Céad Mile Fáilte!
![]() Auf zur grünen Insel... |
...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.
23.05.06 12:45 Uhr.
Kabul rückt näher
Die irische Boulevardpresse verdächtigt die Taliban, einen Hungerstreik in Dublin angezettelt zu haben. Und plötzlich sind die Probleme des gewaltgeschüttelten Afghanistans gar nicht mehr so weit weg von der Grünen Insel, wie viele Iren dachten. Und wahrscheinlich werden sie sich daran gewöhnen müssen.Kabul rückt näher
Eine Woche lang hatten 41 Afghanen in St. Patrick's Cathedral, einer der größten Kirchen Dublins, versucht, mit einem Hungerstreik politisches Asyl zu erzwingen. Unter ihnen waren acht Minderjährige. Noch ist unklar, was diese Aktion ausgelöst hat. Nur zweien der Afghanen drohte die Abschiebung, andere hatten nach Medienberichten noch nicht alle Möglichkeiten des irischen Asylrechts ausgeschöpft.
Die protestantische Church of Ireland, der St. Patrick's Cathedral gehört, hatte eine Lösung mit den Hungerstreikenden verhandelt, nach der die Afghanen die Kirche verlassen und mit Vertretern des Justizministeriums über ihre Fälle beraten hätten. Das Justizministerium hatte sich jedoch dieser Lösung verweigert und der Church of Ireland bedeutet, die Polizei sei nun allein zuständig für die Situation.
Am vergangenen Samstag erklärte die Church of Ireland dann, sie wünsche, dass die Afghanen die Kirche "still und in Würde" verlassen. Abends signalisierten die Hungerstreikenden, dass sie im Falle eines Polizeieinsatzes keinen Widerstand leisten würden. Zuvor hatten mehrere von ihnen für diesen Fall mit sofortigem Selbstmord gedroht.
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| St. Patrick's Cathedral - hier traten 41 Afghanen in Hungerstreik. |
Die Polizei brachte 33 der Hungerstreikenden vor ein sofort einberufenes Gericht, die Verhandlungen werden in der kommenden Woche fortgesetzt. Die Minderjährigen befinden sich jetzt unter staatlicher Aufsicht.
Die Ereignisse der vergangenen Woche haben in Irland eine Debatte über das Asylrecht ausgelöst, von dem Justizminister Michael McDowell sagt, es sei "eines der fairsten und transparentesten in ganz Europa". Vertreter von Amnesty International dagegen kritisierten die Praxis der langen Unterbringung der Asylsuchenden in Behelfsunterkünften ohne Zugang zu Bildung oder Arbeit.
Über das Klima auf der Insel sagt es aber vermutlich mehr, dass die Boulevardpresse hinter dem Hungerstreik eine von den Taliban organisierte Aktion vermutet. Justizminister Michael McDowell hat bisher dazu Auskünfte verweigert und nur erklärt, die Hungerstreikenden hätten "Hilfe von außen" gehabt. Zusätzlich hatte eine Boulevardzeitung das Klima angeheizt, die über einen der Afghanen berichtet hatte, dieser habe sich als "Vergewaltiger und Mörder" unter dem Kommando der Taliban bezeichnet. Dubliner Jugendliche, die rassistische Slogans vor der Kirche riefen, lieferten sich Rangeleien mit Demonstranten, die für die Hungerstreikenden protestierten.
Es ist deutlich geworden, dass Irlands neuer Reichtum viele Migranten und Asylsuchende anzieht, die nicht immer und überall willkommen sind. Immer wieder wird von rassistischen Pöbeleien oder Übergriffen berichtet. Ein afrikanischer Migrant sagte gegenüber einem studentischen Radiosender, man habe ihm wiederholt deutlich gemacht, er solle nach Afrika zurückgehen und sei nur ein Flüchtling, "andere haben Eier nach mir geworfen".
Seit 2003 haben etwas mehr als 300 Afghanen Asyl in Irland beantragt, 23 haben es bekommen. Bis jetzt ist nach Angaben McDowells kein Afghane abgeschoben worden. Das wird sich ändern. Und selbst wenn sich das irische Asylrecht in Zukunft als mustergültig erweisen sollte, stehen dem Land Probleme ins Haus. Denn die Afghanen, die bleiben dürfen, müssen mit der Gesellschaft leben. Nicht mit dem Recht.
