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Céad Mile Fáilte!




Auf zur grünen Insel...

...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.



29.04.06 21:35 Uhr.
Chester, der Sammler
Angenommen, eine Hauptstadt wäre nicht übermäßig reich gesegnet mit weltberühmten Museen. Angenommen, in dieser Stadt gäbe es eine Sammlung uralter, immens wertvoller Bücher, Handschriften und Kunstgegenstände. Angenommen, sie wäre umsonst zu sehen.

Doch was passiert? Alle Welt läuft zu einem anderen Museum, in dem aber nur ein einziges Buch zu sehen ist, und das für acht Euro Eintritt. Schilda? Nein, Dublin. Da gibt es das Book of Kells - und den Ort, an dem etwa hundert Book-of-Kellse zu sehen sind.

Das Book of Kells, eine reich verzierte Bibel aus dem irischen Mittelalter, ist eine der Hauptattraktionen Dublins. Das Trinity College zeigt seinen Schatz für dementsprechende Eintrittspreise mit einer vorgeschalteten, zugegeben sehr guten Ausstellung über die Entstehung des Buches. In einem abgedunkelten Raum liegt es dann unter Panzerglas.

 
 Vor dem Schild steht während der Saison
 eine meterlange Besucherschlange.

Das kraftvolle Schwarz der sauber geschwungenen Buchstaben hat die Jahrhunderte ohne Schaden überstanden, und die irrsinnig verschlungenen Illustrationen leuchten in Lapislazuli-Blau und Blattgold. Und wem das eine Buch - bei allem Respekt - zuwenig ist, kann ein Stockwerk höher den Long Room, den längsten Bibliotheksraum Europas (64 Meter), besichtigen. Hier wird der Staub der Jahrhunderte noch von schmächtigen Bibliothekaren in blauen Schürzen von den dunklen Eichenregalen gewedelt. Wenn Irland schon nicht das Land der Dichter und Denker sein kann (Marke ist reserviert), dann wenigstens "The land of saints and scholars", das Land der Heiligen und Gelehrten. Dementsprechend spielen Bücher und Geschichten und Geschichten über Bücher eine dominierende Rolle auf der Grünen Insel. Oder, wie es heute eine Kommilitonin formulierte: "Das ist Irland. Hier gibt es ... alte Steinhaufen und alte Bücher."

Wie man es auch sehen will, Dublin ist ein Paradies für alle, die Schwarz auf Weiß interessiert. Aber das Book of Kells ist höchstens die Außenstelle des Paradieses. Der eigentliche Eingang ist etwas schwierig zu finden. Versteckt hinter dem Dublin Castle liegt, von lachhaft wenigen Wegweisern fast verschämt angezeigt, die Chester Beatty Library.

 
 In der Chester Beatty Library -
 Attraktion mit Understatement. 

Chester Beatty hätte über den Book-of-Kells-Rummel gelacht, soviel ist sicher. Und dann hätte er es gekauft. Beatty, 1875 in New York geboren, Diamantenschürfer, Sammler und Millionär, hinterließ dem irischen Staat bei seinem Tod 1968 eine wahrhaft beeindruckende Sammlung.
Einige der ältesten Bibelhandschriften der Welt, reich verzierte Bücher aus der italienischen Renaissance, uralte buddhistische Gebetsmühlen, Koran-Ausgaben aus dem neunten Jahrhundert, Samurai-Schwerter - Beatty sammelte aus Orient und Okzident. Eine Abschrift von Paulus' Brief an die Römer liegt dort unter Glas, 1800 Jahre alt, in Griechisch auf ägyptischem Papyrus. Abgeschrieben, lange bevor der Text Teil des Neuen Testaments wurde. Wem das noch nicht genug Schauer über den Rücken jagt, muss sich nur umdrehen, um die ältesten Evangelien der Welt zu sehen, wenn es auch nur Papyrusfetzen sind. Werke vom Rang des Book of Kells stehen hier in jeder Ecke, man muss sich Mühe geben, keins zu übersehen. Danke, Chester. Auch für den Dachgarten und das Café im Erdgeschoss, übrigens.

Beatty war zwar der erste Ehrenbürger Irlands, dekoriert mit Orden und Auszeichnungen, zum Ritter geschlagen, ein freundlicher, untersetzer Mann mit Glatze und Mantel, auf seine alten Tage. Der einzige irische Privatmann, der je ein Staatsbegräbnis bekommen hat. Aber all der Ruhm hat offenbar nicht gereicht, um den Touristenstrom hierher zu lenken. Zwar wurde die Chester Beatty Library 2002 "European Museum of the Year", aber einschlägige Reiseführer reihen das Museum nicht in den Reigen der wichtigen Sehenswürdigkeiten Dublins ein - oder es fehlt gleich ganz.
Immerhin, wenigstens gibt es auch einen Gewinner dieses PR-Desasters - das Book of Kells.
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