Vierteln.

Eine Erinnerung an 1981, als zehn IRA-Hungerstreikende im Gefängnis starben und IRA-Bomben gleichzeitig dutzende britische Paramilitärs töteten. Als andere Paramilitärs in Belfast mit Plastikgeschossen feuerten, die Kinder töteten. 

Heute nun haben sich Tony Blair und der irische Regierungschef Bertie Ahern getroffen und das 2002 ausgesetzte nordirische Parlament unter Druck gesetzt, bis November eine funktionierende Regionalregierung zu bilden. Vor zwanzig Jahren hätte der Mord an Donaldson ein solches Treffen für die folgenden paar Monate völlig unmöglich gemacht. Das hat sich geändert, immerhin.

 
 Drahtkäfig vor einem Pub -
 Angespanntheit ist in Belfast
 der Normalzustand.

Heute fahren Touristen in Belfast in Black Cab Tours zu den Stätten den heftigsten Straßenkämpfe. Vielleicht kommen sie für den Schauer auf dem Rücken, den die zehn Meter hohen Mauern und Stacheldrahtzäune erzeugen. "Erasmus want peace", steht da. Vielleicht kommen sie, um die bunten Graffitti ("Murals") zu sehen, mit denen Protestanten und Katholiken ihre gefallenen Helden feiern und der jeweils anderen Seite mit Tod und Verderben drohen. Vielleicht wollen sie einmal am Parteibüro von Sinn Féin vorbeifahren, weil sie dessen bärtigen Chef Gerry Adams immer nur im Fernsehen sehen.

 Fotostrecke aus Belfast

 Video von den "Murals" (...aktuell: auch Bush reiht sich ein...) (12s, 350Kb)

Warum auch immer, sie kommen, und sie lernen, und das scheint nicht das Schlechteste. Offene Kämpfe liegen Jahre zurück, Belfast ist sicher geworden, und Belfast hat sich sicher gemacht. An einem Freitagabend ist nichts von der Dubliner mediterranen Stimmung zu spüren, niemand auf den Straßen, alles vergittert, verrammelt, mit Stacheldraht umwickelt. Und wer an den Pubs vorbeiläuft, vor denen kleine Drahtkäfige als Sicherheitsschleuse stehen, dem fällt vielleicht ein, dass die Schatten doch länger sind, als man denkt.

Ausführliche Dokumentation des Nordirlandkonfliktes auf den Seiten des Historischen Instituts der RWTH Aachen
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