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Auf zur grünen Insel...

...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.



11.05.06 12:27 Uhr.
Boston oder Berlin? (Umfrage)
Wenn man es genau nimmt, ist die Frage schnell entschieden. Nach Boston (Massachusetts, USA) sind es von Dublin aus rund 4800 Kilometer, nach Berlin rund 1300. Ist Irland deswegen europäisch? "Boston or Berlin" ist zum Schlagwort einer lang andauernden Debatte in Irland geworden: wo gehören wir eigentlich hin?

Mit Kilometerzählen kommt man dabei offensichtlich nicht weit, wenigstens weder nach Boston noch nach Berlin. Obwohl Irland 1973 der Europäischen Gemeinschaft beitrat und seitdem - nach Meinung etwa des Ökonomen Peadar Kirby - EU-Strukturfonds die Grundlage für den wirtschaftlichen Boom im Irland der 90er Jahre gelegt haben, orientiert sich die Grüne Insel doch weiterhin maßgeblich an den Vereinigten Staaten.

Seit den Massenauswanderungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts war der irische Blick auf die USA gerichtet. Chicago oder eben Boston würden heute ohne die irische Einwanderer und ihre Nachkommen komplett andere Städte sein. Auf der anderen Seite des Atlantiks hat der "keltische Tiger", wie der seit Mitte der Neunziger Jahre mehr oder weniger anhaltende irische Wirtschaftsboom genannt wird, vor allem US-amerikanische Investitionen angezogen. In den späten Neunzigern kamen 80 Prozent des hereinregnenden Geldes aus den USA, und 20 der 25 amerikanischen Top-Hightechfirmen waren in Irland vertreten.

Wen wundert es, dass Irlands Vize-Premierministerin, Mary Harney, im Jahr 2000 eine tiefe Verbeugung vor einer Kongregation von US-Spitzenanwälten in Irland machte. "Geografisch sind wir näher an Berlin als an Boston", sagte sie "aber auf einer geistigen Ebene sind wir wahrscheinlich ein ganzes Stück näher an Boston als an Berlin." Dafür spräche zumindest, dass die Iren gerne "Europe" sagen - und zwar immer dann, wenn sie das kontinentale Festland meinen.

Vier Iren und ein Australier haben für donews zu Protokoll gegeben, was sie denken: Boston oder Berlin? Wie sehr ist Irland ein Teil von Europa?


 Rod Haanappel: Es wird mehr und mehr europäisch. Ich meine, Irland hält sich natürlich an alle europäischen Regeln, und darüber hinaus hat die Veränderung durch Europa sogar kleine Dörfer in Irland beeinflusst. Ich selber bin Australier, und ich denke, dass Irland allerdings ein Problem mit der Integration von Ausländern, auch Europäern, hat. Es bilden sich richtige Ghettos von Osteuropäern oder Afrikanern. Und die Iren würden nie in die Läden gehen, wo polnische Würstchen verkauft werden. Was eine Schande ist, denn die sind echt gut.
  

 

Carmel Smith: Wir sind voll und ganz ein Teil von Europa. Irland hat den europäischen Prozess schon immer begrüßt, ich würde sogar sagen, wir sind vielleicht am meisten von allen europäisch gesonnen. Dass viele Iren "Europe" sagen, wenn sie den Kontinent meinen, ist nur eine traditionelle Ausdruckweise. Schließlich waren wir lange Zeit ziemlich abgelegen vom Rest der Welt

 
  
 John O'Reilly: Teil Europas ja, europäisch nein. Jedenfalls nicht ganz. Wir haben und behalten unsere eigene Kultur, die sich einfach stark von anderen unterscheidet. Das hier wird immer zuerst Irland sein, mir irischer Kultur, und dann Teil Europas.
  
Vivienne Gleeson: Irland hat enorm von Europa profitiert, klar sind wir ein Teil davon. Sowohl ökonomisch, das wird ja schon klar wenn man das neue Business-Viertel mit ausländischen Firmen sieht. Aber auch kulturell, selbst kulinarisch - was allein alles an neuen Gerichten auf die Insel gekommen ist! Super! 
  
 Patrick Cullan: Irland ist nicht europäischer oder weniger europäisch als jedes andere Land auch. Das heißt aber auch, dass wir uns vom "Kontinent" nicht großartig unterscheiden. Die irische Kultur unterscheidet sich nicht stärker von zum Beispiel der deutschen Kultur als Deutschland und Frankreich untereinander. Und ist Frankreich europäischer?
 

 


Fotos: Malte Borowiack


Kommentare
Geschrieben von: Rü+Go - (E-Mail) am 11.05.06 21:30 Uhr.
Eure Umfrage übertrifft den Standard der Wochenendumfragen in der "Thüringer Allgemeine", Glückwunsch von Europe nach Ireland!

Geschrieben von: Julia - (E-Mail) am 11.05.06 21:43 Uhr.
Ich kann mir den Kommentar nicht verkneifen: Boston ist sehr europäisch und dazu haben vermutlich nicht zuletzt die irischen Einwanderer einen großen Beitrag geleistet! Daher hinkt der Vergleich Boston oder Berlin ein wenig






 
   

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