Céad Mile Fáilte!
![]() Auf zur grünen Insel... |
...das ist irisch und heißt: tausendmal willkommen - zum donews-Blog aus Irland. Für donews berichtet aus Dublin Sönke Klug in loser Folge über Abenteuer des Erasmus-Studiums zwischen Pubs und Parks, zwischen Klippen und Küsten. Über das Irland aus der Kerrygold-Werbung, über das Friedensprozess-Irland, über das Irland, das über Nacht reich wurde. Oder es schon immer war.
07.03.06 23:04 Uhr.
Sie war so clever - oder: wie ich zum Glück nur fünf Euro verloren habe
Hunderennen ist in Irland Volkssport: die Windhunde rennen und die Iren, die alle gewettet haben, schwitzen und brüllen. Zehn solcher Rennen gibt es an einem Abend, jedes nicht viel länger als 30 Sekunden, an jedem Abend sind Rennen.Sie war so clever - oder: wie ich zum Glück nur fünf Euro verloren habe
Kurz vor Rennbeginn schieben und drängeln sich mit mir Menschen jeden Alters durch das nagelneue Renngebäude am Harold's Cross, die Tribünen bieten den Blick auf die penibel glatt gewalzte ovale Sandbahn, aber sie sind noch leer, so kalt ist es an diesem Abend. Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum sich drinnen die Massen drängen, die Senioren mit schwerem Akzent, die Mütter, Kinder, Männer, Kumpels, Freundinnen: drinnen können sie wetten. Vor den Schaltern lange Schlangen: Probleme mit der Technik, und das erste Rennen beginnt in zehn Minuten. Mindesteinsatz ist ein Euro - Hunderennen ist Volkssport.
Die drahtigen, muskulösen Windhunde tragen farbige Jäckchen, jeder eine andere Farbe, wohl weniger als Kälteschutz. Irgendwie muss ich ja "meinen" Hund identifizieren in dem Gewühl aus Schnauzen und Pfoten, das gleich über die Bahn galoppiert, dass der gelbe Sand hoch aufspritzt.
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| John Murphy nimmt bis zur letzten Sekunde Wetten entgegen. |
So schnell ist das Rennen vorbei, und in 15 Minuten beginnt das nächste, schnell zum Wettstand. "Rodney's Rumble" ist ein todsicherer Tipp, wenn ich den alten Mann mit dem beeindruckenden weißen Schnauzbart richtig verstanden habe. Immerhin hat er mir einen Haken in mein kryptisches Rennheft gemalt, das eher wie ein Telefonbuch von Shanghai aussieht.
So schnell... und doch nicht schnell genug. Start des Rennens (8s, 245kb)
Fünf Euro also auf "Rodneys Rumble". Fünf Minuten noch bis zum Rennen. Nach draußen, einen guten Platz suchen. Die Tribünen füllen sich und hundertfach kondesiert Atem vor Mündern. Die Hunde werden über ein Podest geführt und vorgestellt, sie spitzen die Ohren. Dann stehen sie in einem Verschlag, jeder in seiner Box, und scharren mit den Pfoten im Sand, wirklich. Der elektronische Hase rast an ihnen vorbei auf der Außenbahn, und die Hunde hinterher. Und Rodney, alter Knabe, vorneweg, da hatte ich die Faust schon hochgerissen, da drängeln sie Rodney ab, in der Kurve, die Schweinehunde, Rodney stolpert, Rodney kommt als letzter ins Ziel. Verdammt.
Aber jetzt: das achte Rennen, das muss klappen, die Quoten stehen gut, ich wette fünf Euro auf "Idroveallnight", nicht nur wegen des Namens, sondern weil der weiße Schnauzbart wieder einen Haken in mein Heft gemalt hat. Geben wir ihm eine zweite Chance. Und die Quoten fallen und fallen, "Idroveallnight" scheint die Favoritin zu sein, eine halbe Minute bis Rennbeginn und jetzt kriege ich noch mal gerade so mein Geld wieder, wenn die graue Lady gewinnt. Der Verschlag, das Scharren, der Hase, "Irdroveallnight" führt, souverän, holt aus, lässt alle hinter sich - und guckt in der Kurve irritiert hoch, lässt sich von allen überholen, kommt als letzte ins Ziel. Verdammt.
Und dann: erfahren wir drinnen, dass das Rennen ungültig erklärt wurde, weil der Elektro-Hase nicht richtig funktioniert hat, in der Kurve. Cleverer Hund, "Idroveallnight". Jeder bekommt seinen Einsatz wieder, und jeder ist moralischer Sieger. Sie hätte es geschafft, auf jeden Fall. Vielleicht.
