Die Dortmunder Tauschbörse „Gib-und-Nimm-Zentrale"

Geldlos glücklich

Vor einigen tausend Jahren gab es noch keinen Kapitalismus, keine Sparbücher und keine Währungsunion. Kurz: es gab noch kein Geld. Die Menschen tauschten, wenn nötig, ihre Waren direkt miteinander. Und trotz Sparschwein, Deutscher Bank und Euro hat der Tauschhandel bis heute überlebt, auch in Dortmund. Seit acht Jahren organisiert die „Gib-und-Nimm-Zentrale„ den privaten Austausch von

 

Gisela Wilms

Dienstleistungen. „Die Angebote reichen von Babysitting und der Hilfe im Haushalt über Reparaturen bis hin zur Lösung von Computerproblemen„, sagt Gisela Wilms. Seit zwei Jahren organisiert sie ehrenamtlich alle Abläufe in der Zentrale. Sie kümmert sich unter anderem darum, Anbieter und Nachfrager zusammenzuführen, wenn sich die entsprechenden Mitglieder nicht ohnehin schon kennen.

Rund 250 Mitglieder

Als der Tauschring gegründet wurde, hatte er nur etwa sechs Mitglieder. Zur Zeit beteiligen sich rund 250 Personen an den Tauschgeschäften. „Hauptsächlich machen Leute mit, die wenig Geld, aber relativ viel Zeit haben, also junge Mütter, Rentner, Studenten oder Arbeitslose„, erklärt Gisela Wilms. „Es sind aber auch einige Akademiker dabei.„ Mitmachen kann jeder. Für die Aufnahme müssen nur ein Fragebogen ausgefüllt und eine einmalige Gebühr von 20 Mark gezahlt werden."
Die Zentrale gibt für die Berechnung der Leistungen einen Richtwert von zwei Punkten je Arbeitsstunde vor. Mit den verdienten Punkten können dann wiederum Dienstleistungen von anderen Mitgliedern in Anspruch genommen werden.

Freundschaftliche Kontakte

„Die Leute müssen sich aber nicht unbedingt daran halten. Es gibt weder den Zwang, jede Stunde mit genau zwei Punkten zu berechnen, noch eine Verpflichtung zum Tausch„, so Gisela Wilms. „Vieles läuft einfach über persönliche Beziehungen.„ Häufig ist dieser persönliche Kontakt ein wichtiger Grund, überhaupt in die Zentrale einzutreten, besonders für ältere Menschen.
Durch die „Gib-und-Nimm-Zentrale„ können sich die Mitglieder Dinge leisten, für die sie eigentlich nicht genug Geld haben. „Außerdem bieten die Mitglieder einen sehr individuellen Zuschnitt der Leistungen und eben den freundschaftlichen Kontakt„, ergänzt Gisela Wilms. „Und das alles ohne Geld."

Text und Fotos: Christina Neuhaus (E-Mail), 15. September 2001

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Wer Interesse an der „Gib-und-Nimm-Zentrale„ hat, kann sich bei Gisela Wilms melden. Ihr Büro im Bruder-Jordan-Haus, Melanchthonstraße 17,  ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

Kontaktadressen von weiteren Tauschringen gibt es unter
www.tauschring-
archiv.de
und www.tauschring
portal.de
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