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 Willkommen » Campus » Bestand von donews gefährdet


donews wird eingestellt




Das Ende ist schon beschlossen: donews.de soll abgewickelt werden.

Nach rund sechs Jahren wird das Dortmunder Online-Magazin www.donews.de im September eingestellt. Der Vorstand des Instituts für Journalistik hat trotz Kritik von Studierenden grünes Licht für die Pläne von Prof. Horst Pöttker gegeben, der künftig für die Lehrredaktion Online zuständig ist. Danach soll ein Onlinemagazin mit Medienthemen die Redaktion donews ersetzen. Fataler Wandel der Journalisten-Ausbildung an der Uni Dortmund?

 

Die Ausbildung am Institut für Journalistik der Universität Dortmund galt bislang bundesweit als besonders fortschrittlich, da es seinen Studierenden vier Lehrredaktionen anbot: InDopendent (Print), elDOradio (Hörfunk), do1 (TV) und donews (Online).

 

Bereits seit Januar war klar, dass der Bestand von donews stark gefährdet ist. Damals hatte ein Beschluss des Institutsvorstandes die Studierenden in helle Aufregung versetzt. Demnach wollte der Vorstand aus Kostengründen eine Stelle streichen, die bisher für die Betreuung der Lehrredaktion Online zuständig war.

 

"Donews muss bleiben"

 

Aus Sicht der Studierenden eine Katastrophe: "Es wäre ein unglaublicher Rückschritt für alle Beteiligten, diese Lehrredaktion zu schließen", sagte eine Studentin. "Außerdem würde den Studierenden eine wichtige Chance genommen, sich für das spätere Berufsleben vorzubereiten! donews muss bleiben!" Bei zwei Vollversammlungen und auf der entscheidenden Vorstandsitzung Anfang April sprachen sich die Journalistik-Studierenden klar für den "Erhalt von donews in der bisherigen Form" aus.

 

Nach neuer Lesart soll die Online-Lehrredaktion aber nie gefährdet gewesen sein. Eine entsprechende Stelle soll weiter bestehen, donews könnte also theoretisch erhalten werden. Doch Prof. Horst Pöttker, der die Verantwortung für die Online-Redaktion übernimmt, möchte statt www.donews.de ein Internetportal mit Medienthemen anbieten. Drei Lehrredaktionen mit lokalen Themen seien genug, meint Pöttker.

 

Studierende dagegen - Vorstand dafür

 

Der Vorstand gab Pöttker freie Hand. Gegen den ausdrücklichen Willen der Studierenden wird donews also im September geschlossen und die praktische Online-Ausbildung komplett durch ein medienjournalistisches Internet-Portal abgedeckt, dessen Konzeption vielen fragwürdig und mangelhaft erscheint - nur den Professoren anscheinend nicht. Die Vorgehensweise, so die Argumentation, sei durch die Freiheit von Forschung und Lehre gedeckt.

 

Mit dem neuem Konzept wird sich die Arbeit der Studierenden in der Lehrredaktion Online erheblich verändern. Bei einer Fachschaftsvollversammlung musste Professor Pöttker gegenüber Studierenden einräumen, dass künftig ein großer Teil der Artikel nur noch am Telefon und per Internet recherchiert werden wird. Pöttker wies ebenfalls darauf hin, dass er sich den Einsatz bestimmter multimedialer Elemente (wie z.B. Videos) bei seiner neuen Online-Medienseite nur schwer vorstellen könne.

 

Medien-Redaktion kann donews nicht ersetzen

 

Studierende betrachten Pöttkers Idee mit großer Skepsis: Weniger Einsatz multimedialer Elemente bedeute einen Rückschritt in der Online-Ausbildung. Das Medien-Portal sei thematisch zu eng gefasst und schränke damit die Kreativität der Studierenden stark ein. Ohne journalistischer Recherche vor Ort könnten junge Journalisten für die spätere Arbeit im Online-Bereich nicht effektiv ausgebildet werden.

 

Hier finden Sie die ausführlichen Argumente für den Erhalt von donews

 

 

 

donews-Protestschild zum "Tag der
offenen Tür" der Campusmedien.

Da die Grundstudierenden für die neue Lehrredaktion künftig keine Beiträge liefern werden, können sie die in Seminaren erworbene Online-Basiskompetenz nicht anwenden. Die Hauptstudierenden der neuen Lehrredaktion werden nicht mehr wie bisher Grundstudierende als Mentoren betreuen. Gerade diese Mentorentätigkeit fördere aber wichtige soziale Kompetenzen für das Berufsleben, betonen Studierende.

 

Durch die Neuausrichtung der Lehrredaktion Online auf Medienthemen nimmt das Institut für Journalistik sich zudem die Chance der stärkeren Kooperation aller Instituts-Medien unter dem Dach einer etablierten Online-Redaktion.

 

"Wir können gegen die Studierenden entscheiden"

 

Noch im Februar hatte Journalistik-Professor Günther Rager bei einer Fachschaftsvollversammlung geäußert, im Institutsvorstand werde nichts gegen die Studierenden entschieden. Dem widersprach nun ein anderer Lehrstuhlinhaber: "Doch, wir können gegen die Studierenden entscheiden."

 

Diese reagierten mit Enttäuschung und Entsetzen auf den Vorstandsbeschluss: "Es ist ziemlich entmutigend, dass etwas gegen unseren Willen durchgesetzt wird. Ich dachte, dass wir Studierenden hier im Vordergrund stehen, aber das scheint wohl nicht der Fall zu sein", sagt eine Journalistik-Studentin.

 

Handelt es sich um ein Prestige-Projekt, bei dem die journalistische Ausbildung nur noch eine untergeordnete Rolle spielt? Studierende meinen, dass Pöttkers Konzept zu weit von der Realität entfernt sei. Ganz im Gegensatz zu donews, dass sich eine breite Stammleserschaft erarbeitet hat - im März 2006 lockte das Online-Magazin rund 80.000 Besucher auf seine Seiten.

 

Nutzer über drohende Stilllegung enttäuscht

 

In den vergangenen Jahren hat sich donews am Markt bewährt, wie die Zahlen belegen: Im März dieses Jahres sahen sich im Durchschnitt 2525 Besucher täglich die Seite an - eine Steigerung auf fast das Fünffache gegenüber Mai 2005 (582 Besucher/Tag) und ungefähr das Achtfache vom März 2003 (351 Besucher/Tag).

 

Dementsprechend sind viele Nutzer der Seite ebenfalls enttäuscht: "Anscheinend liegt den Verantwortlichen an der Uni nicht viel an Qualität. Schade", schreibt ein Besucher ins Gästebuch. Für ihn ist donews "eine informative und sehr gut gestaltete Seite zum Thema Dortmund. Die Nachricht, dass Sie bald stillgelegt werden soll, ernüchtert da schon etwas..."

 

 

 

Bis September arbeitet donews 
"normal" weiter.  

Allen Argumenten zum Trotz wird donews Ende September abgeschaltet. Wir, die Macher, halten das für einen schweren Fehler. Wir sind fest überzeugt, dass eine Medien-Lehrredaktion die bisherige Ausbildung bei donews nicht ersetzen kann.

 

Unseren Leserinnen und Lesern - insbesondere allen, die unseren Widerstand gegen die Schließung unterstützt haben - danken wir herzlich. Bis bei uns die Lichter ausgehen, wird donews Sie weiter mit aktuellen Beiträgen in gewohnter Qualität versorgen.

 

Dortmunder Pressestimmen zum Ende von donews

 

Autoren: Stefan Dietrich & Simon Bückle

FOTOS: Simon Bückle, Daniel Gonzales 

 




 
   

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